# taz.de -- Mitgründer über Bremer Umsonstladen: „Minimalist bin ich sicher nicht“
> Der Umsonstladen in Bremen feiert sein 20-jähriges Bestehen. Er ist
> längst nicht nur ein Ort für kostenlosen Warentausch, sagt Mitgründer
> Johann Bergmann.
(IMG) Bild: Werden ja nach dem Lesen nicht schlecht: Bücher zum Verschenken
taz: Herr Bergmann, Sie haben den Umsonstladen Bremen 2006 mitgegründet.
Wie war das damals?
Johann Bergmann: Wir hatten ein ganz anderes Projekt im Sinn, ein soziales
Zentrum. Aus den Hartz-Protesten hatten wir uns als Gruppe formiert. Uns
hat es dann über die Raumsuche zerlegt. Wir waren dann noch zu dritt. Der
Umsonstladen sollte Teil des sozialen Zentrums sein. Also haben wir etwas
Kleines umgesetzt und ihn gegründet.
taz: Wie ist es Ihnen über die Jahre ergangen?
Bergmann: Über 20 Jahre gibt es immer wieder ein Auf und Ab. Es gab drei
größere Krisen, zuletzt Corona. Auch interne Konflikte gab es. In einigen,
teils sehr langen Phasen ist es super gelaufen. In solchen Zeiten entstehen
aus unserem Aktivismus in kreativen Prozessen spannende Projekte im Umfeld
des Umsonstladens.
taz: Sie entscheiden als Kollektiv. Funktioniert das?
Bergmann: Das kann ganz gut funktionieren. Eine Hürde ist immer, wie lange
und intensiv Leute dabei sind. Das fördert informelle Hierarchien. Wer
lange dabei ist, hat viel Erfahrung. Neue Leute kennen die Strukturen
nicht. Wir versuchen, das immer transparent zu machen. Und auch [1][neue
Leute zu ermutigen, Sachen anzupacken und eigene Dinge einzubringen.]
taz: Gab es immer genug Ehrenamtliche?
Bergmann: Wir sprechen von Aktiven. Tendenziell ist es so, dass es vor 20
Jahren noch leichter war, Leute zu finden, die langfristig bleiben. Das hat
sicherlich mit den gesellschaftlichen Entwicklungen zu tun. Viele sind kurz
dabei und dann wieder weg.
taz: Welche Ideen stehen hinter dem Umsonstladen?
Bergmann: Fast alle hier haben die ökologische Perspektive im Blick, dass
unheimlich viel Zeug produziert und weggeschmissen wird. Eine andere Idee
ist die Tauschlogik-Freiheit: dass jede Person Zugang haben sollte zu dem,
was er oder sie braucht. [2][Unabhängig vom Geld.]
taz: Sind Sie selbst Minimalist?
Bergmann: Minimalist bin ich sicher nicht. Ich lese viel und habe ganz viel
bedrucktes Papier zu Hause. Ich kaufe aber wenig neu. Ich bin ja
gleichzeitig Nutzer vom Umsonstladen. Hier nehme ich auch mal Bücher oder
Klamotten mit. Letztens ist mein Fahrrad kaputtgegangen. Zufällig hatte
gerade jemand eines abgegeben. Das habe ich jetzt als Übergangslösung. Auch
Computer oder Stereoanlagen hatten wir schon im Laden.
taz: Wer kommt in den Laden?
Bergmann: Das ist extrem schwierig zu beantworten. Es ist so vielfältig! Es
gibt Menschen, die mehr mitnehmen, als sie vorbeibringen – oder
andersherum. Manche machen auch nur eins davon. Das ist okay so. Einige
nutzen den Laden auch als Treffpunkt und Ort der Kommunikation.
taz: Wie finanzieren Sie sich?
Bergmann: Komplett über Spenden. Manche Leute spenden regelmäßig. Im Laden
steht auch eine Spendendose. Das Geld ist für die Miete und etwas Material
wie Flyer oder Klopapier. Alle Aktiven bringen sich unbezahlt ein.
taz: Ist das nicht sehr unsicher?
Bergmann: Es gibt immer wieder Leute im Kollektiv, die sich wünschen, dass
die Finanzierung stabiler wäre. Es war aber noch nie so. Maximal gibt es
mal Projektgelder. Wir versuchen, gemeinsam dafür zu sorgen, dass wir nicht
immer so knapp auf Kante genäht sind. Es macht Sachen entspannter. Ich habe
aber die Erfahrung, dass es immer irgendwie weitergegangen ist.
taz: Wie blicken Sie auf das Jubiläum?
Bergmann: Das ist etwas ganz Besonderes. 20 Jahre ist eine lange Zeit. Wir
freuen uns darauf. Es ist natürlich auch eine Menge zu tun. Mit
unterschiedlichen Vorstellungen dürfen wir den Tag nun füllen.
taz: Was bedeutet das Projekt für Sie persönlich?
Bergmann: Zunehmende rechtsradikale Strukturen, die Militarisierung der
Gesellschaft sowie die ökologischen und sozialen Krisen beschäftigen mich
sehr. Der Umsonstladen hilft, weil wir uns [3][hier austauschen und wirksam
fühlen können.]
16 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Alina Götz
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