# taz.de -- Die Wahrheit: Zäh wie ein Geschirrtuch
       
       > Die britische Küche gilt als schlecht, daran konnten Jamie Oliver oder
       > Gordon Ramsay nur kurzfristig etwas ändern. Wie es sich heute isst.
       
       „Man hat sich bemüht.“ Wer eine solche Bewertung in seinem Arbeitszeugnis
       findet, sollte sich umgehend zur Umschulung anmelden. Aber die Beschreibung
       trifft auf die englische Pub-Gastronomie zu. Viele Jahre lang hatte das
       Essen in Großbritannien einen miserablen Ruf. Dann, in den neunziger
       Jahren, produzierten Gastropubs neue Ideen und Geschmackserlebnisse. Seit
       Jahren geht es wieder bergab.
       
       Neulich habe ich es trotz besseren Wissens mal wieder probiert. Bei
       Werbetafeln, die „warm food all day“ versprechen, weiß man gleich, dass man
       Reißaus nehmen sollte, aber das Wirtshaus in Guildford machte einen
       gediegenen Eindruck und prahlte mit seinen historischen Wurzeln.
       
       Es war ein Familienfest, und das Essen war allzu familiär. Es erinnerte an
       vergangene Zeiten, die fatalerweise zurückgekehrt sind: kaltes Fleisch mit
       wässriger Sauce an Matschkartoffeln und zerkochtem Gemüse, vermutlich
       ehemalige Erbsen. Die Spezialität des Hauses, der Yorkshire Pudding, ein
       Backwerk als Beilage zu gebratenen Fleischgerichten, war zäh wie ein
       Geschirrtuch.
       
       Die 200 Variationen von Pasteten und Burgern, die auch auf den
       Speisenkarten anderer Gastropubs stehen, kommen aus dem Gefrierschrank und
       der Mikrowelle. Die logische Folge ist, dass jede Woche sechs Pubs in
       Großbritannien schließen müssen – insgesamt 15.000 in den vergangenen 25
       Jahren. Noch gibt es 45.000 Stück, aber die Tendenz geht nur in eine
       Richtung.
       
       ## Frisch zubereitet my ass
       
       Selbst der mit einem Michelin-Stern dekorierte Starkoch Gordon Ramsay hat
       in drei seiner Londoner Gastropubs Speisen serviert, die in einer
       Zentralküche zubereitet worden waren, und sie als „frisch zubereitet“ zu
       erheblich überhöhten Preisen angeboten. Mit solchen Begriffen lassen sich
       jede Menge kulinarischer Sünden verdecken.
       
       Der Heuchler hat einmal Tiefkühlkost als „faul“ und „verarbeitet“
       bezeichnet, brachte später jedoch eine Reihe von Tiefkühlgerichten bei
       Walmart auf den Markt. In einer Fernsehdokumentation kritisierte er das
       Abschneiden von Haifischflossen, obwohl er gerade an einem
       Haifischfangausflug in Florida teilgenommen hatte.
       
       Und er hat sich mit viel Tamtam der schlechten Qualität des Schulessens im
       Vereinigten Königreich gewidmet. Sein Ziel war es angeblich, die
       Ernährungsstandards zu verbessern, indem er Fertiggerichte durch frische,
       gesunde Mahlzeiten ersetzte, die mit begrenztem Budget von Grund auf selbst
       zubereitet wurden.
       
       Wie man es richtig macht, kann man in Schottland begutachten. Auf zwei
       schottischen Inseln wird den Kindern jetzt Wildbret als Schulessen
       serviert. Auf dem Schulmenü stehen Wildfleischbällchen und -burger – ein
       Beispiel für hochwertige lokale biologische Lebensmittel vom Feld bis auf
       den Teller, die keine Transportwege verursachen und kostengünstig sind.
       
       Gordon Ramsay, reichen Sie Ihren unverdienten Michelin-Stern an die Schulen
       weiter!
       
       15 Jun 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ralf Sotscheck
       
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