# taz.de -- US-Truppenabzug in Deutschland: Trump will „weit mehr“ US-Soldaten abziehen
       
       > Erst war von einem Abzug von rund 5.000 Soldaten die Rede, dann legte der
       > US-Präsident nach. Doch selbst aus den eigenen Reihen kommt Kritik.
       
 (IMG) Bild: US-Soldaten stehen nach ihrer Ankunft auf der US-Airbase in Wiesbaden-Erbenheim vor einer US-Flagge
       
       dpa/ap/afp | US-Präsident Donald Trump hat den Abzug von US-Soldaten aus
       Deutschland bekräftigt. „Wir werden stark reduzieren, und zwar um weit mehr
       als 5.000 (Soldaten)“, sagte er auf dem Flughafen in Palm Beach im
       US-Bundesstaat Florida auf eine Reporterfrage. Am Freitag hatte
       US-Verteidigungsminister Pete Hegseth den [1][Abzug von 5.000 US-Soldaten
       aus Deutschland] angeordnet. Er solle in den nächsten sechs bis zwölf
       Monaten abgeschlossen sein.
       
       Derzeit sind rund 39.000 Soldaten in Deutschland stationiert. Das
       US-Verteidigungsministerium machte deutlich, die Abzugs-Entscheidung folge
       einer Überprüfung der US-Truppenpräsenz in Europa. Trump hatte erst
       kürzlich angekündigt, einen solchen Schritt zu prüfen. Zuvor richtete er
       Kritik an Kanzler Friedrich Merz (CDU), nachdem dieser sich kritisch zum
       US-Krieg gegen Iran geäußert hatte.
       
       ## Pistorius um Deeskalation bemüht
       
       Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bemühte sich derweil um
       Deeskalation. Er hob die weiter bestehenden gemeinsamen Interessen hervor.
       „Die Präsenz amerikanischer Soldaten in Europa und besonders in Deutschland
       ist in unserem Interesse und im Interesse der USA“, sagte er der Deutschen
       Presse-Agentur.
       
       Zugleich machte er deutlich, dass die Entscheidung nicht unerwartet komme.
       Klar sei, dass die Nato europäischer werden müsse, um transatlantisch
       bleiben zu können. „Wir Europäer müssen mehr Verantwortung für unsere
       Sicherheit übernehmen“, sagte Pistorius. Deutschland sei dabei auf einem
       guten Weg.
       
       Derweil versuchte die Nato, sich mehr Klarheit zu verschaffen. „Wir
       arbeiten mit den USA zusammen, um die Details ihrer Entscheidung zur
       Truppenpräsenz in Deutschland zu ergründen“, teilte eine Sprecherin auf der
       Plattform X mit.
       
       ## Dutzende US-Militärstützpunkte in Europa
       
       In Europa gibt es seit Jahrzehnten Dutzende große US-Militärstützpunkte.
       Bei Einsätzen der Amerikaner etwa im Nahen Osten sind sie von großer
       Bedeutung. In Deutschland gehören dazu das US-Oberkommando für Europa in
       Stuttgart und als Drehkreuz der US-Luftwaffe der Flugplatz Ramstein in
       Rheinland-Pfalz.
       
       Laut einem Bericht der New York Times unter Berufung auf Quellen im
       US-Verteidigungsministerium ist nicht geplant, im rheinland-pfälzischen
       Landstuhl oder anderen medizinischen Einrichtungen für US-Streitkräfte
       unmittelbar Personal abzubauen.
       
       Aktuell sind nach Angaben des US-Militärs von Mitte April 86.000 Soldaten
       in Europa stationiert – davon 39.000 in Deutschland. Die Zahl verändert
       sich regelmäßig, auch wegen Rotationen und Übungen. Die Zahl von 5.000
       Soldaten gilt daher nicht als besonders gravierend. Merz und Trump pflegten
       monatelang ein recht gutes Verhältnis. Mit Blick auf den Iran-Krieg schlug
       der Kanzler aber öffentlich zusehends kritische Töne an. Bei einer
       Diskussion mit Schülern sagte er kürzlich, die USA könnten den Krieg nicht
       schnell beenden, „weil die Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht
       und die Amerikaner offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich
       überzeugende Strategie haben“. [2][Trump attackierte Merz] danach
       persönlich: „Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!“, schrieb er auf der
       Plattform Truth Social.
       
