# taz.de -- Abzug der US-Truppen: Europe last
       
       > Der angekündigte Abzug der US-Truppen wirft Fragen auf. Es zeigt sich
       > erneut, dass Europa für die USA keine oberste Priorität hat.
       
 (IMG) Bild: Rein und raus? US-Truppen auf dem Übungsplatz Grafenwöhr in Bayern
       
       Es ist nicht wirklich klar, woher die 5.000 Soldaten herkommen sollen, die
       laut US-Verteidigungsminister Pete Hegseth in den nächsten sechs bis zwölf
       Monaten aus Deutschland abgezogen werden sollen. Ein hochrangiger
       Pentagon-Mitarbeiter sagte der [1][Washington Post], ein in Deutschland
       stationiertes Brigade-Kampfteam werde abgezogen. Ebenso soll ein
       Fernfeuerbataillon, dessen Stationierung in Deutschland für 2026
       geplantwurde, nun nicht mehr entsandt werden.
       
       Reuters zufolge fügte er hinzu, der Abzug werde die US-Truppenstärke in
       Europa auf das Niveau von vor 2022 zurückführen – vor Russlands Invasion in
       der Ukraine, die unter Präsident Joe Biden eine Truppenaufstockung
       ausgelöst hatte.
       
       Zusammen mit der Entscheidung, keine neuen Mittelstreckenraketen in Europa
       zu stationieren, deutet dies auf eine klare Priorität hin: Die USA planen
       offenbar nicht, ihre Kapazitäten für Einsätze in Afrika und dem Nahen Osten
       zu reduzieren. Doch alles, was der Ukrainehilfe und der europäischen
       Verteidigung gegen Russland dient, steht offenbar zur Disposition.
       Strategische Überlegungen scheinen dabei weniger eine Rolle zu spielen als
       ein Präsident, der seine Verbündeten unter Druck setzen will, wenn sie
       Kritik üben.
       
       Am Donnerstag sagte Trump, er werde wegen ihrer Haltung im Irankrieg
       „wahrscheinlich“ auch aus Italien und Spanien US-Truppen abziehen. Italien
       sei „für uns überhaupt nicht hilfreich“ gewesen und Spanien habe sich
       „absolut schrecklich“ verhalten. Beide hatten den USA untersagt, für
       Angriffe auf den Iran US-Militärbasen in ihren Ländern zu nutzen.
       
       ## Auch der US-Regierung sind Grenzen gesetzt
       
       Schon in seiner ersten Amtszeit hatte Trump mit einem Truppenabzug aus
       Deutschland gedroht. Damals wollte er 12.000 der 35.000 US-Soldaten
       abziehen, weil Deutschland zu wenig fürs Militär ausgebe. Die Drohung blieb
       folgenlos – allerdings erhöhte Deutschland seine Militärausgaben deutlich,
       ebenso andere europäische Nato-Staaten.
       
       Die neue Abzugsankündigung stößt auch in den USA auf Kritik. In einer
       gemeinsamen Erklärung warnten beide republikanischen Vorsitzenden der
       Streitkräfte-Ausschüsse von Senat und Repräsentantenhaus, Senator Roger
       Wicker aus Mississippi und der Abgeordnete Mike D. Rogers aus Alabama:
       „Übereilt Amerikas Truppenpräsenz in Europa zu reduzieren, bevor die
       Kapazitäten [der Nato-Verbündeten] voll ausgebildet sind, birgt das Risiko,
       die Abschreckung zu unterlaufen und das falsche Signal an Wladimir Putin zu
       senden.“ Sie schlagen vor, die 5.000 Soldaten, wenn überhaupt, einfach
       weiter gen Osten zu verlegen, statt sie gänzlich aus Europa abzuziehen.
       
       Beim absoluten Rückzug aus Europa sind dem US-Präsidenten und seinem
       eifrigen Verteidigungsminister Pete Hegseth allerdings auch gesetzliche
       Grenzen gesetzt. Denn der US-Kongress hatte vergangenes Jahr einen
       Sicherheitsmechanismus beschlossen: Die Gesamtzahl der Streitkräfte, die
       dauerhaft im Zuständigkeitsbereich des Europa-Kommandos sind, darf nicht
       länger als 45 Tage unter 76.000 liegen. Angesichts der Äußerungen
       republikanischer Verteidigungspolitiker scheint es unwahrscheinlich, dass
       der Kongress Trump eine Verletzung dieser Regelung durchgehen lassen würde
       – anders als beim Irankrieg, den Trump ohne Zustimmung des Kongresses
       begann.
       
       Allerdings: Während in Deutschland die Abzugspläne für Aufregung sorgen,
       dominieren in den USA andere Themen die Schlagzeilen. Da geht es eher um
       die seit Beginn des Irankrieges beständig weiter sinkenden
       Popularitätswerte für den US-Präsidenten. Laut einer [2][Umfrage] der
       Washington Post und ABC billigen nur noch 37 Prozent der Wähler*innen
       sein Handeln, während 62 Prozent es ablehnen. Lebenserhaltungskosten,
       Inflation, Irankrieg, die Lage der Wirtschaft – in all diesen Feldern
       überwiegt klar die Unzufriedenheit.
       
       Bleiben die Werte so drastisch, können womöglich selbst geschickte
       [3][Wahlkreisneuzuschnitte] eine drastische Niederlage der Republikaner bei
       den in einem halben Jahr anstehenden Midterm Elections nicht verhindern.
       Wohl auch einer der Gründe, warum Trump seine Version des „America first“
       erneut gegen die europäischen Verbündeten in Stellung bringt.
       
       3 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.washingtonpost.com/national-security/2026/05/01/us-troops-germany-trump-merz/
 (DIR) [2] https://www.washingtonpost.com/politics/2026/05/03/trump-approval-ratings-poll/
 (DIR) [3] /Wahlkreise-in-den-USA/!6175802
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernd Pickert
       
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