# taz.de -- Denkmal für ermordete Polen in Berlin: Entscheidung über Polen-Denkmal in diesem Jahr
> Kulturstaatsminister Weimer will das Denkmal zur Erinnerung an die
> deutschen Verbrechen an Polinnen und Polen zwischen 1939 und 1945 rasch
> bauen lassen.
(IMG) Bild: Hitler begründet am 1. September 1939 vor dem Reichstag den Angriff auf Polen mit der Lüge, die Wehrmacht habe zurückgeschossen
Die Nachricht ist einfach zu verstehen, verheißt Völkerverständigung und
ist nicht mit hohen Kosten verbunden: Der Bau des 2025 vom Bundestag
beschlossenen Denkmals zur Erinnerung an die deutsche Okkupation Polens und
die dort begangenen Verbrechen zwischen 1939 und 1945 rückt näher. Die
Bewerbungsfrist für Künstler und Architekten läuft am 5. Mai ab. Bis Anfang
Oktober sollen die ausgewählten 25 Bewerber ihre Entwürfe einreichen.
Im Dezember will ein Preisgericht den Sieger präsentieren. Schon im
nächsten Jahr könnte der Bau beginnen, wenn es nach ihm ginge, sagte
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) auf einer dazu einberufenen
Historikerkonferenz in Berlin. Für die Realisierung des Denkmals stehen 5
Millionen Euro zur Verfügung.
Das gemeinhin [1][Polen-Denkmal] genannte Objekt soll in unmittelbarer Nähe
des Kanzleramts entstehen, dort wo sich einst die Kroll-Oper befand. Hier
verkündete Adolf Hitler am 1. September 1939 den Beginn des deutschen
Überfalls auf Polen, verkleidet in der Lüge, „seit 5.45 Uhr wird jetzt
zurückgeschossen“. Selbst die Uhrzeit war falsch. „Dieser Ort ist der
geeignetste Standort für das finale Denkmal. Das Gedenken an die polnischen
Opfer des Nationalsozialismus und der deutschen Besatzungsherrschaft in
Polen 1939 bis 1945 wird damit prominent im Herzen der Bundeshauptstadt
verankert“, befand der Bundestag im Dezember 2025 mit den Stimmen aller
Parteien außer der AfD.
Weimer erinnerte an die fünf Millionen polnischen Opfer während der
deutschen Besatzung und sprach vom „Wunder“ der deutsch-polnischen
Freundschaft. Vorgesehen sei der Bau eines „Denkmals, das die Erinnerung
wachhält“. Er drückte die Hoffnung aus, dass bei der Einweihung noch
Überlebende dabei sein könnten. Das allerdings ist angesichts der
Geschwindigkeit bei der Fertigstellung von Bauwerken jeglicher Art in
Berlin eine eher optimistische Vorstellung. Die polnische Kulturministerin
Marta Cienkowska gab sich weniger pathetisch. Sie sprach vom „Versuch, eine
gemeinsame Grundlage der Erinnerung zu finden“.
## Reicht ein Denkmal aus, um nicht nur Empathie zu wecken?
Die Historiker, gleich ob aus Polen oder aus Deutschland, waren sich auf
der Tagung darin einig, dass die Verbrechen der Deutschen während der
Besatzungszeit im Land der Täter immer noch viel zu wenig bekannt seien.
Doch genau hier beginnen auch die [2][Schwierigkeiten], die die Experten
bei der Realisierung des Erinnerungszeichens sehen. Reicht ein Denkmal aus,
um nicht nur Empathie zu wecken, sondern auch für Aufklärung und Wissen zu
sorgen? Daran bestanden erhebliche Zweifel.
Ursprünglich war geplant, dem Denkmal ein „Deutsch-Polnisches Haus“
beizugeben, in dem die Geschichte Polens und der Beziehungen zum deutschen
Nachbarn dargestellt werden sollten. Die Realisierung dieses Zentrums stieß
aber auf Schwierigkeiten. Der Bundestag beschloss deshalb, die beiden
Verfahren voneinander zu trennen. Für die Realisierung des
Deutsch-Polnischen Hauses „sollte mithilfe des Landes Berlin eine
Bestandsimmobilie gefunden werden“, heißt es im Beschluss. Heißt im
Umkehrschluss: Es gibt noch nicht einmal einen Standort für das Zentrum.
Die Zahl der „Bestandsimmobilien“ im Zentrum Berlins ist zudem begrenzt,
was einige der Historiker befürchten ließ, die Eröffnung des
„Deutsch-Polnischen Hauses“ könnte sich auf den St.-Nimmerleins-Tag
verzögern.
Es sei „keine sehr kluge Entscheidung“ gewesen, die Verfahren zu trennen,
sagte Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden
Europas, die zentraler Ansprechpartner bei Realisierung des Denkmals ist.
Er hoffe, dass das Haus trotzdem komme, es sei eine „inhaltliche
Notwendigkeit“. Scherzhaft bat Neumärker die versammelten Professoren: „Ich
fordere Sie auf, nach Bestandsimmobilien zu suchen!“ Um wenigstens die
wesentlichsten Informationen für Besucher vermitteln zu können, sollen nun
in unmittelbarer Nähe des Denkmals Informationstafeln aufgestellt werden.
Die Kritik am Denkmalplan geht allerdings noch tiefer. Bisher existieren in
Berlin Denkmäler, die an bestimmte Opfergruppen erinnern, also etwa Juden,
Sinti und Roma oder Homosexuelle. Nicht aber nach Nationen. Dass Polen im
Zweiten Weltkrieg ganz besonders unter dem NS-Regime zu leiden hatte, ist
unstrittig. Allerdings ist es denkbar, dass auch andere Staaten, in denen
die Deutschen wüteten, nun entsprechende Vorschläge machen – die Ukraine
hat dies bereits durch den früheren Botschafter Andrij Melnyk getan.
Welches Recht hätte Deutschland, solche Wünsche beispielsweise
Griechenlands oder Serbiens abzuschlagen? Damit drohe eine
[3][Nationalisierung des Gedenkens]. Nicht jeder mochte dem Warschauer
Historiker Robert Traba darin zustimmen, dass dies kein Problem wäre.
## Nationalkonservative schüren Ressentiments
Mit dem von Deutschen geplanten Denkmal sind wohl nicht alle Polinnen und
Polen einverstanden. Ressentiments werden dort gerne von
nationalkonservativer Seite mobilisiert. So war es auch, als vor knapp
einem Jahr als eine Art Zwischenlösung ein Findling an der Stelle
aufgestellt wurde, an der künftig das Denkmal sehen soll. „Den polnischen
Opfern des Nationalsozialismus und den Opfern der deutschen
Gewaltherrschaft in Polen 1939–1945“, steht auf einer Metallplatte.
Die Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) sprach von einem „absurden
Spektakel“. Ex-Regierungschef Mateusz Morawiecki sagte: „Kein polnischer
Politiker sollte vor einem Stein knien, bevor die Deutschen nicht vor der
Wahrheit niederknien und für ihre Verbrechen Rechenschaft ablegen.“
Ähnliche patriotische Anfälle sind auch für die Zukunft zu befürchten.
Katarzyna Sitko vom Polnischen Institut Berlin ist sich aber sicher, dass
diese Art Propaganda nicht mehr verfangen wird.
1 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Klaus Hillenbrand
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