# taz.de -- Europa-League-Finale: Badnerlied und Bescheidenheit
       
       > Der SC Freiburg spielt zu harmlos und verliert im Europa-League-Finale
       > gegen Aston Villa eindeutig mit 0:3. Es bleibt eine unglaublich gute
       > Saison.
       
 (IMG) Bild: Europa-League-Finale in Istanbul, am Ende war Aston Villa doch eine Nummer zu groß für den SC Freiburg
       
       Wenige Augenblicke nachdem das Finale abgepfiffen worden war, kürten die
       Fans aus Freiburg einen zum Mann dieses historischen Abends, der schon vor
       weit über 16 Jahren gestorben ist. „Achim Stocker, du bist der beste Mann“,
       skandierten sie. Es war ein lautstarkes Bekenntnis zur Bescheidenheit und
       eine Erinnerung daran, wo der Verein herkommt. Aus einer Welt der
       notorischen Abstiegssorgen. Der langjährige Klubpräsident war aus Angst vor
       Überforderung ein leidenschaftlicher Gegner des zu großen sportlichen
       Erfolgs.
       
       Und es war ein vorläufiger Schlussstrich unter all die wilden Träumereien
       des SC-Anhangs. Insbesondere in den Stunden vor dem Finale der Europa
       League gegen Aston Villa hatten sich die über 11.000 Südbadener im
       Istanbuler Stadtviertel Beşiktaş und in ihrer Traumwelt breitgemacht. Immer
       wieder wurde der Pokalsieg besungen. Kneipenbesitzer ließen für die
       trinkfreudige Kundschaft bereitwillig das Badnerlied und die SC-Hymne rauf
       und runter spielen. Und jede und jeder der meist weiß Gekleideten fragte
       sich mehr oder minder offen, ob das denn alles wahr sein könne.
       
       Der Realitätssinn kehrte rasch zurück nach der deutlichen 0:3-Niederlage,
       als ob auch das Publikum vom Verein trainiert würde. Und der SC Freiburg
       wirkte insgesamt wieder verdammt klein nach all dem großen Bohei in den
       letzten Wochen. Zwei Nachlässigkeiten gegen Ende der ersten Hälfte sorgten
       dafür, dass sie Aston Villa nichts mehr entgegenzusetzen hatten. Die
       Torgefahr, die vom deutschen Team statistisch erfasst wurde, lag im
       mikroskopischen Bereich (0,27 x-goals). Es war ein ungleiches Duell.
       
       Stürmer Igor Matanovič bedankte sich bei den Fans für den Beistand in einer
       Situation, „welche vielleicht die schönste und größte Erfahrung ist und zum
       anderen die beschissenste, weil es nicht schön ist, ein Finale zu
       verlieren“.
       
       ## Zwei Milliardäre und eine Weltklassetrainer
       
       Der Traum von Aston Villa, die 44 Jahre keinen internationalen Titel mehr
       gewonnen hatten, war auch nicht klein. Und die Anhängerschaft, die diesen
       Traum in Istanbul besang, noch zahlreicher vertreten. Nur wird dieses
       Fußballunternehmen von zwei Milliardären aus Ägypten und den USA geführt,
       die sich nicht nur einen Kader mit überdurchschnittlich guten Spielern wie
       die Torschützen Youri Tielemans, Emiliano Buendía sowie Morgan Rogers
       leisten können, sondern zudem mit Unai Emery einen Weltklassetrainer. Nach
       drei Europa-League-Titeln mit dem FC Sevilla und jeweils einem mit dem FC
       Villarreal und Aston Villa ist der Spanier unbestritten der Fachmann für
       diesen Wettbewerb. Von seinem dankbaren Team wurde er deshalb bei der
       Vergabe der Medaillen als Erster losgeschickt.
       
       Einer seiner großen Bewunderer ist Freiburgs strebsamer Trainer Julian
       Schuster. In der späten Nacht bedauerte er, dass er nach den
       Uefa-Regularien seine Pressekonferenz alleine abhalten musste. Gerne hätte
       er sich mit Unai ausgetauscht, bekannte er. Schuster spricht vor allem nach
       Niederlagen bevorzugt darüber, was man alles lernen kann.
       
       Als besonders problematisch wertete er nicht einmal den riesigen freien
       Raum, den sein Team nach einer besonderen gegnerischen Eckenvariante
       Tielemann für seinen Abschluss gelassen hatte. Den Treffer (41.) wollte er
       lieber der Qualität und der Präzisionsarbeit von Aston Villa zuschreiben.
       Bedenklicher fand er die Fahrlässigkeit nur sieben Minuten später.
       [1][Johan Manzambi] hatte kurzerhand die Verteidigungsarbeit eingestellt.
       Schuster führte das auf die Unruhe zurück, die der erste Treffer im Team
       erzeugt hatte, und forderte für die Zukunft: „Das darf mental mit dir
       nichts machen.“
       
       Abgesehen von anfänglichen Problemen hatten die Freiburger bis dahin ganz
       passabel mitgehalten. Sportvorstand Saier stellte fest, dass Freiburg
       „nicht so den Sahnetag hatte“ und eben auf einen richtig guten Gegner
       getroffen sei. Unter dem Strich bleibt aber eine unglaublich gute Saison.
       Streich-Nachfolger Schuster hat es mit seinem Team neben dem europäischen
       Finale bis ins DFB-Pokalhalbfinale geschafft und sich zudem für die
       Conference League qualifiziert.
       
       ## Ambitionen fürs kommende Jahr
       
       Trotz des etwas ernüchternden Abends in Istanbul und den
       Achim-Stocker-Gedenksekunden wollte beim SC Freiburg aber auch niemand
       allzu tief stapeln. Schusters erklärte: „Wir haben schon den Anspruch, die
       Vitrine mit einem Pokal zu füllen. Und SC-Verteidiger Philipp Treu kündigte
       in den Katakomben des Stadions von Beşiktaş Istanbul forsch an: „Wir wollen
       nächstes Jahr wieder hierherkommen.“ Das Conference-League-Finale wird 2027
       hier ausgetragen. Er vergaß aber nicht hinzuzufügen: „Jetzt gilt es, [2][am
       Freiburger Weg dranzubleiben].“ Offensichtlich verläuft dieser nun auf
       einer anderen Höhenlage.
       
       Rund um das Finale wurde bekannt, dass Werder Bremens Torhüter Mio Backhaus
       aller Voraussicht nach für 15 Millionen Euro nach Freiburg kommen soll.
       Erfolgsabhängige Boni von 3- Millionen Euro würden dazukommen. Er wäre der
       Ersatz für den abwanderungswilligen Noah Atubolu. Und dieser wäre dem SC
       Freiburg offenbar ein Rekordtransfer in der Vereinsgeschichte wert.
       
       21 May 2026
       
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