# taz.de -- Afrikanischer Menschenrechtsgerichtshof: Russische Verbrechen in Mali kommen vor Gericht
> Ist Malis Militärregierung für Verbrechen der für sie kämpfenden Söldner
> aus Russland verantwortlich? Das wollen Menschenrechtler vor Gericht
> klären.
(IMG) Bild: Der russische Präsident Wladimir Putin trifft sich mit dem Präsidenten der Republik Mali, Assimi Goïta (i), in Moskau
Vier Jahre ist es her, dass mehr als 500 Menschen in dem malischen Dorf
Moura brutal massakriert wurden. Während einer fünftägigen
„Antiterroroperation“ im März 2022 ging Malis Militär gemeinsam mit der
russischen Söldnertruppe Wagner, inzwischen durch das russische Afrikakorps
ersetzt, gegen die islamistische Gruppe „Katiba Macina“ vor. [1][Laut einer
UN-Untersuchung] wurden zahlreiche Dorfbewohner*innen in summarischen
Hinrichtungen getötet, mindestens 58 Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt
oder erlitten andere Formen sexualisierter Gewalt.
Der [2][Bericht der UN-Menschenrechtskommission] stützte sich auf 157
Interviews mit Überlebenden, darunter auch Personen, die zur Bestattung der
Toten in Massengräbern gezwungen wurden, und kommt zu dem Schluss, dass
sich unter den Opfern auch Zivilistinnen befanden – im Widerspruch zur
Darstellung der malischen Behörden, die bis heute von 200 getöteten
Islamisten in Moura sprechen.
Ähnliche Szenen ereigneten sich am 19. April 2022 in der Ortschaft Hombori,
wo Malis Armee und russische Kämpfer auf einem Markt das Feuer eröffneten.
Mindestens 50 Zivilist*innen starben. Menschenrechtsorganisationen
prangern seit Jahren schwerste Verbrechen sämtlicher Konfliktbeteiligten in
Mali an – aber seit 2020 regiert das Militär auch das Land und führt die
Staatsmacht.
Nun wollen drei zivilgesellschaftliche Organisationen – Trial
International, die Panafrikanische Anwaltsunion (Palu) und die
Internationale Föderation für Menschenrechte (FIDH) – gegen die
Menschenrechtsverletzungen des malischen Staates im Jahr 2022 vorgehen, an
denen auch die russischen Wagner-Kämpfer beteiligt waren. Am 20. April
[3][reichten die drei Gruppen beim Afrikanischen Gerichtshof für
Menschenrechte und Rechte der Völker (AfCHPR) Klage ein]. Dass sich diese
auf das Jahr 2022 konzentriert, liege daran, dass für diesen Zeitraum
einige der schwerstwiegenden Verstöße dokumentiert worden sind, erklärten
die drei Organisationen auf Nachfrage.
## Private Militärfirmen, eine rechtliche Grauzone
Zwar hatten Malis Behörden in der Vergangenheit immer wieder Untersuchungen
wegen dieser Verbrechen angekündigt, doch verliefen diese im Sand. Der
[4][Afrikanische Gerichtshof für Menschenrechte] ist ein Organ der
Afrikanischen Union (AU) und damit das höchste Menschenrechtsgericht des
Kontinents. Es kann prüfen, ob ein AU-Mitgliedstaat seinen Verpflichtungen
aus der Afrikanischen Charta der Menschenrechte und Rechte der Völker sowie
anderen internationalen Übereinkünften, denen er beigetreten ist,
nachgekommen ist.
Zum ersten Mal soll das Gericht im Fall Mali nun klären, ob und in welchem
Umfang ein Staat verantwortlich ist, wenn er mit privaten Militärfirmen
zusammenarbeitet. Es ist das erste Mal, dass gerichtlich gegen einen Staat
geklagt wird, der private Militär- und Sicherheitskräfte eingesetzt hat.
Es geht auch darum, den rechtlichen Rahmen für vergleichbare Fälle in der
Region und darüber hinaus zu klären, mit möglichen Folgen über Mali hinaus,
heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Organisationen. Der Fall ist
komplex: Zur Debatte steht nicht nur, ob es zu Verstößen kam, sondern auch,
ob es Versäumnisse des malischen Staates gab, Missbrauch zu verhindern,
Zivilist*innen zu schützen, Ermittlungen einzuleiten und Abhilfe zu
schaffen.
Erschwerend kommen mögliche Repressalien gegen Zeug*innen und beteiligte
Organisationen hinzu, ein bekanntes Risiko bei Verfahren gegen Staaten.
Mali wird nun aufgefordert, innerhalb von 90 Tagen auf den Antrag zu
reagieren. Das Verfahren dürfte sich hinziehen. Vor dem Gerichtshof dauern
solche Prozesse, insbesondere bei komplexer Sach- und Rechtslage, oft
mehrere Jahre.
29 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Mehr-als-200-Tote-bei-Armeeeinsatz/!5843155
(DIR) [2] https://news.un.org/en/story/2023/05/1136607
(DIR) [3] https://www.fidh.org/en/region/Africa/mali/landmark-case-filed-before-african-court-on-human-and-peoples-rights
(DIR) [4] https://www.african-court.org/afchpr/
## AUTOREN
(DIR) Helena Kreiensiek
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