       ## Führende Republikaner kritisieren Teilabzug
       
       Zwei führende Republikaner haben den angekündigten Teilabzug von US-Truppen
       aus Deutschland kritisiert. In einer gemeinsamen Erklärung vom Samstag
       warnten die Vorsitzenden der Verteidigungsausschüsse in Senat und
       Repräsentantenhaus, Roger Wicker und Mike Rogers, dass ein Truppenabzug aus
       Deutschland das Risiko berge, „das falsche Signal an Wladimir Putin zu
       senden“. Der Kreml-Chef ist für den im Februar 2022 begonnenen russischen
       Angriffskrieg gegen die Ukraine verantwortlich.
       
       Wicker und Rogers zeigten sich „sehr beunruhigt“ über die Ankündigung des
       US-Verteidigungsministeriums, US-Soldaten aus Deutschland und
       möglicherweise auch anderen europäischen Ländern abzuziehen. Auch wenn die
       europäischen Nato-Verbündeten ihre Verteidigungsausgaben wie angekündigt
       erhöhten, werde es „Zeit brauchen, diese Investitionen in die militärischen
       Fähigkeiten zu übersetzen, die notwendig sind, um die Hauptverantwortung
       für die konventionelle Abschreckung zu übernehmen“, erklärten die beiden
       US-Politiker.
       
       Wicker und Rogers betonten zudem, dass Deutschland den Forderungen ihres
       Parteifreundes, US-Präsident Donald Trump, nach höheren
       Verteidigungsausgaben nachgekommen sei und dass Berlin US-Flugzeuge während
       des anhaltenden Konflikts mit Iran Stützpunkte und den deutschen Luftraum
       nutzen lasse.
       
       ## US-Teilstreitkräfte über Abzug nicht vorab informiert
       
       Auch wurde bekannt, dass Teilstreitkräfte des US-Militärs nach Angaben aus
       Pentagonkreisen nicht vorab über den geplanten Teilabzug von amerikanischen
       Truppen aus Deutschland informiert worden waren. Von der Ankündigung,
       innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate rund 5.000 Soldaten
       abzuziehen, hätten die Teilstreitkräfte „in Echtzeit“ erfahren, sagte ein
       Vertreter des Verteidigungsministeriums unter Zusicherung von Anonymität.
       
       In einer Reaktion bekräftigte das Pentagon am Samstag, dass der
       Entscheidung eine gründliche Überprüfung der Truppenpräsenz in Europa
       vorausgegangen sei. Es habe vor dem Beschluss zum Teilabzug der Truppen aus
       der Bundesrepublik einen „umfassenden, mehrstufigen Prozess gegeben, der
       die Perspektiven zentraler Führungskräfte des EUCOM sowie entlang der
       gesamten Befehlskette einbezieht“, hieß es in einer E-Mail des amtierenden
       Pentagon-Pressesprechers Joel Valdez unter Verweis auf die Abkürzung für
       das US-Europakommando.
       
       Das Pentagon unterhält hier mehrere große Militäreinrichtungen, neben EUCOM
       etwa den Flugplatz Ramstein in Rheinland-Pfalz, der als Drehkreuz der
       US-Luftwaffe gilt, und ein medizinisches Zentrum in Landstuhl, wo
       Verwundete aus den Kriegen in Afghanistan und im Irak behandelt wurden. Je
       nach Einsätzen, Übungen und Truppenrotationen sind in Europa in der Regel
       zwischen rund 80.000 und 100.000 US-Soldaten stationiert.
       
       Der Abzug von 5.000 Soldaten – etwa in der Größenordnung eines
       Brigadegefechtsverbands – aus Deutschland hätte wahrscheinlich nur
       begrenzte Auswirkungen auf die Kampfkraft, doch „im Hinblick auf die
       Signalwirkung für das US-Engagement ist dies jedoch etwas völlig anderes“,
       sagte ein anderer Pentagonvertreter.
       
       3 May 2026
       
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