# taz.de -- Zivile Nutzung militärischer Flächen: Zurück in Stellung
       
       > Wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine reklamiert die Bundeswehr
       > Flächen, die sie schon aufgeben wollte. Das stößt nicht überall auf
       > Begeisterung.
       
 (IMG) Bild: Hier sollten eigentlich Wohnungen gebaut werden: die ehemalige Rochdale-Kaserne in Bielefeld
       
       Im Oktober 2025 hat das Bundesverteidigungsministerium die Umwandlung
       militärischer in zivile Flächen bundesweit gestoppt. Der Konversionsprozess
       hatte zu Beginn der 1990er Jahre, [1][kurz nach Ende des Kalten Kriegs],
       begonnen und ging in den 2010ern nach der Aussetzung der Wehrpflicht
       weiter. Jahrelang schrumpfte die Bundeswehr, Kasernengelände wurden
       aufgegeben und teilweise den Kommunen zur Neunutzung überlassen – vor allem
       für den Wohnungsbau.
       
       Wegen der neuen Sicherheitslage, gemeint ist Russland, und der beschworenen
       Verteidigungsfähigkeit müsse die Bundeswehr infrastrukturell und personell
       aufstocken, heißt es aus dem Verteidigungsministerium. Den Platz dafür holt
       sie sich von den Kommunen, welche die Flächen teilweise seit Jahrzehnten
       nutzen: für Wohnungen, Jugendzentren oder Unterkünfte für Geflüchtete.
       
       Das betrifft rund 200 Flächen in ganz Deutschland. 187 davon sind
       [2][ehemalige militärische Liegenschaften], die sich im Eigentum der
       Bundesanstalt für Immobilienaufgaben befinden. 13 weitere, darunter Teile
       des Flughafens Tegel in Berlin, sollen entgegen bisheriger Pläne weiterhin
       von der Bundeswehr genutzt werden. Teilweise will die Bundeswehr die
       Gelände aktiv nutzen, andere sollen als „strategische Liegenschaftsreserve“
       dienen. So soll bei Bedarf kurzfristig auf sie zugegriffen werden können.
       
       Der Umwandlungsstopp trifft bisher 14 von 16 Bundesländern, nur das
       Saarland und Thüringen bleiben verschont. Die meisten Flächen holt sich das
       Militär in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und
       Schleswig-Holstein zurück. Dazu gehört etwa [3][der Plüschowhafen in Kiel],
       wo die Hausboote von zwei Dutzend Menschen bedroht sind.
       
       ## Kommunen kriegen keine Kompensation
       
       Auf zwei eigentlich ehemaligen Kasernengeländen in Bielefeld waren
       Wohnungen für rund 1.000 Personen geplant, und auf einem weiteren in Hanau
       sind derzeit Geflüchtete aus der Ukraine untergebracht. Es gehen aber auch
       zum Beispiel ein Waldstück im hessischen Ockstadt oder Flächen mit großen
       Photovoltaikfeldern wieder an die Bundeswehr.
       
       Nach dem „Operationsplan Deutschland“ sollen mithilfe dieser Flächen „bei
       Bedarf“ – also im Kriegsfall – massive Truppenverlegungen der Nato
       bewerkstelligt werden. In diesem Fall erhielten die Reserveflächen dann
       eine „andere Bedeutung“, so sagte es der parlamentarische Staatssekretär im
       Bundesverteidigungsministerium, Sebastian Hartmann (SPD), im September
       2025.
       
       Die Kommunen – viele von ihnen hatten für die Flächen bereits Pläne und
       entsprechend Geld investiert– sollen dafür nicht entschädigt werden. Das
       stellte [4][Bundesverteidigungsminister Boris Pistoris (SPD)] in einem
       Schreiben an die Bundestagsabgeordnete Katalin Gennburg (Linke) im März
       klar. Stattdessen verwies er auf die „strukturpolitischen Chancen“ der
       militärischen Nutzung.
       
       ## Ein Schritt weiter
       
       Nordrhein-Westfalen geht noch einen Schritt weiter: Statt sich für die
       Entschädigung der Landesgemeinden einzusetzen, hat die schwarz-grüne
       Landesregierung Anfang des Jahres sogar das Baugenehmigungsverfahren für
       militärische Anlagen gestrichen. Die Bundeswehr darf also fleißig
       drauflosbauen.
       
       Auch den Denkmalschutz hat sie für die Verteidigungsfähigkeit gelockert:
       Die Obere Denkmalbehörde muss Bauvorhaben des Militärs jetzt binnen vier
       Wochen widersprechen, sonst können die Bagger rollen.
       
       11 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Konversion-in-Brandenburg/!5971642
 (DIR) [2] /Ehemaliges-Militaergelaende-in-Deutschland/!5989279
 (DIR) [3] /Bundeswehr-macht-Gelaendegewinne/!6162247
 (DIR) [4] /Neues-Bundeswehr-Konzept/!6172659
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Marco Fründt
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Bundeswehr
 (DIR) Militär
 (DIR) Verteidigungsministerium
 (DIR) Boris Pistorius
 (DIR) Kommunen
 (DIR) Geflüchtete
 (DIR) Jugendzentrum
 (DIR) Wohnen
 (DIR) GNS
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Schwerpunkt Stadtland
 (DIR) Flughafen Tegel
 (DIR) Schwerpunkt Stadtland
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Zivile Nutzung: Den Anker eingeholt
       
       Seit 1998 leben Menschen auf Hausbooten im Plüschowhafen in Kiel. Mit der
       Idylle könnte bald Schluss sein: Die Bundeswehr will das Gelände zurück.
       
 (DIR) Bundeswehr soll größer werden: Hubschrauber bleiben in Tegel
       
       Die Bundeswehr stoppt die Umwandlung von Militärstandorten, auch am
       Ex-Flughafen Tegel will sie bleiben. Bauprojekte sollen aber nicht tangiert
       sein.
       
 (DIR) Ehemaliges Militärgelände in Deutschland: Rückkehr der Soldaten
       
       Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine wird die Verteidigungspolitik
       neu ausgerichtet. Ein Ende der Ära der Konversion ist absehbar.