# taz.de -- Erschütterung bei Hamburger Polizei: Beamter soll Kolleginnen heimlich beim Duschen gefilmt haben
       
       > Ein Hamburger Polizist soll eine Spionagekamera in den Frauenduschen
       > seiner Dienstwache angebracht und damit heimlich gefilmt haben.
       
 (IMG) Bild: Wo steckt wohl die Kamera? Gemeinschaftsdusche
       
       Ein Albtraum für 85 Polizistinnen in Hamburg: Im Kommissariat 14 an der
       Caffamacherreihe soll ein Polizeibeamter eine Spionagekamera in der
       Frauendusche der Wache angebracht und seine Kolleginnen heimlich gefilmt
       haben. Nun läuft das Verfahren des Dezernats Interne Ermittlungen (DIE).
       
       Nur durch Zufall fand eine Polizistin die Kamera in der Frauendusche der
       Hamburger Dienststelle. Ein Pressesprecher der Polizei bestätigte
       mittlerweile diesen Fund. Verschiedenen Medienberichten zufolge setzte sie
       sofort ihre Vorgesetzten in Kenntnis. Daraufhin begannen die Ermittlungen.
       
       Im Rahmen dieser Ermittlungen wurden der Arbeitsplatz und die Wohnung des
       Beschuldigten durchsucht und Datenträger sichergestellt, wie die
       Oberstaatsanwältin Mia-Christine Sperling-Karstens bestätigte. Wie genau
       der beschuldigte Polizist ermittelt wurde, wollte Sperling-Karstens zum
       Schutz der laufenden Ermittlungen nicht erklären.
       
       Bei dem Beschuldigten soll es sich, laut Bild, um einen 28-jährigen
       Polizeibeamten handeln. „Der Polizeipräsident hatte dem Polizeibeamten nach
       dessen Identifizierung unverzüglich ein Verbot der Führung der
       Dienstgeschäfte ausgesprochen“, sagt ein Pressesprecher der Polizei.
       
       ## Gesundheitsmanagement eingeschaltet
       
       Zudem führt er aus, dass das polizeiliche Disziplinarverfahren für die
       Dauer des strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens ausgesetzt sei. Die
       Staatsanwaltschaft Hamburg habe ein Ermittlungsverfahren gegen den
       Polizisten wegen „des Verdachts der Verletzung des höchstpersönlichen
       Lebensbereichs“ eingeleitet, sagt Oberstaatsanwältin Sperling-Karstens.
       
       Sie betont auch, dass die Unschuldsvermutung gilt. Sollte der 28-jährige
       Polizeibeamter jedoch schuldig gesprochen werden, sehe das Gesetz für die
       [1][Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs] die Verhängung einer
       Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren vor, sagt
       Sperling-Karstens.
       
       Bei der Polizistin, die die Kamera in dem Duschraum der Polizeistelle fand,
       soll es sich um eine Betroffene handeln. Das Polizeikommissariat in
       Hamburgs Innenstadt beschäftigt derzeit 240 Beamt:innen, davon rund 85
       Frauen. Ob die anderen 84 Frauen ebenfalls betroffen sind, ist derzeit noch
       nicht bekannt. Die betroffenen Kolleginnen bekämen aber bereits über das
       betriebliche Gesundheitsmanagement erforderliche Unterstützung, erklärte
       ein Sprecher der Polizei auf taz-Anfrage.
       
       Weitere Details sind bislang noch nicht bekannt gegeben worden. Dabei
       stehen einige Fragen im Raum: Seit wann hängt diese Kamera schon in der
       Frauendusche? Was wurde mit den Aufnahmen gemacht? Sind die [2][Aufnahmen
       online gestellt] und längst in den Weiten des Internets gestreut worden?
       Wie viele Polizistinnen der Wache sind betroffen? Um eine Antwort zu
       bekommen, heißt es jetzt: Abwarten.
       
       „Die [3][Polizei ist ein männlich dominierter Laden] und natürlich merken
       wir auch hier die Marginalisierung“, sagt Michaela C. Willig, die
       Bundesfrauenvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP)
       Nordrhein-Westfalen. Immer wieder würden landesweit übergriffige Fälle
       gemeldet werden, erklärt Willig in einem Gespräch mit der taz. Genaue
       Zahlen fehlten, betont sie und führt aus, dass sich die GdP zukünftig mit
       diesen genauer befassen werde. Eine genaue Einschätzung zum aktuellen Fall
       in Hamburg gab Willig nicht.
       
       Mittlerweile äußerte sich auch der Hamburger Landesverband der Gewerkschaft
       der Polizei (GdP). Geschäftsführer Horst Niens machte die Erschütterung
       über diesen Vorfall deutlich: „Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, wäre
       das ein schwerer Angriff auf die Intimsphäre der betroffenen Kolleginnen
       und ein massiver Vertrauensbruch innerhalb der Dienststelle.“
       
       Die [4][Polizei arbeite mit „hohem moralischen Anspruch“], erklärte Niens
       und betonte zudem, wie wichtig es sei, diesen Fall in einem transparenten
       Verfahren aufzuklären. Zudem lobte er das schnelle Handeln des
       Polizeipräsidenten, der den Beschuldigten vom Dienst freistellte. Das sei
       ein Signal: Übergriffe im eigenen Haus bekämen keinen Raum, sagt Niens,
       verwies aber ebenfalls auf die Unschuldsvermutung.
       
       11 May 2026
       
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