# taz.de -- Fußball-Bundesliga der Männer: Wie Freiburg wieder in die Offensive kommt
       
       > Über das 3:3 kann sich Bayer Leverkusen weniger freuen als der SC
       > Freiburg. Der zeigte nämlich mit der Abkehr vom Defensivfußball neue
       > Perspektiven.
       
 (IMG) Bild: Er sorgt für Ausgleich: Freiburgs Matthias Ginter nach dem 3:3 gegen Leverkusen
       
       Nach dem 3:3 seiner Elf gegen [1][Bayer Leverkusen] bestritt Julian
       Schuster die Pressekonferenz so ruhig und gelassen wie der schwäbische
       Verbal-Stoiker das immer tut. Wer ihn zuvor beim Spiel seines [2][SC
       Freiburg] gesehen hatte, in dessen Schlussphase er unter kompletter
       Missachtung der Coachingzone noch einige Kilometer abgespult hatte, durfte
       sich dennoch wundern.
       
       Zumal auch Kollege Kesper Hjulmand sachlich und gemächlich auftrat. Seine
       Leverkusener hatten ihren Teil zu einem hochklassigen Spiel beigetragen,
       allerdings über 90 Minuten auch nicht den Eindruck erweckt, als werde es
       ein leichtes Unterfangen, noch in die Champions-League-Ränge vorzustoßen.
       „Das war ein super Spiel von beiden Mannschaften“, sagte der nur gemäßigt
       zufriedene Hjulmand. „Die letzten 20 Minuten haben wir nur verteidigt und
       ohne Dominanz gespielt.“
       
       Beim Sportclub hingegen bleibt von diesem unterhaltsamen Nachmittag weit
       mehr hängen als ein gammeliger Punktgewinn. Nämlich die Erkenntnis, dass
       diese Mannschaft mehr kann als nur sehr konsequent zu verteidigen. In den
       vergangenen Monaten waren diesbezüglich Zweifel aufgekommen. In den meisten
       Spielen war der SC auf Spielkontrolle und defensive Stabilität bedacht,
       vermied aber offensiv jedes Risiko.
       
       Genau das scheint man in den vergangenen Tagen allerdings hinterfragt zu
       haben, verriet Kapitän Christian Günter: „Wir sind sehr selbstkritisch
       gewesen. Es ist unser Ziel, dass wir fußballerisch einen Schritt nach vorne
       machen. Und jetzt konnten wir auch wirklich mal intensiv trainieren.“ Auch
       Vincenzo Grifo wirkte regelrecht beglückt über den „Ansatz, den wir haben
       wollen“ und der „uns in der jüngeren Vergangenheit nicht so oft gelungen
       ist.“
       
       Tatsächlich bestreitet der Sportclub, der noch in drei Wettbewerben
       mitwirkt, ja seit Monaten oft ebenso unaufgeregt wie erfolgreich alle paar
       Tage ein Pflichtspiel und verbringt fast so viel Zeit auf Flughäfen wie
       beim Training. Bei einem Verein, der schon zu [3][Christian Streichs]
       Zeiten („Übsch, übsch, übsch“) an die Steuerbarkeit der Dinge glaubte, mag
       das zumindest ein Grund für die erstaunliche Metamorphose dieser Mannschaft
       vom Hochsicherheits-Kollektiv zur berauschten Equipe sein: Seit Mitte
       Februar gab es viel Zeit zum Üben.
       
       Gegen Leverkusen gelangen jedenfalls immer wieder frühe Balleroberungen.
       Und dann ging's los. Die Offensiven ließen den Ball zirkulieren und hatten
       dabei auch tatsächlich den gegnerischen Strafraum als Ziel ihrer Bemühungen
       im Visier. Grifo, Niklas Beste oder Yuito Suzuki sind ja nicht die einzigen
       ballsicheren SC-Spieler in der in dieser Hinsicht gut aufgestellten
       Mannschaft, die es eigentlich als Qual empfinden müssten, so oft wie in der
       Vergangenheit rein defensiv denken zu müssen.
       
       Am Samstag wurden sie losgelassen. Das 1:0 durch Grifo war entsprechend
       schön herausgespielt (34.), das zweite das Ergebnis eines brillanten
       Spielzuges, den Suzuki zum 2:1 nutzte, weil Matanovic die Hereingabe von
       Niklas Beste mit viel Übersicht durchließ (43.). „Das zweite Tor war sehr
       besonders“, fand auch Trainer Schuster. Es habe ihm imponiert. „wie wir es
       schaffen von hinten nach vorne durchzuspielen und das zu veredeln.“ Der
       Kopfball von Matthias Ginter (86.) egalisierte dann in der starken
       Freiburger Schlussphase die Leverkusener Treffer durch Christian Kofane
       (37.), Alejandro Grimaldo (45.+3) und Martin Terrier (52.). Freiburgs
       Keeper Noah Atubolo hatte sich vor Grimaldos Freistoßtreffer ins lange Eck
       gestellt und das kurze dem Rechtsverteidiger Philipp Treu überlassen. Der
       wiederum rannte vor der Ausführung von der Torlinie zur Mauer und wieder
       zurück. Ehe der Ball direkt über ihm einschlug, weil der Versuch, Grimaldo
       zu irritieren, eher den eigenen Torwart verunsichert hatte.
       
       Um den kuriosen Gegentreffer ging es nach dem Spiel aber nur kurz, und auch
       die Generalkritik des rätselhafterweise gelbverwarnten Grimaldo an den
       hiesigen Referees („Diese Schiedsrichter sind wirklich schlecht“) hallte
       nicht wirklich nach. Wie auch, wo doch auf der anderen Seite Grifo, dieser
       „tolle Typ und Teamplayer“ (Kapitän Günter) endlich sein 105.
       Pflichtspieltor für den SC erzielt und damit mit Nils Petersen
       gleichgezogen hatte.
       
       Dass die 104 Treffer zuvor plangemäßer zustande gekommen waren, gab er
       gerne zu: „Ich habe es mit links probiert, dann stand mein anderer Fuß im
       Weg, nur so konnte sich der Ball über den Torwart senken und reingehen“,
       berichtete der Jubilar, dessen Nase sich immer ein wenig kräuselt, wenn er
       schelmisch wird. Vollkommen glatt war die Nasenhaut indes bei der
       Botschaft, die er nach diesem tollen Spiel dann doch noch loswerden wollte:
       „Wir können jeder Mannschaft wehtun, wenn wir wie heute alles raushauen.“
       
       8 Mar 2026
       
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