# taz.de -- Forderung von Aktivisten zu Pestiziden: Kein Gift für niemand
> Die EU müsse Nahrungsmittelimporte mit hierzulande untersagten Pestiziden
> verbieten. Das verlangen das Umweltinstitut München und andere Verbände.
(IMG) Bild: In Brasilien sind Pestizidwirkstoffe, wie Mancozeb, Fipronil oder Glufosinat, zum Anbau von Soja erlaubt
Umwelt- und Agraraktivisten fordern, Lebensmittelimporte mit
[1][Pestiziden] zu untersagen, die hierzulande wegen ihrer Risiken für
Gesundheit und Umwelt verboten sind. Die EU müsse ihre erlaubten
Höchstwerte für solche Wirkstoffe in importierten Nahrungsmitteln auf das
technisch nachweisbare Minimum senken, teilten die Organisationen Slow Food
Deutschland, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Netzwerk
Gerechter Welthandel und Umweltinstitut München am Donnerstag mit. Die
Bundesregierung müsse darauf hinwirken, statt zu bremsen.
Die Verbände begründen ihre Forderung einerseits mit einem ethischen
Argument: „Was wir den Menschen, den Böden und dem Wasser in Europa nicht
zumuten, darf nicht über Handel ausgelagert werden“, sagte Ludwig Essig,
Referent für Handelspolitik am Umweltinstitut und Koordinator des
Netzwerks.
Andererseits argumentieren die Aktivisten mit den Interessen der Bauern in
Deutschland und der EU. „Europäische Betriebe müssen unter strengeren
Auflagen produzieren und geraten zugleich in Konkurrenz mit Importware, die
zu niedrigeren Kosten unter schwächeren Schutzstandards erzeugt werden
kann“, so die Organisationen. Das sei „kein fairer Wettbewerb, sondern
strukturell ungleiche Regulierung“.
Bernd Schmitz, Vize-Bundesgeschäftsführer der AbL, nannte als Beispiele
unter anderem die Pestizidwirkstoffe Mancozeb, Fipronil und Glufosinat. Sie
alle dürften in der EU nicht mehr verwendet werden, weil sie zu gefährlich
seien. In Brasilien aber seien sie etwa zum Anbau von Soja erlaubt, das
dann nach Europa exportiert wird. Er forderte „Spiegelmaßnahmen“ etwa in
Handelsabkommen, um solchen „unfairen“ Wettbewerb zu verhindern.
## Gegen Exporte von verbotenen Pestiziden
Die Verbände sprachen sich auch für einen sofortigen Exportstopp für
Pestizide und Wirkstoffe aus, die in der EU aus Gesundheits- oder
Umweltgründen nicht zugelassen sind. Die Europäische Union hatte die
[2][Exporte solcher Pestizide zuletzt massiv] gesteigert. Das Volumen hatte
sich 2024 im Vergleich [3][zur letzten Datenanalyse 2018] ohne das 2020 aus
der EU ausgetretene Großbritannien auf fast 122.000 Tonnen mehr als
verdoppelt. Das berichteten Mitte [4][2025] die konzernkritische
Organisation Public Eye und Unearthed, die Investigativabteilung von
Greenpeace UK. Deutschland hatte demnach mit 40 Prozent der Ausfuhren den
größten Anteil. Die EU habe die Pestizide vor allem in Länder mit niedrigem
oder mittlerem Einkommen verkauft.
7 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Schwerpunkt-Pestizide/!t5008935
(DIR) [2] /Export-von-verbotener-Agrarchemikalie/!6086684
(DIR) [3] https://www.publiceye.ch/de/themen/pestizide/verbotene-pestizide-eu
(DIR) [4] /Die-EU-hat-den-Export-von-verbotenen-Pestiziden-massiv-gesteigert/!6114544
## AUTOREN
(DIR) Jost Maurin
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Pestizide
(DIR) Europäische Union
(DIR) Welthandel
(DIR) Landwirtschaft
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) EU-Kommission
(DIR) Schwerpunkt Pestizide
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Mercosur-Abkommen mit Südamerika: Übertriebene Kritik
Der Vertrag würde EU-Bauern kaum schaden, Umweltschäden wären überschaubar.
Aber er würde der Industrie nutzen – und den Beziehungen mit Südamerika.
(DIR) Pflanzenschutzmittel: EU will Pestizide unbefristet zulassen
Die EU-Kommission will die regelmäßigen Neuzulassungen für Pestizide wie
Glyphosat abschaffen. Dann würden die Stoffe künftig unbefristet
zugelassen.
(DIR) Gesundheitsgefahren durch Ackergifte: EU exportiert mehr hierzulande verbotene Pestizide
Die Menge habe sich seit 2018 mehr als verdoppelt, sagen Umweltschützer.
Ein UN-Beauftragter wirft den Europäern wegen der Ausfuhren Doppelmoral
vor.