# taz.de -- Start der Tour de France Femmes: Mehr Konkurrenz, mehr Action, mehr Emotionen
> Die Tour der Frauen verspricht ein Kontrastprogramm zu der der Männer zu
> werden. Die Liste der Favoritinnen ist lang – und der Ausgang offen.
(IMG) Bild: Bei der Tour de France vergangenes Jahr gewann sie die Gesamtwertung: Pauline Ferrand-Prévot (im Vordergrund)
Am Samstag beginnt in Lausanne die Tour de France Femmes. Die verspricht,
sportlich ein reizvolles Kontrastprogramm zur letzte Woche in Paris zu Ende
gegangenen Tour de France der Männer zu werden. Die war ja kaum mehr als
ein [1][Soloprogramm von Gesamtsieger Tadej Pogačar]. Bei den Frauen
hingegen ist das Feld der Favoritinnen so groß und auch so ausgeglichen wie
noch nie.
[2][Titelverteidigerin Pauline Ferrand-Prévot] muss sich in erster Linie
mit ihren Vorgängerinnen Demi Vollering und Kasia Niewiadoma-Phinney
auseinandersetzen. Heftig an die Tür klopft aber auch [3][das erst
23-jährige spanische Großtalent Paula Blasi – die jüngst die Vuelta
gewann]. Am anderen Ende der Alterspyramide steht Rückkehrerin Anna van der
Breggen (36), die mit Podiumsplätzen beim Giro und der Vuelta in diesem
Jahr ihre gute Verfassung unterstrich.
Niewiadoma-Phinney wiederum hat mit dem Rosenheimer Klettertalent Antonia
Niedermaier in ihrem Rennstall Canyon/SRAM eine ebenfalls erst 23-Jährige,
die auch gut für einen Podiumsplatz ist. Als die taz die Veteranin Marianne
Vos, 39 und im 21. Profijahr, nach den drei gefährlichsten Rivalinnen für
ihre Visma – Lease a Bike-Teamkollegin Ferrand-Prévot befragte, meinte die
Niederländerin nur: „Da kann man nicht bei drei haltmachen. Es gibt
mindestens zehn.“
Diese Vielfalt entzückt auch die Renndirektorin der Tour Marion Rousse.
„Fast jedes Wochenende hatten wir eine andere Siegerin“, blickt sie auf den
bisherigen Wettkampfkalender der Womens World Tour zurück. Und tatsächlich
gab es in den vergangenen sechs Etappenrennen sechs unterschiedliche
Siegerinnen, während bei den Männern die Top-Stars Pogačar, Jonas
Vingegaard und Isaac Del Toro neun der elf Etappenrennen unter sich
aufteilten.
## Dichter in der Spitze
Und auch die Tour de France der Frauen feierte in ihren bisherigen
Austragungen jeweils unterschiedliche Siegerinnen, während bei den Grand
Tours der Männer die Frage bestenfalls lautet: Pogačar oder Vingegaard.
In der Spitze ist der Frauenradsport dichter geworden. Das liegt an
besseren Ressourcen, zumindest bei den großen Rennställen, die meist an
Männerteams gekoppelt sind. Für die sind Höhentrainingslager inzwischen
Pflicht, wie auch die Kombination aus Höhen- und Hitzetraining. Darüber
hinaus hat die Genderdifferenzierung im Training zugenommen.
„Das Training wird stärker an den Menstruationszyklus angepasst. Und wir
haben zuletzt auch mehr Wert auf den Fettstoffwechsel gelegt. Frauen haben
da aufgrund des höheren Körperfettanteils sogar Vorteile gegenüber den
Männern“, erzählt Rutger Tijssen, Trainer und Generalmanager bei der
Frauenabteilung von Visma –Lease a Bike.
Das wieder ins Programm genommene Zeitfahren führte schließlich zu
verstärkten Windkanaltests der Rennställe. „Ich fing ja bei einem Niveau
von minus 10 an“, erzählt Titelverteidigerin Ferrand-Prévot lachend in
einer Medienrunde. Im Wettkampf hat die Umsteigerin aus dem
Mountainbikesport in den letzten vier Jahren tatsächlich nur ein einziges
Zeitfahren absolviert, und das war auch noch das Teamzeitfahren bei der
Vuelta 2025. „Wir machten jetzt viele Tests, um die beste Position auf dem
Zeitfahrrad zu finden, waren immer wieder im Windtunnel, machten auch
Simulationen vom Rennen. Inzwischen fühle ich mich wohl auf dem
Zeitfahrrad“, betont sie.
## Optimale Balance zwischen Körpergewicht und Kraft
Dass sie als überlegene Toursiegerin des letzten Jahres in dieser Saison
noch keinen Sieg feiern konnte, bekümmert sie nicht sonderlich. „Mein
großes Ziel ist die Tour de France. Die ganze Vorbereitung war darauf
ausgerichtet. Deshalb war ich im Frühjahr zwar gut, mit immerhin einem
zweiten Platz bei der Flandernrundfahrt und einem dritten bei
Paris–Roubaix, aber es sprang eben doch kein Sieg heraus“, meint sie.
Sie führt das auch darauf zurück, dass sie sich erst jetzt wieder ihrem
idealen Wettkampfgewicht wie bei der letzten Tour angenähert habe. Die
ganze Saison als Hungerstecken zu verbringen, hält offenbar selbst die
Französin, die im letzten Jahr wegen ihres extremen Abnehmens sogar von
Berufskolleginnen kritisiert wurde, für wenig zielführend. Zur Tour aber
will sie in bester Verfassung sein, das heißt in der optimalen Balance
zwischen geringem Körpergewicht und maximalem Kraftpotential in den Beinen.
Die neun Etappen zwischen Lausanne und Nizza werden darüber Aufschluss
geben, wie gut ihr dies gelingt. Als kleinen Bonus hat sie noch, dass der
Col d’Èze, der auf der letzten Etappe rings um Nizza gleich vier Mal
befahren wird, ihr liebster Trainingsberg ist. „Ich fahre den fast jeden
Tag, kenne die Straße gut. Und mir gefällt die Vorstellung, dann nach der
Tour dorthin zurückzukehren und zu sagen, ich bin den im Rennen gefahren
und habe dort mein Bestes gegeben, ausnehmend gut“, meint sie. Um dann, im
Hinblick auch auf das starke Feld der Kontrahentinnen, einzuschränken:
„Vielleicht heule ich dann auch.“
Die 5. Tour de France Femmes verspricht eben, ein sehr offenes Rennen zu
werden, offen auch für jede Art von Emotion. Die deutschen Hoffnungen ruhen
neben Niedermaier vor allem auf Etappenjägerinnen wie Liane Lippert
(Movistar), Roubaix-Siegerin Franziska Koch (FDJ) und Gravel-Umsteigerin
Rosa Klöser (Canyon).
31 Jul 2026
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