# taz.de -- US-Truppenabzug aus Bayern: Ami, bleib hier!
> Der von US-Präsident Donald Trump angekündigte Truppenabzug wird wohl vor
> allem die Oberpfalz treffen. Entsprechend groß ist dort die Aufregung.
(IMG) Bild: Militärfahrzeuge der US-Army stehen auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr
Zumindest ein Ziel hat US-Präsident Donald Trump mit seiner Ankündigung,
[1][5.000 oder mehr Soldaten aus Deutschland abzuziehen], schon mal
erreicht: Er hat das Land in Aufregung versetzt. Aber meint er es wirklich
ernst oder ist es nur eine weitere dieser leeren Drohungen, die er
anderntags zurücknimmt? Und steckt hinter der Entscheidung tatsächlich sein
Furor über kritische Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz zum
Irankrieg, oder folgt sie einer langfristigen Strategie der US-Regierung?
Während man im politischen Berlin noch mit der Analyse der Trump’schen
Ankündigung beschäftigt ist, diskutiert man in Bayern indes deren Folgen.
Offiziell gibt es noch keine Bestätigung, doch die Hinweise verdichten
sich, dass das 2. US-Kavallerieregiment, die sogenannte Stryker-Brigade am
Standort Vilseck, betroffen sein könnte. Laut Bayerischem Rundfunk hat eine
Quelle aus der US-Armee bestätigt, dass es um das Regiment in den Rose
Barracks geht, die zum Truppenübungsplatz Grafenwöhr gehören.
Die Überlegungen sind nicht neu: Der Verbleib der Soldaten des 2nd Cavalry
Regiment stand schon 2020 zur Disposition. Auch damals hieß der
US-Präsident Donald Trump. Dass die Soldaten nicht abgezogen wurden, war
damals nur seiner Abwahl zu verdanken. Trumps Nachfolger Joe Biden setzte
die Ankündigung nicht um.
Auf einen kurzfristigen Abzug deutete allerdings zuletzt nichts hin. Im
Gegenteil: Die US-Armee investierte dem BR-Bericht zufolge massiv in den
Standort. So sollen die Amerikaner zuletzt rund 50 Häuser für die Familien
von Soldaten und Gemeinschaftseinrichtungen gebaut haben. 36 weitere
Wohnhäuser befinden sich aktuell im Bau.
## „Das trifft uns hart“
In Vilseck und Umgebung leben außer den rund 6.500 bayerischen Einwohnern
mindestens 8.000 allein in den Rose Barracks stationierte Soldaten sowie
ihre etwa 12.000 Familienangehörigen. Welche Bedeutung die US-Armee für den
Ort hat, ist offensichtlich. 1.500 zivile Arbeitsplätze hängen direkt von
der Kaserne ab. Eine Schließung des Standorts steht jedoch offenbar nicht
zur Debatte. Mindestens 8.000 Soldaten sollen weiterhin in Grafenwöhr
stationiert bleiben.
[2][CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann] nannte den Truppenabzug –
„wenn er denn kommen sollte“ – einen „schweren Schlag“ für Bayern, die
Oberpfalz und die Sicherheitsarchitektur innerhalb der Nato. Man dürfe
jetzt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sondern müsse „alle
Leitungen in die USA glühen lassen“, um den Amerikanern deutlich zu machen,
dass US-Truppen auf deutschem Boden in ihrem eigenen Interesse seien.
Als „ärgerlich und gefährlich“, bezeichnete Bayerns Ministerpräsident
Markus Söder die Pläne. „Bei aller Coolheit und aller Coolness – das sind
ernstzunehmende Vorgänge, wenn Soldaten abgezogen werden.“
Auch der frisch gewählte Erste Bürgermeister von Vilseck, Thorsten Grädler
(EHB-FW), dem Trumps Ankündigung gleich mal seinen ersten Amtstag versaute,
warnte im Gespräch mit dem BR vor den Folgen des Abzugs: „Das trifft uns
hart.“ Man müsse jetzt alles Menschenmögliche in die Wege leiten, um „es
vielleicht noch umschwenken“ zu können.
## Manche feiern Trumps Entscheidung auch
Bei den Überlegungen über die Zukunft der US-Streitkräfte in Deutschland
geht es allerdings nicht nur um Soldaten, sondern auch um Raketen. So hatte
Biden vor zwei Jahren angekündigt, wieder Mittelstreckenraketen mit
konventionellen Sprengköpfen in Deutschland zu stationieren. Die
Tomahawk-Marschflugkörper mit Reichweiten bis nach Russland hätten noch
dieses Jahr kommen sollen. Medienberichten zufolge wird es nun auch dazu
nicht mehr kommen. Experten warnen, dass dies sicherheitspolitisch
gravierendere Folgen habe als der Truppenabzug.
Nicht alle teilen indes die Betroffenheit über die jüngste Entwicklung. Die
Initiatoren der Kampagne „[3][Friedensfähig statt erstschlagfähig. Für ein
Europa ohne Mittelstreckenwaffen]!“ etwa freuen sich. Dank Trumps
Entscheidung biete sich die Chance für Fortschritte in der
Rüstungskontrolle. Die Proteste rufen für den 30. Mai zu Protesten in
Wiesbaden und Grafenwöhr auf. Das Motto: „Keine Mittelstreckenwaffen –
nirgends!“
5 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /US-Truppenabzug-in-Deutschland/!6175822
(DIR) [2] /Neuer-CSU-Landesgruppenchef/!6143507
(DIR) [3] https://friedensfaehig.de/
## AUTOREN
(DIR) Dominik Baur
## TAGS
(DIR) Bayern
(DIR) US-Army
(DIR) US-Truppenabzug
(DIR) Truppenabzug
(DIR) Verteidigungspolitik
(DIR) GNS
(DIR) Donald Trump
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) Bundeswehr
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Truppenabzug aus Deutschland: US-Rückzug bedroht vor allem die Ukraine
Für Europa sind Trumps Ankündigungen ein weiterer Schritt der Entfremdung.
Doch für die Ukraine könnte die Signalwirkung dramatisch werden.
(DIR) Abzug der US-Truppen: Europe last
Der angekündigte Abzug der US-Truppen wirft Fragen auf. Es zeigt sich
erneut, dass Europa für die USA keine oberste Priorität hat.
(DIR) US-Truppen in Deutschland: Goodbye Deutschland
US-Präsident Trump droht erneut, US-Truppen in Deutschland abzuziehen. Die
Bundesregierung hüllte sich zuletzt über deren genaue Zahl in Schweigen.