# taz.de -- Theatertreffen Berlin: Wo war bitte der Kulturstaatsminister?
> Wolfram Weimer glänzte bei der Eröffnung des Berliner Theatertreffens
> durch Abwesenheit. Wenig Anklang fand dort auch das erste Stück „Il
> Gattopardo“.
(IMG) Bild: Jette Steckels „Mephisto“ immerhin bereitete große Freude
Knapp 1.700 Zeichen war dem Kulturstaatsminister ein Grußwort zur Eröffnung
des Berliner Theatertreffens wert, ansonsten glänzte [1][Wolfram Weimer]
während der Eröffnungsreden des Festivals, das als einer der relevantesten
Termine der deutschsprachigen Theaterlandschaft gilt, am 1. Mai durch
Abwesenheit. Mit vielen Gedankenstrichen versehen ließ er stattdessen auf
der Website der Berliner Festspiele unter anderem versichern, dass
„Kulturpolitik nicht die Aufgabe [hat], Inhalte vorzugeben, wohl aber,
Räume zu sichern, in denen künstlerische Freiheit möglich bleibt. Das
Theatertreffen ist ein solcher Raum – offen, streitbar und anspruchsvoll.“
Der Streitbarkeit solle man mit Gelassenheit, aber nicht mit Gleichmut
begegnen, so beschwor Matthias Pees, der Intendant der Berliner Festspiele
in seiner Eröffnungsrede Branche und Publikum. Sophrosyne als Antihybris im
tobenden Kulturkampf und das Publikum, das sich schon in Osnabrück,
Magdeburg und anderswo gegen Entmündigung wehrte als, am Ende halt doch,
bürgerliches Korrektiv – auch gegen die AfD und deren ideologische
Vereinnahmung.
Auch die Leiterin des Theatertreffens, Nora Hertlein-Hull, schlug in ihren
einleitenden Worten politische Töne an und konzentriert sich dabei ganz
gelassen insbesondere auf die Relevanz der unabhängigen Fachjurys für den
funktionierenden, demokratischen Betrieb. „Um Schützenswertes zu erhalten,
müssen wir alle Hebel in Bewegung setzen“, interpretiert Hertlein-Hull den
berühmten Satz des Revolutionärs Tancredi aus Giuseppe Tomasi di Lampedusas
„Il Gattopardo“ (Schauspielhaus Zürich), welches in der Inszenierung
[2][Pınar Karabuluts] das Festival eröffnete. Eine Anmerkung, die sich
durchaus als gar nicht mal so subtiler Seitenhieb auf Weimers Rolle bei der
Verleihung des Buchhandelspreises verstehen lässt.
Blickt man auf die enttäuschten Besprechungen, die dem Eröffnungsabend
folgten, scheint es zwar, als habe die Jury mit dem Leoparden nicht
unbedingt einen Publikumsliebling ausgewählt, bei gleichzeitiger
Beweisführung des sehr lebendigen Zustands des zuschauenden, teilhabenden
Korrektivs.
Dass dies auch wohlwollende Zustimmung leisten kann, stellte [3][Jette
Steckels „Mephisto“ (Münchner Kammerspiele)] am folgenden Abend unter
Beweis. Der komplexen und klugen zeitgenössischen Adaption des [4][Klaus
Mann] Klassikers auf der Bühne des Deutschen Theaters inklusiver
herausragender schauspielerischer Leistung zu folgen, bereitete große
Freude und stimmte zuversichtlich. Fürs Festival und den (auch politischen)
Zustand der dazugehörigen Fachjury.
5 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Hilka Dirks
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