# taz.de -- Rechtsextremismus in Brandenburg: Initiative beklagt Woche der rechten Gewalt in Cottbus
> Nach den Neonazi-Drohungen gegen einen Pfarrer in Cottbus gab es
> mindestens sieben weitere rechte Vorfälle in der Stadt. Auch eine
> Uni-Party war betroffen.
(IMG) Bild: Rassismusvorwürfe nach Uni-Party: Mensa der BTU Cottbus-Senftenberg
Die mutmaßlichen [1][Neonazi-Angriffe auf die Privatwohnung eines Pfarrers]
und eine Sprecher*in der Linksjugend Lausitz am Donnerstag haben
bundesweit Bestürzung und Solidaritätsbekundungen ausgelöst. Gleichzeitig
werden immer mehr rechte Vorfälle bekannt, die sich in den vergangenen
Tagen in der Stadt ereignet haben sollen. Die Initiative Sichere Orte
Südbrandenburg sprach am Dienstag von mindestens sieben weiteren extrem
rechten Übergriffen und Provokationen.
Schon am Donnerstag hatte die Polizei demnach neben den Angriffen auf
Pfarrer und Aktivist*in zwei weitere Vorfälle erfasst: Zwei junge Männer
sollen auf einer Autobahnbrücke über der A13 vorbeifahrenden Autos den
Hitlergruß gezeigt haben. Und am späten Abend sollen in der Cottbuser
Innenstadt mehrfach verbotene Parolen gerufen worden sein.
Darüber hinaus soll es am Freitag bei der Semestereröffnungsparty der
Brandenburgisch-Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) laut
übereinstimmenden Berichten mehrere rassistische Übergriffe gegeben haben.
Auch sei bei der Feier eine Securityfirma eingesetzt worden, deren
Mitarbeiter bereits in der Vergangenheit negativ im Zusammenhang mit
rechten Vorfällen aufgefallen seien, heißt es von der Initiative.
Man sei „schockiert“ über die Berichte von der Party, sagte Gregor
Stamborski von der BTU-Hochschulgruppe Studis gegen rechts:
„Veranstaltungen auf dem Campus sollten Safer Spaces sein – hier zeigt sich
Handlungsbedarf beim Sicherheitskonzept“, so Stamborski.
## Wohnprojekt erneut im Visier von Neonazis
Außerdem hatten Unbekannte am Wochenende das alternative Wohnprojekt
„Zelle79“ [2][mit Hakenkreuzen beschmiert]. Das Haus ist seit Langem im
Visier von Neonazis. Im Dezember wurde der Eingangsbereich [3][durch einen
Sprengstoffangriff massiv beschädigt.] Ebenfalls am Wochenende soll ein
Mann an einer Straßenbahn den Hitlergruß gezeigt und einen Fahrgast mit
Pfefferspray angegriffen haben, sodass dieser medizinisch versorgt werden
musste.
„Die extreme Rechte tritt uns als organisierte Kriminalität entgegen und so
muss sie von der Polizei auch behandelt werden“, forderte Ricarda Budke,
Sprecherin der Initiative Sichere Orte Südbrandenburg, am Dienstag. „Den
Solidaritätsbekundungen müssen jetzt Taten folgen“, sagte sie.
Nach Bekanntwerden der Angriffe auf die Linksjugend-Sprecher*in und den
Pfarrer, der sich auch bei der Initiative Sichere Orte engagiert, gab es
viel verbale Unterstützung. Etwa schrieb Anna-Nicole Heinrich, Präses der
Evangelischen Kirche in Deutschland, auf Instagram: „Wer Menschen
einschüchtert, die sich für Demokratie und ein gesellschaftliches
Miteinander einsetzen, greift uns alle an.“
Ebenfalls auf Instagram äußerte sich Brandenburgs Bildungsministerin Manja
Schüle (SPD): „In Cottbus wurden nicht nur Türen eingetreten – hier wird
versucht, zivilgesellschaftliches Engagement mundtot zu machen.“ Und der
CDU-Fraktionsvorsitzende Steeven Bretz erklärte: „Wer Menschen bedroht, die
sich für Zusammenhalt, Demokratie und Mitmenschlichkeit einsetzen, greift
unsere Grundwerte an.“
Ricarda Budke nahm die Landespolitik jetzt in die Pflicht: „Die
Landesregierung muss jetzt die Förderung von Demokratieprojekten, Kultur
und sozialen Einrichtungen massiv ausweiten und nicht kürzen“, betonte sie
Dienstag. „Wer sich gegen rechte Gewalt stellt, braucht Worte der
Unterstützung, aber vor allem wirksames politisches und polizeiliches
Handeln.“
Ein eindeutiger Fingerzeig: Denn erst vor Kurzem [4][musste die
Antidiskriminierungsberatung des Landes ihre Arbeit einstellen], weil sie
nicht weiterfinanziert wird.
22 Apr 2026
## LINKS
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(DIR) [2] https://www.instagram.com/p/DXUOv6yjDMU/
(DIR) [3] /Zelle-79-in-Cottbus/!6141843
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## AUTOREN
(DIR) Hanno Fleckenstein
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