# taz.de -- Tour de France Femmes: Spannung, Emotionen, Wettkampf, Überraschungen!
       
       > Die Tour de France Femmes hielt, was die Männer-Tour sich nicht mehr zu
       > versprechen traut. Die Siegerin ist Demi Vollering aus den Niederlanden.
       
 (IMG) Bild: Schöne Farbe, schöner Hintergrund: Tour-Siegerin Demi Vollering in Nizza
       
       Erst 500 Meter vor der letzten Bergwertung war diese 5. Tour de France
       Femmes entschieden. Genau dort ließ Kasia Niewiadoma die Lücke aufgehen.
       Und [1][Demi Vollering], die Frau in Gelb, Siegerin von 2023, zog von
       dannen. Der zweite Toursieg des einstigen Blumenmädchens aus den
       Niederlanden war perfekt. Sie musste nur noch die Abfahrt meistern. Die
       ganzen 84 Kilometer zuvor hatten sich Vollering und Niewiadoma nicht aus
       den Augen gelassen. Nur 8 Sekunden trennten sie nach acht Etappen und 1.075
       zurückgelegten Kilometern.
       
       Mit knappen Einläufen haben die Polin und die Niederländerin Erfahrung.
       2024 gewann Niewiadoma die Tour mit vier Sekunden Vorsprung vor Vollering;
       vier Sekunden nach allen Bergsprints, Attacken, Stürzen, Verfolgungsjagden
       und Bonussekunden.
       
       Diesmal, auf dem Weg nach Nizza, baute die Niederländerin ihren Vorsprung
       auf über eine Minute aus. Sie dankte im Ziel Radhersteller Specialized für
       das neue und, wie sie sagte, „in der Abfahrt besonders schnelle“
       Arbeitsgerät. Das klingt nach Arbeit für Niewiadomas ebenfalls sehr
       ehrgeizigen Untersatzproduzenten Canyon in Koblenz.
       
       Festzuhalten bleibt: [2][Die Frauentour war spannend] bis in das Finale
       hinein. Obwohl die Titelverteidigerin Pauline Ferrand-Prévot vorzeitig
       ausstieg, blieb die Leistungsdichte vorn sehr hoch. Keine Einpersonen-Show
       wie bei den Männern, bei denen Tadej Pogačar nach Belieben regiert. Der
       Slowene war nur ein Sidekick bei der Frauen-Tour. Er huschte auf der Etappe
       zum Mont Ventoux kurz ins TV-Bild, als er seine Lebensgefährtin Urska
       Zigart ein paar Meter anschob. Die hatte mit Tagessieg oder Gesamtwertung
       aber nichts zu tun. Auf dem „kahlen Riesen der Provence“ holte sich am
       Freitag Niewiadoma Tagessieg und Gelb.
       
       ## In den Bergen
       
       Es war der erste Akt eines dreitägigen Bergspektakels. Am Folgetag zwischen
       Sisteron und Nizza schlug Vollering zurück. Auf der nur 450 Meter kurzen,
       aber bis zu 13 Prozent steilen Rampe des Camin de l’Arieta setzte sich die
       Fahrerin des französischen Teams FDJ United – Suez ab. Sie profitierte
       dabei von einer zwar nicht regelwidrigen, von vielen aber als unfair
       wahrgenommenen Aktion ihrer Teamgefährtin Célia Gery.
       
       Die Französin bereitete zunächst mustergültig die Attacke vor. Dann scherte
       sie aber nicht aus, sondern wählte in der folgenden Kurve eine Fahrlinie,
       die die von hinten heranbrausende Niewiadoma unweigerlich an den Bordstein
       gedrängt hätte, wenn die Polin nicht Fahrt herausgenommen hätte. „Das war
       kindisch von ihnen. Ich war wütend in dieser Situation und ich habe jeden
       Respekt vor ihnen verloren“, schimpfte Niewiadoma später. Vollering
       wiederum war sauer, dass die Rivalin ihre Teamkollegin verbal anging.
       
       ## Persönlich
       
       Das Sekundenduell bekam so noch eine persönliche Note. Jede Fahrerin zog
       ihre Art von Motivation daraus. Niewiadoma ließ am Folgetag ihr Team ein
       derart mörderisches Tempo vorlegen, dass das Feld nach zwei von insgesamt
       vier Bergwertungen auf nur ein Dutzend Fahrerinnen reduziert war. Opfer war
       unter anderem die zu diesem Zeitpunkt noch [3][Gesamt-Dritte Marlen
       Reusser]. Infolge eines späteren Sturzes verlor die Schweizerin jegliche
       Chance auf einen Podiumsplatz.
       
       Vollering wiederum war so geladen, dass sie am letzten Berg voll durchzog.
       „Ich wollte allen zeigen, dass wir die Tour nicht wegen dieses Vorfalls
       gewonnen haben“, spielte sie auf die Auseinandersetzung um die Behinderung
       am Vortag an. Das zeigt, welche Emotionen tobten. Im Verlauf der Etappe sah
       man Vollering und Niewiadoma immerhin miteinander reden. Ein Minimum an
       gegenseitigem Respekt schien wiederhergestellt.
       
       Bemerkenswert auch, dass es bei neun Etappen insgesamt fünf verschiedene
       Trägerinnen des Gelben Trikots gab. Bei den Männern waren es über 21 Tage
       nur deren zwei. Wer Abwechslung sucht, weiß mittlerweile genau, was sich zu
       gucken lohnt.
       
       Eine deutsche Trikotträgerin gab es auch. Antonia Niedermaier, wichtigste
       Helferin von Niewiadoma beim Leipziger Rennstall Canyon/SRAM, eroberte als
       erste Deutsche überhaupt das weiße Trikot der besten Nachwuchsfahrerin. Bei
       ihrem Talent und ihrer Entschlossenheit ist in der Zukunft auch für sie
       Gelb drin. Die Leistungsdichte an der Spitze im Frauenradsport dürfte
       weiter zunehmen. Die Abwechslung in den Ergebnislisten ebenfalls.
       
       10 Aug 2026
       
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