# taz.de -- Buckelwal verladen: Timmy auf dem Weg ins offene Meer
> Das Drama um den Buckelwal nähert sich seinem Ende. Timmy ist nun im
> Frachtkahn – und damit auf dem Weg in heimatliche Gefilde.
(IMG) Bild: Helfer ziehen den gestrandeten Buckelwal vor der Insel Poel mit Gurten in den Lastkahn
dpa/afp | Das [1][Drama um den Buckelwal] nähert sich seinem Ende: Das
wochenlang vor der Ostseeinsel Poel liegende Tier ist am Dienstag in den
Frachtkahn geschwommen, mit dem es aufs offene Meer gebracht werden soll.
Auf Livebildern war zu sehen, wie Helfer den Wal in die sogenannte Barge
dirigierten. Am Abend, „wenn die See ruhiger wird, wird er seine Reise
antreten in Richtung Nordsee – und dann kommt er in seine heimatlichen
Gefilde zurück“, kündigte Mecklenburg-Vorpommerns [2][Umweltminister Till
Backhaus (SPD)] vor Journalisten an.
Der schwer angeschlagene Wal soll in dem Kahn in Richtung Nordsee oder
Atlantik geschleppt werden. Bei der von zwei Unternehmern finanzierten
Privatinitiative handelt es sich um einen letzten Rettungsversuch für den
von Experten schon aufgegebenen Meeressäuger. Viele nicht beteiligte
Fachleute lehnen ihn als sinnlos ab, die Behörden dulden ihn aber.
Backhaus bezog sich auf diese Kritik, als er nun sagte: „Wir haben hier Tag
und Nacht gearbeitet, auch zusammengearbeitet – und wir haben am Ende
dieses Tier gerettet.“ Nun müsse die Aktion in Ruhe ausgewertet werden.
Der Minister will dabei „nach vorn“ denken. „Wie gehen wir mit der Umwelt
um? Wie gehen wir mit unseren Weltmeeren um? Wie gehen wir mit Tieren um?“,
fragte er. Bei der Umweltministerkonferenz Anfang Mai wolle sein Land einen
Antrag stellen, „wie wir das in der Zukunft besser organisieren, wenn so
was wiederkommt“.
## Backhaus den Tränen nahe
Backhaus erzählte, dass er auf dem Schiff geweint habe. „Ich war auch kurz
davor, ins Wasser zu springen, um ihm noch auf dem letzten Meter
mitzuhelfen.“ Es sei schon ein „Glücksmoment“.
Das Drama um den Wal wird im In- und Ausland mit großer Anteilnahme
verfolgt. Der im Atlantik heimische Säuger irrte seit Anfang März vor der
deutschen Ostseeküste umher und strandete mehrfach, zudem verfing er sich
in Netzen. Seit vier Wochen lag er in einem Seitenarm der Wismarer Bucht
auf Grund.
Nachdem der vor der Insel Poel gestrandete Buckelwal im Lastkahn für den
Transport angekommen ist, hat sich Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister
Till Backhaus erleichtert gezeigt. „Mir fällt wirklich ein Stein vom
Herzen“, sagte der SPD-Politiker. Die Idee mit der Barge sei hervorragend
gewesen. „Er fühlt sich in der Barge wirklich pudelwohl“, sagte er.
Noch heute könne das Tier abtransportiert werden, je nachdem, ob die See
ruhig sei, könne es am Abend könne losgehen, betonte Backhaus.
## „Danke an die Helfer“
Backhaus hat allen Beteiligten der Bergung des vor Poel gestrandeten Wals
gratuliert. „Viele Menschen haben hier vor Poel in den letzten Tagen und
Wochen mit viel Herzblut und unter persönlichen Opfern mitgewirkt, um dem
Wal zu helfen“, sagte der SPD-Politiker. Das könne gar nicht hoch genug
bewerten werden.
Das Tier bewegte sich durch eine zuvor ausgebaggerte Rinne in die
sogenannte Barge, nachdem Helfer ihn zuvor mit Gurten in diese Richtung
gezogen hatten, wie auf Livestreams zu sehen war. Die Barge ist eine Art
transportables Schwimmbecken, in dem normalerweise Schiffe transportiert
werden. Darauf soll der Wal nun auf einer mehrtägigen Reise Richtung
Nordsee transportiert werden.
## Backhaus sieht Fall für die Geschichtsbücher
Die Männer und Frauen der DLRG hätten ihren Urlaub geopfert, um die
Arbeiten auf und im Wasser abzusichern, sagte Backhaus. Hinzu komme die
Arbeit der freiwilligen Feuerwehr Kirchdorf und die Polizei. Besonders
dankte er auch der privaten Initiative zur Rettung des Wals. „Dies war eine
Gemeinschaftsleistung, die sicher in die Geschichte des Landes eingehen
wird.“
Kritisch zeigte er sich über die sozialen Medien. „Fake News, Schmähungen,
Drohungen bis hin zur Androhung von Gewalt – von allem war etwas dabei.“ Es
sei bedauerlich, dass die Vernünftigen, die es ja im Internet auch gebe, so
wenig laut seien.
Ein entscheidender Teil der Aktion steht jedoch noch bevor: Der Wal soll
nun in einem mehrtägigen Transport gen Nordsee gefahren werden. Fachleute
warnen vor der Stressbelastung für das eingepferchte Tier.
## Geldgeber Gunz überglücklich
Nachdem der vor der Insel Poel gestrandete Buckelwal nun im Lastkahn für
den Transport angekommen ist, ist Geldgeber Walter Gunz überglücklich.
„Gott sei Dank. Gott sei Dank. Ich habe noch nie in meinem Leben so viel
gebetet“, sagte der Mediamarkt-Gründer der Deutschen Presse-Agentur
unmittelbar nach der geglückten Aktion. Er selbst habe den Moment nicht am
Bildschirm verfolgen können. „Ich habe es von der Karin gehört. Ich hatte
keine Nerven mehr.“ Unternehmerin Karin Walter-Mommert ist ebenfalls
Geldgeberin für das Walrettungsprojekt.
Als er die Nachricht vernommen hatte, seien ihm die Tränen gekommen. „Man
hat ja auch Ängste. Das war schon eine harte Zeit.“ Er sei nun einfach nur
froh, dass es gelungen sei. „Ich habe ja auch zwischendurch immer wieder
gedacht: „Mein Gott, haben wir alles richtig gemacht?“ Wir haben alles
richtig gemacht. Denn: Was ist das Wertvollste? Das Leben!“ Mit diesem
ersten Schritt zum Erfolg sei nun der Hauptteil des Krimis geschafft.
28 Apr 2026
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