# taz.de -- SC Freiburg im DFB-Pokalhalbfinale: Zwischen Euphorie und Staunen
> Der SC Freiburg steht im Halbfinale von DFB-Pokal und Europa League. Und
> strotzt auch sonst vor Kraft. Gibt es einen neuen Großklub in der
> Bundesliga?
(IMG) Bild: Europa-League-Viertelfinale gegen Celta Vigo: Freiburgs Yuito Suzuki tunnelt seinen Gegenspieler einfach weg
Es ist eine Art Rausch, in dem der SC Freiburg durch dieses Frühjahr
schwebt, beflügelt von einem Überfluss an historischen Höhepunkten. Auf die
imponierenden Siege im Achtel- und Viertelfinale der Europa League gegen
Genk und Vigo folgen Halbfinalduelle gegen Sporting Braga, nachdem das Team
an diesem Donnerstag im Halbfinale des DFB-Pokals beim VfB Stuttgart
antritt. Vor wenigen Jahren wäre diese Partie in Freiburg ein
monolithischer Gipfel im Saisonverlauf gewesen, nun ist das Duell nur ein
Kapitel inmitten zuckersüßer Wochen.
Der Mittelfeldspieler Maximilian Eggestein berichtet von einem Gefühl der
„Euphorie“, das den ganzen Klub erfasst habe, während sie immer noch ein
wenig über sich selbst staunen: Der kleine SC Freiburg kann zum zweiten Mal
innerhalb von vier Jahren das Finale des DFB-Pokals erreichen und hat
außerdem realistische Chancen, ins Endspiel der Europa League einzuziehen.
[1][„Es ist unglaublich viel Energie da“, sagt der Trainer Julian
Schuster].
Solche Töne sind neu. Als Schuster 2025 kurz vor der Winterpause gefragt
wird, ob es enttäuschend sei, womöglich erstmals seit sieben Jahren mit
weniger als 20 Punkten Weihnachten zu feiern, sagt er noch: „So eine Frage
stellt nur jemand, der den SC nicht verinnerlicht hat.“ Gerade einmal vier
Monate ist es her, dass die Freiburger redeten wie ein Abstiegskandidat,
der sich mit sehr kleinen Zielen zufriedengeben muss.
Inzwischen sagt der seit 24 Jahren im Klub arbeitende Sportvorstand Jochen
Saier, der den SC auf jeden Fall verinnerlicht hat: „Jetzt wollen wir
alles.“ Das passt besser zur Realität, in der dieser ehemals ziemlich
kleine Bundesligaverein über drei Jahrzehnte mit viel Sachverstand auf
allen Ebenen gewachsen ist.
## Finanziell bestens aufgestellt
Im Ranking der von der Deutschen Fußball-Liga ausgeschütteten Fernsehgelder
steht der SC inzwischen auf Rang sechs. Unmittelbar hinter den [2][von
Champions-League-Ambitionen getriebenen Klubs] aus München, Dortmund,
Leverkusen, Leipzig und Frankfurt. Zum dritten Mal innerhalb von fünf
Jahren spielt der Schwarzwaldklub in der Europa-League, was zu Einnahmen
führt, die in Mönchengladbach, Köln, Bremen oder beim HSV seit Jahren
fehlen.
2024 durchbrachen die Freiburger beim Umsatz erstmals die Schwelle von 200
Millionen Euro. Im siebten Jahr in Folge gelang dem Klub trotz Pandemie und
ohne Investor eine Steigerung beim Eigenkapital. In der Kategorie des
Umlaufvermögens, das die Liquidität darstellt und in dem die Freiburger auf
einen Wert von 126 Millionen Euro kommen, sind nur Bayern, Leipzig und
Dortmund stärker. Der SC Freiburg strotzt vor Kraft.
Auf dem Transfermarkt machen einstmals viel größere Vereine mittlerweile
die Erfahrung, dass sie kaum noch Chancen haben, wenn die Freiburger um
einen Spieler mitbieten. Weil auch beim SC mittlerweile gute Gehälter
gezahlt werden und weil hier ein sehr bewährtes Entwicklungsumfeld mit
Verlässlichkeit auf der Trainerposition und in den Aussagen zu den
Perspektiven der Spieler geboten wird.
So ist der stärkste Kader entstanden, der jemals mit dem Greif auf der
Brust spielte. Mit den Ur-Freiburgern Vincenzo Grifo, Christian Günter
sowie Lucas Höler. Mit auch international erfahrenen Leuten wie Matthias
Ginter und Philipp Lienhart, mit Großtalenten wie Jordi Makengo, [3][Johan
Manzambi], Noah Atubolu, Yuito Suzuki oder Igor Matanovic. Und mit
Maximilian Eggestein, der den Laden meist eher unauffällig zusammenhält und
plötzlich auch anfängt, Tore zu schießen.
## Ambitionen, Realismus und Vernunft zusammendenken
Anderswo würden solche Entwicklungen Träume von einer leuchtenden Zukunft
in der Champions League beflügeln, Freiburgs Sportvorstand Jochen Saier
sagt jedoch noch im März: „Es wäre völlig vermessen, zum Angriff zu blasen.
Unser Ansatz sieht anders aus. Wir versuchen, Ambitionen, Realismus und
Vernunft zusammenzudenken.“
Wer sich in den Führungen anderer Klubs nach dem SC erkundigt, bekommt
viele bewundernde Aussagen über die durchdachte Arbeit zu hören, begleitet
jedoch von einer gewissen Skepsis. Vielleicht, weil der Klassenstreber
manchmal einfach nervt. Aber eben auch, weil dieser hervorragend
konzipierte Klub immer noch den Anschein erweckt, als seien die alten
Traditionsvereine, die ständig ihre Trainer und Vereinsführungen
austauschen, kraftvoller und mächtiger. Dabei ist der SC in der Bundesliga
längst als stabiler Top-Acht-Klub erkennbar, nachdem er zuvor viele Jahre
vor allen Dingen durch seine Trainer Aufmerksamkeit erregt hatte.
Volker Finke (1991–2007) und Christian Streich (2012–2024) waren
schillernde Figuren, als Fußballfachmänner, aber eben auch mit ihren
Aussagen zum Weltgeschehen. Gebildet, politisch links, meinungsstark,
kritisch. Gerne wurde die Geschichte vom linksalternativen Fußballverein
aus Deutschlands Öko-Hauptstadt erzählt. Jetzt sind Finke und Streich weg.
Das idyllische und zugleich Woche für Woche von viel Eigensinn erfüllte
[4][Dreisamstadion wurde durch eine moderne Spielstätte in einem
Industriegebiet ersetzt]. Ohne Finke, Streich und das legendäre Stadion ist
inzwischen gut sichtbar, worin der Kern des alternativen Freiburger
Fußballentwurfs wirklich besteht: in einer auf allen Ebenen
funktionierenden und mit einem langfristigen Konzept unterlegten Trainer-
und Managementarbeit.
Und so langsam scheinen sie auch an der Dreisam zu merken, wie stark sie
geworden sind, jedenfalls sagt Schuster: „Wir sind noch nicht am Ende.“
23 Apr 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Daniel Theweleit
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