# taz.de -- Rechte Gewalt in Brandenburg: Pfarrer in Cottbus von Neonazis bedroht
       
       > Neonazis sind in Cottbus in ein Wohnhaus eingedrungen und haben dort
       > randaliert. Im Visier: ein Pfarrer, der sich gegen Rechtsextremismus
       > einsetzt.
       
 (IMG) Bild: Altmarkt und Oberkirche in Cottbus (Archivbild)
       
       Ein evangelischer Pfarrer in Cottbus ist von mutmaßlichen jungen Neonazis
       bedroht worden. Das teilte die Evangelische Kirche
       Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz am Montag mit: „Der Angriff auf
       die Wohnung, und damit auf unseren Pfarrer in Cottbus, hat mich schwer
       schockiert“, erklärte Bischof Christian Stäblein. „Stark und
       leidenschaftlich“ engagiere sich der Pfarrer „mit seiner christlichen
       Haltung für die Rechte der Menschen in Brandenburg und für die Liebe
       Gottes“, sagte Stäblein weiter.
       
       Der Betroffene setzt sich als einer der Sprecher der Initiative Sichere
       Orte Südbrandenburg gegen Rechtsextremismus in der Lausitz ein. Der Vorfall
       hatte sich bereits am Donnerstag ereignet. Nach Angaben der Beratungsstelle
       Opferperspektive waren zwei Neonazis am späten Nachmittag in das Wohnhaus
       des Pfarrers eingedrungen. Demnach traten die Angreifer die Haustür ein,
       drangen über mehrere Stockwerke zur Wohnung vor und randalierten vor der
       Tür.
       
       Zudem hätten sie rechte Aufkleber am Briefkasten hinterlassen. Darunter war
       auch ein Sticker mit der Aufschrift „Piss dich nach Berlin“, der schon im
       Zusammenhang mit einer [1][rechtsextremen Hetzkampagne gegen zwei
       Lehrer*innen in Burg im Spreewald] verwendet worden war.
       
       Bereits vergangene Nacht hatte der Superintendent im evangelischen
       Kirchenkreis Cottbus/Chóśebuz, Georg Thimme, Stellung genommen: „Dass ein
       Pfarrer, der sich klar positioniert und Verantwortung in unserer
       Gesellschaft übernimmt, bedroht wird, ist ein Angriff auf uns alle“,
       schrieb Thimme [2][auf Instagram].
       
       ## Zweiter Angriff in der Nähe
       
       Für Aufsehen sorgt zudem ein zweiter rechter Angriff, der sich beinahe
       gleichzeitig mit dem Einbruch in das Wohnhaus des Pfarrers – und in
       derselben Straße – ereignete. Laut Opferperspektive wurde dabei eine
       antifaschistisch aktive Person, die mit dem Fahrrad unterwegs war, von
       einem ebenfalls Fahrrad fahrenden jugendlichen Neonazi bedrängt.
       
       Dieser habe die Betroffene aufgefordert, die Tasche herauszugeben, an der
       unter anderem ein Antifa-Button befestigt war. Anschließend habe er sie
       ausgebremst, verhöhnt und den Button abgerissen. Zeugen berichten, am Bein
       des Angreifers sei ein Reichsadler-Tattoo sichtbar gewesen.
       
       Die Polizei Brandenburg bestätigte am Montag gegenüber der taz, dass der
       für politische Motive zuständige Staatsschutz mittlerweile in beiden Fällen
       die Ermittlungen übernommen hat. Ermittelt werde wegen des Verdachts auf
       Hausfriedensbruch und illegales Plakatieren sowie Nötigung und Diebstahl.
       
       Angesichts der beiden Angriffe sprach Dorina Feldmann vom Verein
       Opferperspektive von einer „traurigen Realität, die niemals hingenommen
       werden darf“. Erst vor Kurzem hatte die Initiative in Brandenburg [3][einen
       alarmierenden Höchststand rechter Gewalt festgestellt – auch in Cottbus].
       Darunter listet sie zahlreiche Angriffe von Rechtsextremisten auf
       politische Gegner*innen.
       
       Ricarda Budke von der Initiative Sichere Orte Südbrandenburg warnte, die
       extreme Rechte versuche weiterhin, ihren Dominanzanspruch in Cottbus zu
       demonstrieren und Menschen einzuschüchtern, die sich für den Erhalt der
       Demokratie engagieren. „Dass dabei gezielt bis ins Wohnumfeld vorgedrungen
       wird, ist besonders erschreckend“, sagte Budke.
       
       Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels wurde der mutmaßliche
       Betroffene mit dessen Einverständnis namentlich genannt. Mittlerweile haben
       wir den Namen auf seinen Wunsch hin wieder entfernt.
       
       20 Apr 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hanno Fleckenstein
       
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