# taz.de -- SC Freiburg ins Europa-League-Finale?: Beweglicher Turm im Sturm
> Der SC Freiburg muss gegen den SC Braga die Hinspielniederlage
> wettmachen. Besonders Igor Matanovič, der beste Torschütze, hat große
> Revanchegelüste.
(IMG) Bild: Fleißiger Arbeiter in vorderster Reihe: Igor Matanovič setzt im Hinspiel Bragas Torhüter Lukáš Horníček unter Druck
Christian Günter bekleidet das Kapitänsamt beim SC Freiburg mittlerweile im
sechsten Jahr, erste Wahl im Team von Julian Schuster ist er in dieser
Saison aber eher selten. Am vergangenen Sonntag, beim Sandwich-Spiel
zwischen den beiden Halbfinals in der Europa League, stand Günter mal
wieder in der Startelf. Und nach dem 1:1 gegen Wolfsburg machte der
33-Jährige, wozu ein Kapitän unter anderem da ist: Er lobte die erneut
zelebrierte Fähigkeit der Freiburger, nach einem Rückstand zurückzukommen –
und sprach sich und den Teamkollegen entsprechend Mut für das entscheidende
Duell mit Sporting Braga zu.
„Ich bin jetzt total guter Dinge für Donnerstag“, versicherte Günter vor
dem wichtigsten Spiel der Vereinsgeschichte. Gegen die abstiegsgefährdeten
Wolfsburger brauchte der Sport-Club 20 Minuten, um ein ausgeglichenes
Ergebnis zu erzielen. Beim Halbfinal-Hinspiel in Braga vergingen sogar nur
acht Minuten bis zum Ausgleich. In der Nachspielzeit offenbarten die bis
dahin weitgehend stabilen Gäste allerdings ein Leck in der Defensive – das
die Nordportugiesen umgehend zum 2:1-Siegtreffer nutzten.
Die Szenen, die sich anschließend im Estádio Municipal de Braga abspielten,
sog besonders der Augenzeuge Igor Matanovič ganz tief in sich ein. Um
seinen Ärger nun, zum Showdown mit der vierten Kraft im portugiesischen
Fußball, wieder hervorzukramen. „Ich habe dort auf die Tribünen geschaut.
Da waren die Fans von Braga uns gegenüber schon sehr hochmütig und haben
provokant gejubelt“, erzählt Freiburgs Mittelstürmer grimmig. Deshalb war
er an Ort und Stelle bereits „sehr heiß“ auf das Wiedersehen im heimischen
Umfeld und versicherte glaubhaft: „Ich freue mich schon auf das Rückspiel,
wirklich.“
Zuversichtlich, am 20. Mai in Istanbul ihr erstes internationales Finale zu
bestreiten, stimmt die Südbadener vor allem ihre gewachsene Dominanz auf
eigenem Terrain: Die saisonübergreifend letzten zehn Heimspiele in der
Europa League hat Freiburg allesamt gewonnen.
## Aufschwung nach der Winterpause
Gepaart mit der vielfach erprobten Resilienz, dem zunehmend
leidenschaftlichen Anhang und einem im Vergleich zur Vorsaison [1][breiter
aufgestellten Kader] sind das einige Trümpfe, die für die dritte deutsche
Endspielbeteiligung in der Europa League in den letzten fünf Spielzeiten
sprechen. [2][Im Fahrwasser von Frankfurt] (Gewinner 2022) und Leverkusen
(Finalist 2024) weissagt SC-Coach Schuster nach den Erfahrungen des ersten
Duells mit Braga aber auch recht realistisch: „Uns erwartet ein Spiel, wo
alles möglich ist, das in beide Richtungen kippen kann.“
Zugunsten von Freiburg kann definitiv Igor Matanovič einiges bewegen.
Während [3][Unterschiedsspieler wie Johan Manzambi] und Yuito Suzuki (für
den Japaner ist die Saison nach einem gegen Wolfsburg erlittenen
Schlüsselbeinbruch beendet) zuletzt etwas schwächelten, blieb der
Sommerneuzugang aus Frankfurt weiter einer der zuverlässigsten Akteure im
Team.
Gerade nach der Winterpause fand sich Matanovič (23) im neuen Umfeld immer
besser zurecht. Im Angriffszentrum erhält der gebürtige Hamburger seither
meist den Vorzug gegenüber Lucas Höler. In der Liga ist er mit acht
Treffern Freiburgs erfolgreichster Schütze. In den K.-o.-Spielen gegen Genk
und Vigo traf er zweimal, darunter das Traumtor zur wichtigen Führung beim
zweiten Duell mit Celta.
Gemeinsam mit den sehr beweglichen Technikern Manzambi und Suzuki hat
Matanovič als 1,95 Meter langer, ballsicherer Anspielturm die Freiburger
Offensive in dieser Saison klar belebt. „Er betreibt einen unglaublich
großen Aufwand – und das hilft uns in allen Bereichen, die wichtig sind für
unser Spiel“, lobt Schuster den kroatischen Nationalstürmer.
Matanovičs Eltern sind kroatische Kriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen
Jugoslawien. Als Teenager kickte er zunächst für die kroatische U14,
spielte dann für deutsche Jugendauswahl-Teams, unter anderem mit Florian
Wirtz – und wechselte mit 19 wieder zum kroatischen Verband.
Immer südlicher ging es für den gewitzten Angreifer auch auf Vereinsebene:
Nach 13 Jahren bei St. Pauli wechselte er 2023 nach Frankfurt. Die
Eintracht entlieh ihn umgehend nach Karlsruhe, es folgte eine Spielzeit in
der Bankenmetropole – und vor zehn Monaten dann der Umzug in den Breisgau.
Den viel beschäftigten Freiburgern steht dort nun das 51. Pflichtspiel in
dieser Saison ins Haus. Wobei Igor Matanovič Gegner Braga und dessen freche
Fans schon mal vorwarnt: „Ein Tor für uns – und dann kann es schon sehr
unangenehm werden in unserem Stadion.“
7 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Andreas Morbach
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