# taz.de -- Buckelwal: Timmy ist abgetaucht
> Ein Peilsender sollte dokumentieren, wo sich der zuvor gestrandete Wal
> nun hinbewegt. Doch scheinbar funktioniert die GPS-Übertragung nicht.
(IMG) Bild: Da niemand weiß, wo Timmy schwimmt, steht hier das Foto eines Pappwals, den Fußballfans am 2. Mai im Stadion dabeihatten
dpa/taz | Am Tag nach der [1][Freisetzung des mehrfach an deutschen
Ostsee-Küsten gestrandeten Buckelwals Timmy] in der Nordsee sind viele
Fragen offen. Zu einem von der verantwortlichen Privatinitiative in
Aussicht gestellten Peilsender gab es im Tagesverlauf widersprüchliche
Angaben. Eine Sprecherin des Umweltministeriums in Mecklenburg-Vorpommern
sagte am Mittag, die Peildaten seien mehrfach angefordert worden, lägen
aber nicht vor.
Die Freisetzung an sich wurde von der Bereederungsgesellschaft des
Begleitschiffs „Robin Hood“ als Erfolg bezeichnet – „trotz der widrigen
Umstände und Wetterbedingungen“, heißt es in einem Schreiben, das der
Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuvor war von Teilen der Initiative
Kritik am Ablauf der finalen Momente geübt worden, der sich nicht von
unabhängigen Quellen verifizieren ließ. Die Bereederungsgesellschaft
schreibt hingegen von einem abgestimmten Vorgehen aller Beteiligten.
Zur Frage des Peilsenders äußerte sich auch Mecklenburg-Vorpommerns
Umweltminister Till Backhaus beim Livestream-Anbieter News5: „Was mich
wirklich ärgert, ist ausdrücklich: Es war vereinbart, dass uns die Daten
übermittelt werden, damit wir ihn auch begleiten können. (…) Uns sind bis
heute keine Daten zur Verfügung gestellt worden.“ Im Übrigen sei auch
vereinbart gewesen, dass ein Videosystem [2][auf der Barge] installiert
wird, damit beauftragte Tierärzte den Wal weiter beobachten können – „auch
das ist nicht erfolgt“.
Die Bild-Zeitung berichtete am Abend, es gäbe mittlerweile ein sporadisches
Signal. Offiziell bestätigt wurde das von der Initiative nicht. Am
Vormittag hatte die Rechtsanwältin der Initiative, Constanze von der Meden,
gesagt, es könnten vorerst keine Angaben zur Schwimmrichtung des Wals
gemacht werden. Welche Probleme es konkret gab, blieb aber unklar.
## Keine Daten wären „eine Katastrophe“
„Wenn sich bewahrheitet, dass der Peilsender keine Daten liefert, wäre das
eine Katastrophe, auch für das ‚Rettungsteam‘“, teilte der Walforscher und
Meeresbiologe Fabian Ritter mit. „Es gab bisher genug Anlässe, an der
Professionalität des Teams zu zweifeln, dies wäre der folgenschwerste.“
Wenn es nicht gelinge, den Wal mittels Daten des Senders zu verfolgen und
sein Verhalten einzuschätzen, könne die gesamte Mission letztlich auch
nicht als erfolgreich oder fehlgeschlagen bezeichnet werden.
Am Vortag hatte die Initiative angegeben, es sei ein Sender angebracht
worden. Die Informationen ließen sich nicht durch unabhängige Quellen
verifizieren. Die Allgemeinheit würde den Weg des Wals ohnehin nicht
verfolgen können: Die Informationen, wo sich der Wal befinde, würden nur
den Teammitgliedern der Privatinitiative und dem Umweltministerium von
Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung gestellt, hatte von der Meden gesagt.
## Zustand ebenfalls unklar
Es gab in den [3][Stunden nach der Freisetzung] auch keine Angaben dazu, in
welchem Zustand sich das Tier befand und wie genau es von Bord schwamm oder
bugsiert wurde. Im Bereich des Übergangs von der Ost- in die Nordsee hatte
es während des Transports zeitweise starken Wellengang gegeben, der Wal war
im Lastkahn stark hin und her geschaukelt. Obwohl das Absperrnetz am Ende
bereits am Freitagnachmittag entfernt wurde, war das Tier weiter in der
Barge geblieben.
