# taz.de -- US-Truppenabzug in Vilseck: „Auf jeden Fall ein guter Anfang“
       
       > US-Soldaten sollen Deutschland verlassen. Yannik Kiesel von der Deutschen
       > Friedensgesellschaft ist froh darüber. Wirtschaftliche Gegenargumente
       > gelten für ihn nicht.
       
 (IMG) Bild: Soldaten bei einer Übung am US-Stützpunkt Grafenwöhr
       
       taz: Herr Kiesel, Sie sind Referent bei der Deutschen Friedensgesellschaft.
       [1][Trump will stationierte US-Soldaten aus Deutschland abziehen]. Zuvor
       hatte er Bundeskanzler Friedrich Merz kritisiert, weil dieser sich kritisch
       über die US-Offensive gegen Iran geäußert hatte. Haben Sie sich schon bei
       Merz bedankt? 
       
       Kiesel: Bedankt noch nicht. Wir hätten es natürlich lieber gehabt, wenn
       dieser Schritt von der deutschen Regierung gekommen wäre und nicht von den
       USA. Aber wir sind natürlich erst mal froh über den Truppenabzug.
       
       taz: Warum? 
       
       Kiesel: Weil wir eine militärische Aufrüstung ablehnen. Und da spielen die
       USA eine große Rolle. Denn in Deutschland liegt im rheinland-pfälzischen
       Ramstein der größte US-Luftwaffenstützpunkt außerhalb der USA. [2][Damit
       ist Deutschland zur militärischen Drehscheibe geworden]. Wir ermöglichen
       hier Angriffe wie die im Iran, die teilweise völkerrechtswidrig sind. Und
       dadurch machen wir uns mitschuldig an diesen Verbrechen.
       
       taz: Sie fordern seit Jahren, US-Soldaten aus Deutschland komplett
       abzuziehen. Jetzt sind es wohl erst mal 5.000. Sind Sie zufrieden? 
       
       Kiesel: Es ist auf jeden Fall ein guter Anfang, es wird aber noch keine
       großen Auswirkungen haben. Wir haben weiterhin in Deutschland 35.000 bis
       40.000 aktive US-Soldaten stationiert. Zudem betrifft es natürlich erst mal
       nur Bayern und nicht die großen Stützpunkte wie Ramstein oder Wiesbaden.
       
       taz: In der vom Abzug betroffenen Region sorgen sich nun viele um ihre
       Lebensgrundlage. Dort droht ein Kaufkraftverlust von rund einer Milliarde
       Euro jährlich. Schließlich wohnen die Soldaten vor Ort, zahlen Miete, gehen
       in Restaurants essen. Und auch sonst sorgen Militärbasen für Arbeitsplätze,
       zum Beispiel durch Baufirmen oder in Krankenhäusern. Können Sie die Ängste
       nachvollziehen?
       
       Kiesel: Natürlich können wir die Ängste nachvollziehen. Aber sie basieren
       auf militärischen Entscheidungen, die man unserer Meinung nach nicht hätte
       treffen sollen. Jetzt das Totschlagargument des Arbeitsplatzverlustes in
       der Region vorzuschieben, führt am Kern vorbei. Das sollte auf keinen Fall
       der Grund sein, die Soldaten nicht abzuziehen. Es gibt auch Alternativen:
       Wir unterstützen schon seit Jahren eine Konversion zurück zur zivilen
       Produktion.
       
       taz: Was heißt das konkret? 
       
       Kiesel: Die genaue Antwort müssen die Kommunen geben, indem sie
       zukunftsfähig weiterplanen. Sie müssen überlegen: Was können wir mit dieser
       Fläche machen? Wie können wir die Möglichkeiten, die wir haben,
       weiterentwickeln? Es liegt nicht in unserer Macht als Friedensorganisation,
       Arbeitsplätze zu schützen.
       
       taz: Sie haben auch Ortsgruppen in Rheinland-Pfalz und Bayern. Wie waren
       dort die Reaktionen in den letzten Tagen? 
       
       Kiesel: [3][Durchweg positiv. Sie arbeiten ja seit Jahren an dem Ziel,
       kritisieren das Militär vor Ort] und beobachten, wie es die Region
       beeinflusst.
       
       taz: Wie beeinflussen denn Soldaten die Regionen? 
       
       Kiesel: Durch die Kasernen vor Ort hat man natürlich einen regen Austausch
       auch innerhalb der Gesellschaft. Man knüpft Verbindungen, und gleichzeitig
       rücken das Militär und die Armee in den Mittelpunkt der Gesellschaft, was
       wiederum Soldaten vor Ort normalisiert, und das sollte unserer Meinung nach
       nicht sein. Das Militär ist kein normaler Arbeitgeber.
       
       taz: Warum ist das Militär kein normaler Arbeitgeber? 
       
       Kiesel: Weil das Militär letztlich auf Gewalt und Krieg ausgerichtet ist.
       Ein normaler Arbeitgeber produziert Güter oder Dienstleistungen. Das
       Militär hingegen dient der Durchsetzung politischer Interessen mit
       Waffengewalt. Dadurch trägt es zu Konflikten und Leid bei, statt sie zu
       lösen. Deshalb sollte man es unserer Meinung nach auch nicht als
       gewöhnlichen Teil der Gesellschaft betrachten oder wirtschaftlich
       rechtfertigen.
       
       taz: Insbesondere in Rheinland-Pfalz sind viele Menschen gegen die
       US-Präsenz. Auch weil man im Falle einer militärischen Eskalation
       befürchtet, als Erstes betroffen zu sein. Warum schafft es die
       Friedensbewegung da eigentlich nicht, mehr Leute auf die Straße zu bringen? 
       
       Kiesel: Natürlich sind Militärbasen ein wahnsinniges Sicherheitsrisiko für
       Deutschland. Die Proteste dagegen sind allerdings größtenteils regional.
       Die Menschen in den größeren Städten können mit der Realität in Ramstein
       erst mal nur wenig anfangen. Hinzu kommt, dass es meist sehr ländliche
       Gebiete sind. In Büchel in Rheinland-Pfalz sind zum Beispiel Atomwaffen
       stationiert. Dahin zu kommen und Proteste zu organisieren ist schwierig.
       
       7 May 2026
       
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