# taz.de -- Truppenabzug aus Deutschland: US-Rückzug bedroht vor allem die Ukraine
> Für Europa sind Trumps Ankündigungen ein weiterer Schritt der
> Entfremdung. Doch für die Ukraine könnte die Signalwirkung dramatisch
> werden.
(IMG) Bild: Die US-Militärbasis in Ramstein ist eines der größten Drehkreuze für Logistik in Europa
Die Aufregung über die erneuten Ankündigungen, [1][US-Truppen aus
Deutschland abziehen zu wollen], ist wenig mehr als die nächste Schleife
einer seit Donald Trumps zweitem Amtsantritt nicht enden wollenden
transatlantischen Entfremdung. Im Westen nichts Neues, und Deutschland und
Europa könnten auf die fortdauernde Selbstblamage des strategisch
minderbemitteltsten US-Präsidenten der Neuzeit gelassen reagieren.
Sie haben bereits viel getan, um sich militärisch von den USA zu
emanzipieren, auch wenn das Milliardenbeträge und Zeit kostet und mit
gesellschaftlichen und in der Folge politischen Verwerfungen einhergeht,
die die hiesigen schwachen Regierungen erst einmal überstehen müssen. Mehr
geht gerade kaum.
Anders ist es für die Ukraine. Ein „Ami, go home!“, was [2][Teile der von
jeder Realitätsveränderung unbeeindruckten Friedensbewegung jetzt fröhlich
nahen sehen], bedeutet für das von Russland angegriffene Land eine
Katastrophe, selbst wenn die inzwischen nicht mehr so unerwartet kommt.
Aber wenn der Wille der [3][MAGA-Regierung] zur Schwächung und Zerstörung
Europas so weit geht, nicht einmal mehr zugesagte Waffenlieferungen –
Verkäufe, nicht Spenden – einzuhalten, dann ist das für die Ukraine eine
schwere Bedrohung und für Russland ein Zeichen, auf keinen Fall mit dem
Kämpfen aufzuhören. Da geht noch was, dank Trump.
Die Europäer werden Trump von seinen Rückzugsideen nicht abhalten können –
und sie sollten es gar nicht erst versuchen. Nach allem, was in den letzten
Jahren über das selbst erklärte Deal-Genie zu lernen war, macht er immer
dann einen Rückzieher, wenn er merkt, dass er mit irgendwelchen Drohungen
auf Granit beißt. Die einzigen Krisen, die Trump bislang hat lösen können,
sind die, die er selbst verursacht hat. Wenn er aber mit einer Provokation
alle US-Verbündeten aufgescheucht durcheinanderkrähen lassen kann, dann ist
das für ihn nicht Krise, sondern Erfolg, und er wird immer weitermachen.
Insofern: Dringlich ist es, die Ukraine jetzt nicht fallen zu lassen und
sie trotz aller Schwierigkeit, die das mit sich bringt, angemessen zu
unterstützen. Dass es dabei auch um Fähigkeiten geht – insbesondere
Satellitenaufklärung –, über die Europa einfach nicht im gleichen Maße
verfügt wie die USA, ist ausgesprochen ärgerlich. Aber sich die
Ukraine-Unterstützung weiterhin durch Unredlichkeit und Willfährigkeit von
den USA erkaufen zu wollen, wie es Kanzler Friedrich Merz,
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Nato-Chef Mark Rutte die
letzten 15 Monate versucht haben, kann kein Rezept mehr sein.
3 May 2026
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