Nach Angaben aus dem Team der Initiative war der Wal gegen 9.00 Uhr am
Samstagmorgen nicht mehr im Lastkahn. Der Konvoi befand sich da etwa 70
Kilometer von Skagen entfernt im Skagerrak. Auf Drohnenbildern des
Livestream-Anbieters News5 war zeitweise ein im Wasser schwimmender Wal zu
erkennen – ob es sich tatsächlich um das freigesetzte Tier handelte, ließ
sich nicht gesichert sagen.
Der Buckelwal sei in einer der meistbefahrenen Schiffsrouten Europas
ausgesetzt worden, sagte Thilo Maack von der Naturschutzorganisation
Greenpeace. „Wir können den Wunsch, dem Tier zu helfen, nachvollziehen,
schätzen seine Überlebenschancen aber als minimal ein.“ Nur mit
Trackingdaten und damit dem jeweiligen Aufenthaltsort des Wals ließe sich
transparent machen, ob sich das Leiden des Wals auf dieser Reise gelohnt
hat.
Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der
Ostsee gesehen worden. In den etwa 60 Tagen bis zum Transport lag er rund
zwei Drittel der Zeit in Flachwasserzonen, zuletzt vor der Insel Poel. Am
Dienstag war er in einen Lastkahn bugsiert worden, der dann an einen
Schlepper gekoppelt Richtung Nordsee startete.
## Geldgeber üben in offenem Brief Kritik
Am Samstag wurde, unter anderem von der Bild, ein offener Brief der
Geldgeber der Walrettung, Karin Walter-Mommert und Walter Gunz, geteilt. In
diesem kritisieren sie, dass bei der Übersetzung des Wals in Richtung
Ostsee vorher besprochene Vorgehensweisen ignoriert wurden.
„Entgegen dieser Abmachung wurde jedoch lediglich Jeffrey Foster (Anm. d.
Red.: Walretter aus den USA) zur Barge übergesetzt, die Ärztinnen wurden
warum auch immer auf einen späteren Transport vertröstet, welcher nie
stattfand. Auch wurde der Rest des Teams von Jeffrey Foster nicht abgeholt.
An Bord der Barge wurden dann weder mit uns terminierte, kommunizierte noch
durch unsere Ärztinnen, ohne die für uns verpflichtende Inaugenscheinnahme
des Wals und Prüfung, Massnahmen ergriffen, um den Wal von Bord zu
bekommen“, [4][steht in dem Brief.]
Ein ähnliches Statement teilte die Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies, die seit
der Rettungsaktion von Walter-Mommert und Gunz involviert war: „Sie geben
keine Informationen. Es ist dort kein Tierarzt vor Ort“, sagt sie in einem
Kurzvideo, das sie [5][auf Facebook] teilte.
Zudem kritisieren sowohl die an der Aktion Beteiligten als auch Menschen
auf Social Media, dass es bisher keine Videoaufnahmen von dem Moment gibt,
in dem der Buckelwal von der Barge schwimmt. Somit ist nicht bekannt, ob
der Meeressäuger die Barge eigenständig verlassen hat oder von der
Schiffscrew zum Wegschwimmen animiert wurde.
## Kann Timmy normal tauchen und fressen?
Als gerettet gilt der Wal nach dem Freisetzen nicht. Nach der langen
Liegezeit sei fraglich, ob der Wal noch normal schwimmen und tauchen könne,
hatte Ritter erklärt. Auch die Frage nach der Nahrungsaufnahme stelle sich
wegen der in seinem Maul gefundenen Netzteile.
Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) betonte:
„Von einer Rettung kann man erst sprechen, wenn sich der Wal zurück im
Nordatlantik befindet und dort langfristig überlebt; sich seine Haut wieder
vollständig erholt hat; er wieder eigenständig auf Nahrungssuche geht und
an Gewicht zunimmt; und seinem natürlichen Verhalten nachgeht.“
3 May 2026
## LINKS
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