# taz.de -- Rechtsextremismus in Cottbus: Mehr Polizei soll's richten
> Brandenburgs Innenminister kündigt nach rechten Vorfällen neue
> Ermittlungsgruppe und mehr Polizeischutz an. Zur Demo in Cottbus kommen
> 450 Menschen
(IMG) Bild: Teilnehmer der Demo gegen rechte Gewalt in Cottbus am 30. April. Motto: „Ihr greift uns an – wir stehen zusammen“
dpa | Mit mehr Polizeischutz, einer neuen Ermittlungsgruppe und
Videokameras will die Brandenburger Landesregierung auf eine Serie rechter
Straftaten in Cottbus reagieren. „Wir wollen natürlich auch ein Signal der
Abschreckung senden in die Szene rein“, sagte Innenminister Jan Redmann
(CDU) am Donnerstag. Zugleich warnte der CDU-Politiker in Cottbus vor einem
Anstieg politisch motivierter Gewalt bei jungen Menschen und einer
Radikalisierung über das Internet.
Bis zu rund 450 Menschen demonstrierten in Cottbus am Donnerstagabend nach
Polizeiangaben gegen rechte Gewalt. Der Demonstrationszug zog unter dem
Motto „Ihr greift uns an – wir stehen noch näher zusammen“ friedlich durch
die Stadt. Es habe eine Handvoll Platzverweise gegen mutmaßliche Störer
gegeben, darunter seien aber keine Teilnehmer der Demo gewesen, sagte ein
Polizeisprecher.
In den vergangenen Tagen waren ein antisemitischer Schriftzug und ein
[1][schwarzes Hakenkreuz an die Synagoge in der Fußgängerzone der Stadt
geschmiert] worden. Zudem warfen unbekannte Täter eine Leuchtfackel in den
Flur eines alternativen Wohnprojekts. Es gab auch Drohungen unter anderem
an der Wohnung eines [2][Studentenpfarrers, der sich gegen
Rechtsextremismus engagiert]. Elf Straftaten der politisch motivierten
Kriminalität seien seit Mitte April in Cottbus erfasst worden, sagte
Polizeipräsident Oliver Stepien.
Gemeinsam mit Kulturministerin Manja Schüle (SPD) und Polizeipräsident
Stepien traf sich Redmann mit der jüdischen Gemeinde in Cottbus und
Vertretern der Initiative Sichere Orte Südbrandenburg. Die Gemeinde spricht
von organisierter rechter Bandenkriminalität und fordert Schutz.
## Jüdische Gemeinde: Mitglieder haben Angst
Als Reaktion auf die Vorfälle sei eine neue Ermittlungsgruppe bei der
Polizei eingerichtet worden, berichtete Innenminister Redmann. Es seien
Fachleute am Werk, die die Strukturen der extremistischen Szene sehr gut
kennen. Die Ermittlungsgruppe prüfe auch Zusammenhänge zwischen den Taten,
so Redmann. Die Polizei wisse, wer zum gewaltbereiten Milieu gehöre.
Zudem sind laut Innenminister die Sicherheitsmaßnahmen erhöht worden.
Kommunen sollen auch mehr Möglichkeiten erhalten, Videokameras an
bestimmten Orten zu nutzen. Cottbus gilt seit Jahren als Hotspot des
Rechtsextremismus.
Die Jüdische Gemeinde lasse sich von den Taten nicht einschüchtern, das
Gemeindeleben gehe weiter, hieß es von der jüdischen Gemeinschaft. Aber:
Mitglieder hätten auch Angst, sagte der Vorstand der Jüdischen Gemeinde,
Gennadi Kuschnir. Der Innenminister versicherte: „Die Polizei unternimmt
derzeit alles, um die Täter ausfindig zu machen. Es werden hier alle Mittel
der Kriminaltechnik eingesetzt.“
Der Cottbuser Oberbürgermeister Tobias Schick sagte: „Extremismus ist
Mist.“ Er habe in der Stadt und im Land keinen Platz. Die religiöse
Vielfalt habe in Cottbus eine „tolle Heimat“. Die Mehrheit lehne die
Vorfälle absolut ab.
Kulturministerin Schüle sagte, es dürfe nicht zugelassen werden, dass
Jüdinnen und Juden diffamiert, ausgegrenzt und diskriminiert werden. Die
Jüdische Gemeinde erfahre viel Solidarität aus der Stadtgesellschaft und
von der evangelischen und katholischen Kirche. „Hass hat hier keine
Heimat.“
Das Phänomen politisch motivierter Jugendgewalt ist nach den Worten des
Innenministers gewachsen, wie er im RBB sagte. Nach seinen Angaben gab es
in Brandenburg vor fünf, sechs Jahren „eine Handvoll“ politisch motivierter
Gewalttaten von Tätern unter 18 Jahren. Im vergangenen Jahr seien es 84
solcher Taten gewesen. „Also wir sehen, dass gerade bei jungen Menschen
sowohl im rechtsextremen Milieu, aber auch im linksextremen und im
islamistisch motivierten Milieu der Hang zu politisch motivierter Gewalt
stark zugenommen hat.“
Zugleich sieht der Minister die Bekämpfung des Rechtsextremismus als eine
gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Immer mehr junge Menschen würden über
soziale Medien radikalisiert, sagte er bei Radio Eins. Sie hätten auf ihren
Handys zigfach Kontakt zu radikalen Inhalten und zu indizierter Musik.
„Dagegen ist Sozialarbeit, die hier und da punktuell diese Menschen
erreicht, wenig wirksam“, sagte Redmann.
„Ich glaube, wir müssen auch an die Plattformen ran. Wir müssen miteinander
darüber reden, wie es sein kann, dass solche rechtsradikale indizierte
Musik im Internet frei verfügbar ist und in diesen Plattformen ausgespielt
wird“, so der Innenminister. „Hier wird eine ganze Generation gegenwärtig
verblendet, und das können wir uns nicht gefallen lassen.“
1 May 2026
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