# taz.de -- Inklusion an Schulen: Senat lässt Kinder mit Behinderung im Stich
> Tausende Kinder mit Förderbedarf in Berlin sind ohne Schulplatz. Seit
> Jahren. Schuld ist der Senat, sagt die Landesbeauftragte für Menschen mit
> Behinderung.
(IMG) Bild: Wer nicht zur Schule geht, versäumt wichtige Entwicklungsschritte
Bis zu 2.800 Kinder mit Förderbedarf gingen 2024 in Berlin nicht oder kaum
zur Schule, weil ihnen ein Platz fehlte. Das hatte eine Erhebung der
Bildungsverwaltung im vergangenen Jahr ergeben. Passiert ist seitdem:
nichts. Anlässlich des [1][Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von
Menschen mit Behinderungen] am Dienstag erhebt Christine Braunert-Rümenapf,
Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung des Landes Berlin, Vorwürfe
gegen den Senat.
„Mindestens 2.300 bis 2.800 Kinder und Jugendliche werden nach Daten aus
2025 in Berlin verkürzt, unregelmäßig oder gar nicht beschult“, schreibt
Braunert-Rümenapf in einer Pressemitteilung am Montag. Es sind die gleichen
Zahlen wie im Vorjahr. Braunert-Rümenapf ist seit fast zehn Jahren
Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung in Berlin. Schon länger sehe
sie Hinweise, dass es immer mehr Probleme mit der Nichtbeschulung von
[2][Kindern mit Behinderung] gebe, sagte sie der taz.
Als Ombudsperson können sich Bürger:innen mit Beschwerden an sie wenden.
Bei den Beratungsstellen für oder Interessenvertretungen von Menschen mit
Behinderungen seien die Probleme jedoch viel deutlicher wahrnehmbar. „Was
bei mir ankommt, ist nicht repräsentativ, aber ein Seismograf. Die
schulischen Probleme sind massiver geworden“, sagt Braunert-Rümenapf.
Woran das liegt, sei nicht klar. Auch dem Senat nicht, der 2024 einmalig
eine Mail mit Fragen an die Schulen geschickt hatte. Ein Drittel der
Schulen hätte darauf gar nicht geantwortet, anderen seien Fragen nicht
verständlich gewesen, so die Landesbeauftragte. Eine Einschätzung sei
deshalb schwierig. Zu wenig qualifiziertes Personal, mangelnde
Rückzugsräume oder Probleme bei der Organisation gehörten allerdings zu den
Antworten.
## Keine Eigeninitiative des Senats
„Dass seit dem Bekanntwerden dieser Zahlen nichts passiert ist, liegt in
der Verantwortung des Senats“, [3][sagt Braunert-Rümenapf]. Die Erhebung
von 2024 sei überhaupt nur unternommen worden, weil Interessenvertretungen
und Landesbeauftragte Druck auf Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch
(CDU) ausgeübt hätten.
Tausende Kinder mit Behinderungen und ihre Familien werden so allein
gelassen. „Für die Kinder hat das ganz schlimme Folgen für ihr ganzes
Leben“, sagt Braunert-Rümenapf. Für manche Entwicklungsschritte gebe es nur
bestimmte Zeitfenster. „Und die schließen sich teilweise ganz schnell. Das
holt man nur schwer wieder auf.“ Für viele Eltern sei es zudem so, dass sie
nicht mehr arbeiten können, weil ihr Kind keinen Schulplatz bekommt.
Seit April gibt es immerhin einen runden Tisch „Inklusion, Autismus und
komplexe Unterstützungsbedarfe“ der Verwaltung, bei dem erstmals auch
Interessenvertretungen von Menschen mit Behinderung einbezogen werden.
„Vorher hat es vom Senat keine Lösungsansätze gegeben“, sagte Wencke Pohle
der taz, Referentin für Sozialpolitik der Lebenshilfe. Noch immer sehe sie
jedoch zu wenig Bemühungen, die strukturellen Probleme anzugehen.
Laut der Landesbeauftragten brauche es jetzt zwei Dinge: Mittel- und
langfristig müsse man wissen, warum [4][Kinder nicht in die Schule können].
„Liegt es an der Schulstruktur? Am fehlenden Personal? Was wurde
unternommen, um das Kind in der Schule zu halten?“ Es brauche vor allem
aber eine schnelle Lösung für die Kinder, die gerade zu Hause sind und ihre
Familien. „Damit kann man nicht auf irgendeine Erhebung warten.“ Vor allem,
sagt Braunert-Rümenapf, müsse man auch Kinder mit Fluchtgeschichte in den
Blick nehmen: „Die kommen nämlich gar nicht erst in den Schulen an.“
Die Demo zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit
Behinderung findet am 5. Mai um 15:30 Uhr am Brandenburger Tor statt.
4 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Marco Fründt
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