# taz.de -- Spanienrundfahrt der Frauen: Sagenumwobener Anstieg
       
       > Mit der Schlussetappe der Vuelta erreicht der Radsport der Frauen einen
       > neuen Meilenstein. Das anhaltende Wachstum fordert Opfer an der Basis.
       
 (IMG) Bild: Triumphfahrt: Paula Blasi ist die erste Spanierin, die die Vuelta gewinnen kann
       
       Am Ende lieferte „La Vuelta Femenina“ eine faustdicke Überraschung: Nicht
       die Top-Stars um die letztjährige [1][Tour-de-France-Siegerin Pauline
       Ferrand-Prévot], Anna van der Breggen oder Kasia Niewiadoma standen nach
       dem großen Finale der siebentägigen Rundfahrt durch Spanien ganz oben auf
       dem Treppchen, sondern die junge Spanierin Paula Blasi (UAE Team ADQ).
       Damit ist ihr Historisches gelungen: noch nie zuvor war es einer
       einheimischen Fahrerin gelungen, den Gesamtsieg bei der Vuelta einzufahren.
       
       Es war ohnehin ein Tag für die Geschichtsbücher. Zum ersten Mal stand
       nämlich der Alto de L’Angliru auf dem Programm. Ein sagenumwobener Berg,
       der bisher nur den Männern vorbehalten war und schon so manch einem Profi
       den Angstschweiß auf die Stirn trieb. Kein Wunder, der Anstieg der
       Categoría Especial gehört zu den härtesten im Radsport: knapp 13 Kilometer
       ist er lang, an manchen Stellen beträgt die Steigung bis zu 23 Prozent.
       
       Bei der Vuelta setzte der L’Angliru nun den Schlusspunkt der Rundfahrt. Die
       Schweizerin Petra Stiasny (Human Powered Health) meisterte die Tortur am
       besten und gewann die Etappe. Es war der erste große Sieg der 24-Jährigen
       bei den Profis. 23 Sekunden später kam dann Paula Blasi als zweite ins
       Ziel. Ihr Vorsprung auf Anna van der Breggen war groß genug, um der
       Niederländerin, die als Gesamtführende in die Schlussetappe gegangen war,
       das Rote Trikot der Erstplatzierten noch abzunehmen.
       
       In Spanien der L’Angliru, [2][der Mont Ventoux bei der Tour de France
       Femmes], beim Giro d’Italia der Colle delle Finestre – die Frauen erobern
       immer weiter neue Gipfel. Vorbei sind die Zeiten, in der die Fahrerinnen
       ein Schattendasein fristeten. Seit der Einführung der Women’s WorldTour,
       der höchsten Rennserie im Frauenradsport, vor zehn Jahren schreitet die
       Professionalisierung in großen Schritten voran. Auch dank des
       Radsportweltverbands UCI, welcher die Teams seit 2020 unter anderem zu
       einem Mindestgehalt, Mutterschutz und Krankengeld verpflichtet.
       
       ## Wachstum mit viel Luft nach oben
       
       Mittlerweile fahren die Frauen alle drei Grand Tours sowie vier der fünf
       Monumente, wobei die Lombardei-Rundfahrt als letztes fehlendes Monument im
       nächsten Jahr seine Premiere feiern soll. Trotzdem ist noch sehr viel Luft
       nach oben. Seien es die im Vergleich zu den Männern niedrigeren Preisgelder
       oder die mangelnde Sendezeit. So wurden bei Paris-Roubaix lediglich die
       letzten 50 Kilometer übertragen, das Rennen der Männer dagegen komplett.
       
       Dennoch ist unbestritten, dass der Radsport der Frauen ein rasantes
       Wachstum an den Tag legt. Das allerdings sorgt nicht überall für
       Begeisterung. So äußerte die zweifache Giro-Siegerin Elisa Longo Borghini
       zuletzt die Befürchtung, dass der Sport implodieren könnte. Und auch
       [3][die Fahrerinnen-Gewerkschaft The Cyclist Alliance TCA] warnte in einem
       offenen Brief an die UCI davor, bei all dem Wachstum nicht die Basis zu
       vergessen.
       
       Damit meint die TCA die Continental Teams, quasi die dritte Liga in des
       professionellen Frauenradsports. Seit der Einführung einer neuen
       Teamstruktur – es gibt nun drei Ebenen: World Teams, Pro Teams und eben die
       Continental Teams – sind diese kaum noch bei den großen Rennen vertreten.
       
       Die fehlende Sichtbarkeit hat Konsequenzen. Sponsoren ziehen sich zurück,
       immer mehr kleine Teams müssen aufgeben. Dabei sind genau diese kleinen
       Teams für viele Nachwuchsfahrerinnen der Einstieg in den Profi-Radsport.
       Doch sie können kaum finanzielle Stabilität bieten.
       
       Im Brief der TCA an den Weltverband heißt es dazu: „Aus unserer
       Untersuchung für 2025 geht hervor, dass über die Hälfte der Jungprofis, die
       ein oder zwei Jahre dabei sind, erwogen haben wegen der finanziellen
       Unsicherheiten, den Sport wieder zu verlassen.“ Die Zahl der Continental
       Teams sei vor diesem Hintergrund von 2021 bis heute um ein Viertel von 51
       auf 38 Team gefallen.
       
       Doch auch die großen Teams haben zu kämpfen. Um zur Weltspitze zu gehören,
       wird immer mehr Geld benötigt. Ein Opfer dieser Entwicklung war das
       deutsche World Team Ceratizit Pro Cycling, welches sich Ende 2025 aus dem
       Radsport zurückziehen musste. Zur aktuellen Saison hatte die UCI sodann 15
       WorldTour-Lizenzen zu vergeben, nur 14 Teams erfüllten die Anforderungen.
       Andere bewarben sich erst gar nicht erst.
       
       Es bleibt also abzuwarten, ob das rasante Tempo, mit dem sich der Radsport
       der Frauen in der Spitze entwickelt, noch weitere Opfer fordert.
       
       10 May 2026
       
       ## LINKS
       
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