# taz.de -- Autonomes Fahren in China: Als die Robotaxis plötzlich stehen blieben
       
       > Chinas Tech-Firmen sind beim autonomen Fahren führend, einzig die
       > US-Konkurrenz hält mit. Doch Vorfälle sorgen für Debatten über die
       > Sicherheit.
       
 (IMG) Bild: Blieben einfach stehen: über 100 autonome Taxis in der zentralchinesischen Stadt Wuhan
       
       Plötzlich gab das System einfach seinen Geist auf: Über 100 autonome Taxis
       in der zentralchinesischen Stadt Wuhan blieben Anfang des Monats inmitten
       des dichten Feierabendverkehrs stehen. Die Passagiere reagierten teilweise
       mit Panik und riefen die Polizei. Zwar ließen sich die Türe der betroffenen
       Fahrzeuge laut Medienberichten jederzeit öffnen, jedoch blieben einige
       Insassen dennoch über Stunden hinweg stecken. Inmitten der viel befahrenen
       Schnellstraßen trauten sie sich schlicht nicht auszusteigen.
       
       In der Volksrepublik sorgte die Nachricht für eine hitzige Debatte über die
       Sicherheit von autonom fahrenden Pkws, wieder einmal. Denn war es nicht der
       erste solcher Vorfälle: Im letzten Jahr stürzte etwa ein Robotaxi im
       westchinesischen Chongqing in eine Baugrube, in Peking ging ein Fahrzeug in
       Flammen auf. Gestorben ist bei den Unfällen niemand. Die offiziellen
       Informationen müssen aber mit Vorsicht genossen werden: Regelmäßig werden
       in China selbst Verkehrsunfälle zensiert, wenn der Hintergrund als
       „sensibel“ eingestuft wird.
       
       Und autonomes Fahren ist durchaus ein heikles Thema, weil es direkt die
       nationalen Interessen betrifft. Chinas Staatsführung fokussiert sich in
       ihrer Industriepolitik gezielt auf Zukunftstechnologien. Dahinter steht die
       Auffassung, dass sich [1][die Volksrepublik China nur dann an die
       Weltspitze katapultieren] kann, wenn sie technologisch die
       Marktführerschaft hält.
       
       Die Regierung hilft insbesondere bei autonomen Fahren nicht nur mit
       Subventionen, sondern auch einer lockeren Gesetzgebung: In China können
       Tech-Firmen und Autoproduzenten viel freier experimentieren als etwa in
       Europa.
       
       ## Wie sicher sind chinesische Robotaxis?
       
       Doch der Optimismus über technologischen Fortschritt wird von der
       Bevölkerung nicht uneingeschränkt geteilt. Neben der Lobby von Taxifahrern,
       die um ihre Arbeitsstellen fürchten, hegen viele Chinesen
       Sicherheitsbedenken. Das Problem ist dabei auch die zunehmende
       Intransparenz: Als etwa die über 100 Robotaxis in Wuhan einfach stehen
       blieben, reagierte der Betreiber Baidu grundsätzlich nicht auf
       Medienanfragen. Offiziell hieß es vage, dass ein „Systemausfall“ für die
       Fehlfunktion verantwortlich gewesen sei. Wirklich vertrauensbildend ist das
       nicht.
       
       Vor Kurzem dann zog das Industrieministerium erste Konsequenzen aus dem
       Vorfall in Wuhan: Es ordnete an, dass die Lokalbehörden Selbstinspektionen
       durchführen und Verkehrstests verstärken müssen. Das Tech-Unternehmen Baidu
       dürfte dabei besonders im Fokus der Inspektionen stehen.
       
       Gegründet wurde Baidu 2000 in der chinesischen Hauptstadt Peking.
       Bekanntheit erreichte der Konzern zunächst durch seine gleichnamige
       Suchmaschine, lange Zeit [2][wurde Baidu daher in Medienberichten mit
       „chinesisches Google“ betitelt].
       
       Mittlerweile ist der Konzern auch mit seiner Sparte Apollo Go als führender
       Anbieter für selbstfahrende Taxis im Land erfolgreich. Bereits in 20
       chinesischen Metropolen wird die Dienstleistung angeboten, darunter in
       Shenzhen und Wuhan. Apollo Go operiert in Dubai und Abu Dhabi, in Teilen
       auch in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul und will noch bis zum Sommer
       eine Pilotphase in London starten. Laut Firmenangaben werden derzeit
       wöchentlich über 300.000 voll autonome Fahrten über die Onlineplattform
       Apollo Go gebucht.
       
       ## Chinesische Städte sind praktisch
       
       Da viele chinesische Städte einer grundlegenden Modernisierung unterzogen
       wurden, einige Bezirke gar komplett auf dem Reißbrett entstanden, eignen
       sie sich perfekt für die autonom fahrenden Pkws. Sie fahren auf
       schachbrettartig angeordneten Straßen mit breiten Spuren und ausreichend
       integrierter smarter Technik.
       
       Ungleich schwieriger wird es allerdings in jenen alten Stadtvierteln, wo
       die Gassen eng sind und die [3][Lieferkuriere sich wenig um die
       Verkehrsregeln scheren]: Solche Gegenden sind meist nicht für autonom
       fahrende Taxi-Dienstleister zugelassen.
       
       29 Apr 2026
       
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