# taz.de -- Klage gegen Lieferdienste in Frankreich: 63 Stunden die Woche für 900 Euro
       
       > Eine französische NGO verklagt die Lieferdienste Uber Eats und Deliveroo
       > wegen der illegalen Ausbeutung ihrer schutzlosen Lieferfahrer.
       
 (IMG) Bild: „Ausbeutung der prekären Arbeitskraft“. Ein Fahrer des Lieferdienstes Uber Eats in Paris
       
       Vier sozial engagierte Hilfsorganisationen haben in Paris wegen „moderner
       Sklaverei“ und „Menschenhandel“ Strafanzeigen gegen die Lieferdienste Uber
       Eats und Deliveroo eingereicht. Die von diesen beschäftigten Lieferanten,
       die meist mit Mieträdern von Fastfood-Buden oder Restaurants Essen und
       andere bestellte Dinge ins Haus bringen, sind nicht reguläre Arbeitnehmer
       mit allen Rechten und dem in Frankreich üblichen sozialen Schutz. [1][Ihr
       Status ist in der Grauzone eines frei Erwerbstätigen], der aber dennoch
       völlig abhängig von einem einzigen Auftraggeber ist. Ist das legal? Für die
       klagenden NGOs ist das ebenso unklar wie die Realität der vertraglichen
       Rechte der Lieferanten.
       
       Das Wirtschaftsmodell der US-amerikanischen Plattform Uber Eats und des
       britischen Konkurrenten Deliveroo „beruht auf einer Ausbeutung der prekären
       Arbeitskraft von zumeist Immigrierten mit unwürdigen Bedingungen und
       Einkommen“, erklärte Thibault Laforcade, der Anwalt der klagenden
       Organisationen, der Agentur AFP. Nur dank dieser skandalösen
       Arbeitsbedingungen für die schutzlosen Lieferanten könnten die
       Internetplattformen ihre „sehr bedeutenden Gewinne erzielen“. Die Zahl der
       von ihnen Beschäftigen wird in Frankreich auf annähernd 100.000 geschätzt.
       
       Dass es nicht übertrieben sei, von einer Form von Sklaverei und von
       Menschenhandel zu reden, belegt eine [2][Studie des humanitären Hilfswerks
       Médecins du Monde (MdM)]. Derzufolge sind die Lieferanten im Durchschnitt
       63 Stunden pro Woche im Einsatz. Die meisten verdienen damit weniger als
       900 Euro im Monat, nur wenige erzielen mehr als 1.500 Euro. Vom
       gesetzlichen Mindestlohn in Frankreich (1.443 Euro netto pro Monat bei der
       35-Stunden-Woche) können sie nur träumen.
       
       Bei einer polizeilichen Kontrolle droht vielen von ihnen die Abschiebung.
       Da rund zwei Drittel von ihnen keine Papiere (Aufenthalts- und
       Arbeitsgenehmigung) haben und auch noch einen Account eines Bekannten
       „mieten“ müssen, sind sie besonders schutzlos und ausgebeutet. Und auch
       besonders allen möglichen Risiken ausgesetzt: 6 von 10 der von MdM
       Befragten hatten schon Unfälle, 3 von 4 wurden dabei verletzt.
       
       Zwar sieht zum Beispiel Uber eine kostenlose Versicherung für medizinische
       Pflege vor, doch ohne gültige Papiere werden diese „Sozialleistungen“
       theoretisch. Zudem ist nach Darstellung der Klagenden das System der
       Erteilung der Aufträge und deren Bezahlung „undurchsichtig“. Sie erheben
       den Verdacht einer „Diskriminierung“.
       
       Diesen Alltag hatte der 2024 gedrehte französische Spielfilm
       „[3][Souleymans Geschichte]“ dargestellt. Der Film war im Kino ein
       Publikumserfolg. Wer hätte gedacht, dass ein solches Sozialdrama mit seiner
       Anklage der kapitalistischen Ausbeutung auch bei der Filmkritik und beim
       mondänen Festival in Cannes ankommen würde und sogar das Herz der
       Staatsführung erweichen könnte?
       
       Der aus Guinea illegal eingereiste und in Cannes preisgekrönte
       Hauptdarsteller Abou Sangaré hat dank seines Filmruhms 2025 seine
       Aufenthaltsbewilligung erhalten. Doch die Lage aller wirklichen
       „Souleymans“ hat sich nicht geändert. Daran soll die Klage der NGO
       erinnern.
       
       24 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Uber-in-Frankreich/!6152278
 (DIR) [2] https://www.medecinsdumonde.org/actualite/enquete-livreurs/
 (DIR) [3] https://www.youtube.com/watch?v=COsKjJXnq-c
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rudolf Balmer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Frankreich
 (DIR) Lieferdienst
 (DIR) Ausbeutung
 (DIR) Mindestlohn
 (DIR) Migration
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Uber
 (DIR) Lieferdienste
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Ausbeutung in der Lieferbranche: Senat will Subunternehmern an den Kragen
       
       Berlin will mit einem Direktanstellungsgebot den Missständen in der Branche
       begegnen. Nur umsetzten müsste es der Bund.
       
 (DIR) Uber in Frankreich: Zur Kasse, bitte
       
       Uber und ähnliche Firmen deklarieren ihre Beschäftigten nicht als
       Arbeitnehmer und versichern sie nicht entsprechend. Jetzt reagiert
       Frankreich.
       
 (DIR) Doku über Lieferkuriere aus Südasien: Ausgebeutete Hoffnung
       
       Tausende Inder*innen liefern in Berlin unter schlechten Bedingungen für
       dubiose Subunternehmen aus. Das hat System, zeigt eine neue Doku.