# taz.de -- Heime für kranke Geflüchtete: Raus aus der Massenunterkunft
> Zwei neue Einrichtungen sollen in Bremen kranken Geflüchteten besser
> helfen. Eine richtet sich an psychisch Erkrankte, die auffällig geworden
> sind.
(IMG) Bild: Beherbergt neben Hostel-Gästen und minderjährigen Geflüchteten nun auch solche mit psychischen Auffälligkeiten: das alte Zollhaus
Für kranke Geflüchtete, die in staatlichen Einrichtungen leben, entstehen
in Bremen gleich zwei neue Angebote, die nach Angaben der Sozialbehörde
bundesweit vermutlich einmalig sind.
Zum einen soll in der zweiten Hälfte dieses Jahres eine Unterkunft eröffnen
für geflüchtete Menschen mit einem erhöhten Versorgungs- und
Betreuungsbedarf aufgrund von körperlichen Erkrankungen.
Zum anderen gibt es seit Dezember zehn bis zwölf Plätze für [1][psychisch
kranke Geflüchtete] in einem baulich abgetrennten Bereich eines Heims, in
dem ansonsten unbegleitete minderjährige Geflüchtete leben. Es befindet
sich im ehemaligen Zollhaus des Hafengebiets, in dem der neue Stadtteil
Überseestadt entstanden ist.
Entscheidend sei bei Letzteren nicht die Diagnose, sagte eine Sprecherin
der Bremer Sozialbehörde der taz, sondern der Grad der Auffälligkeit. „Es
sind Personen, bei denen sich herausgestellt hat, dass sie nicht gut mit
anderen in einer Gemeinschaftsunterbringung zusammenleben können und
vielleicht sogar Hausverbote bekommen haben.“ Das bedeutet, dass zum
Beispiel Menschen mit einer schweren Depression, die nur sich selbst
gefährden, nicht zur Zielgruppe gehören.
## Nur ein Bruchteil bekommt psychotherapeutische Hilfe
Nach Schätzungen [2][leiden 30 Prozent aller Geflüchteten an einer
Traumafolgestörung], bundesweit etwa 990.000 Personen. Keine zehn Prozent
von ihnen würden psychotherapeutische Hilfe oder etwas Vergleichbares
bekommen, sagt die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen
Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (Baff). Öffentliche Aufmerksamkeit
bekamen zuletzt vor allem die Einzelfälle, bei denen psychisch kranke
Geflüchtete [3][Menschen schwer verletzten oder töteten].
Frauen könnten theoretisch in der neuen Bremer Einrichtung untergebracht
werden, sagte die Behördensprecherin. „In der Praxis zeigt sich aber, dass
es vor allem alleinreisende junge Männer sind, die psychisch so auffällig
werden, dass sie für einen Umzug ins Zollhaus infrage kommen.“ Fehlender
familiärer Anschluss gilt als eine der Ursachen für eine psychische
Erkrankung.
Ihre Unterbringung in einer Gemeinschaftsunterkunft mit Familien, Kindern
und anderen vulnerablen Gruppen sei häufig nicht tragbar, ebenso wenig sei
eine Vermittlung in eigenen Wohnraum möglich, heißt es in einem Schreiben
der Sozialbehörde an einen Parlamentsausschuss im April.
[4][Obdachlosigkeit wiederum führe zu einer Verschlechterung des Zustands]
und könne erhöhten Drogenkonsum nach sich ziehen – ein Teufelskreis.
Im Zollhaus sollen die Geflüchteten stabilisierende Tagesstrukturen
erfahren, jedenfalls unter der Woche. Sozialpsychiatrisches Personal solle
die Bewohner:innen im Umgang mit ihrer jeweiligen Erkrankung und den
daraus resultierenden Alltagsbeeinträchtigungen unterstützen, heißt es in
dem Behördenschreiben. Dazu gehöre auch die psychiatrische Versorgung
beispielsweise in Tageskliniken.
## Angehörige sollen pflegen
In der anderen Einrichtung mit Platz für 155 Personen, die in einem
ehemaligen Pflegeheim in der Neustadt untergebracht wird, sollen Menschen
mit erhöhtem Pflege- und Betreuungsbedarf leben. Neben Geflüchteten können
das auch Wohnungslose sein. Die Pflege sollen dabei Angehörige übernehmen,
da es sich ausdrücklich nicht um ein Pflegeheim handelt. „Dieses Prinzip
trägt sowohl kulturellen als auch praktischen Realitäten Rechnung und kann
dazu beitragen, bestehende Versorgungssysteme zu entlasten“, heißt es in
dem Behördenschreiben.
Können Angehörige die Pflege nicht übernehmen, würden ambulante
Pflegedienste beauftragt. Das Personal der Einrichtung habe eine
„koordinierende, beratende und unterstützende Funktion“. Das Ziel sei, „die
Bewohner:innen möglichst frühzeitig an reguläre Unterstützungsangebote
heranzuführen und ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu stärken“.
Auch eine ärztliche Versorgung soll sichergestellt werden. Wie diese
aussieht, stehe noch nicht fest, so die Behördensprecherin. Aufgrund der
gesetzlichen Rahmenbedingungen kann die Kommune nicht einfach einen Arzt
oder eine Ärztin anstellen, die dort Patient:innen behandelt. Denkbar
sei, sagte die Sprecherin, dass ein niedergelassener Arzt für einige
Stunden pro Woche in die Einrichtung kommt und Behandlungen über die
gesetzliche Krankenversicherung abrechnet.
28 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eiken Bruhn
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