# taz.de -- Debatte um voyeuristische Fotos: Lasst die Fotos, ihr Spanner!
       
       > Spanner-Fotos in Sauna und Spa könnten bald strafbar sein. Doch reicht
       > das nicht. Unerlaubte Fotos in der Öffentlichkeit gehören gänzlich
       > bestraft.
       
 (IMG) Bild: Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen!
       
       Wie zum Teufel kommt man auf die Idee, fremde Menschen dabei zu
       fotografieren, wie sie sich am Strand sonnen oder saunieren? Letzteres
       passierte zwei Frauen im Juli letzten Jahres. Der Täter gestand die Tat.
       Sein Handy wurde von der Polizei beschlagnahmt. Darauf: weitere Fotos
       offensichtlich ungewollt fotografierter Frauen. Strafrechtlich belangt
       wurde er dennoch nicht. Denn es gibt kein Gesetz, das Menschen in Saunas
       vor voyeuristischen Aufnahmen schützt.
       
       In einem Interview mit der NOZ schlug Bundesjustizministerin Stefanie Hubig
       (SPD) nun vor, solche Aufnahmen – besser bekannt als [1][„Spanner-Fotos“ –
       künftig zu verbieten.] Egal wo einem diese Nachricht begegnet, folgt
       sogleich ein: „Aber es ist ganz wichtig, dass damit nicht beiläufiges
       Fotografieren gemeint ist.“
       
       Zunächst: Ein solches Gesetz wäre wünschenswert. Doch geht es nicht weit
       genug. Denn auch „beiläufiges Fotografieren“ fremder Menschen ist ein
       Problem – dient es doch als gern genutzte Ausrede für sein Gegenteil.
       
       Sicher, jede:r kennt es wohl, dass man ein Bild von sich und seinen
       Liebsten macht und im Hintergrund aus Versehen andere Menschen mit
       festgehalten sind. Das mag passieren. Doch schaut man sich in Social Media
       heute um, so fällt doch auf, dass dort immer häufiger Bilder von Menschen
       in äußerst intimen Posen festgehalten sind.
       
       ## Schock, Wut und Entsetzen machen sich breit
       
       In Insta- und Tiktok-Feeds finden sich reihenweise in der Nase popelnde
       Menschen, küssende Paare oder obdachlose Leute, die alles andere als den
       Eindruck erwecken, sie seien beiläufig fotografiert worden. Und auch wirken
       viele Bilder ebenso wenig so, als hätten die Fotografierten den
       Fotografierenden dazu eingewilligt.
       
       Jede Person, die schon mal unter den Rock fotografiert oder gefilmt wurde –
       oder es erlebt hat, wie ein beliebiger Körperteil in der U-Bahn oder auf
       der Straße ohne Einverständnis visuell festgehalten wurde –, weiß, wie sich
       das anfühlen kann: Schock, Wut und Entsetzen machen sich im ganzen Körper
       breit.
       
       Zwar sind „Upskirting“ und „Downblousing“ – also das Filmen unter den Rock
       und in das Dekolleté – mittlerweile strafbar, doch gehen auch diese Verbote
       nicht weit genug, schützen sie doch nur bestimmte Körperzonen.
       
       Strafrechtlich gibt es darüber hinaus kaum Schutz für Betroffene
       unerlaubter Aufnahmen in der Öffentlichkeit. Das zeigte nicht zuletzt der
       Vorfall, [2][den die Joggerin Yanni Gentsch voriges Jahr publik machte].
       Ein Radfahrer filmte ihren Hintern minutenlang beim Joggen. Sie
       konfrontierte ihn. Vor dem Gesetz musste auch er sich nicht verantworten –
       weil es eben kein entsprechendes gab.
       
       ## Für Betroffene von Sexismus ist der Staat nicht immer der beste
       Ansprechpartner
       
       Für Betroffene bedeutet das: Wollen sie rechtlich gegen Täter:innen
       vorgehen, müssen sie das zivilrechtlich machen und tragen dabei selbst das
       Verfahrensrisiko. Hat man also den Mut, Täter:innen zu konfrontieren,
       wird man im Zweifel beleidigt oder mit einem „Ja, wenn du auch so
       rumläufst!“ bedacht, läuft man am Ende auch noch Gefahr, auf Prozesskosten
       sitzen zu bleiben.
       
       Ein generelles Verbot unerlaubter Fotos in der Öffentlichkeit würde dieses
       Problem lösen. Und auch die oben aufgebrachte Frage klären: Wie zum Teufel
       kommt man dazu, Menschen in der Öffentlichkeit ohne deren Erlaubnis zu
       fotografieren? Sexistische Haltungen und ein Hang zum Voyeurismus dürften
       dazu motivieren, aber auch schlicht das Wissen, damit im Zweifel ungestraft
       durchzukommen.
       
       Klar ist auch: Für Betroffene von Sexismus ist der Staat nicht immer der
       beste Ansprechpartner, wenn es darum geht, Gerechtigkeit einzufordern. Und
       auch ein Verbot voyeuristischer Aufnahmen in der Öffentlichkeit wird sie
       nicht völlig verhindern. Doch kann schon die Debatte darum das kollektive
       Bewusstsein zu solchen Taten ändern: dass sie alles andere als okay sind,
       nämlich verurteilenswert.
       
       27 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Raweel Nasir
       
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