# taz.de -- Feuerpause im Irankrieg: Vor der nächsten Kriegsrunde?
       
       > Zunächst bis Mittwoch gilt die Waffenruhe im Irankrieg. Sie hat vor allem
       > dazu gedient, Kapazitäten aufzufüllen. Noch ist offen, ob sie verlängert
       > wird.
       
 (IMG) Bild: Trump ist der Gegner – nicht nur im imaginierten Boxkampf auf einem Banner während einer pro-Regierungs-Demonstration in Teheran Mitte April
       
       Die Uhr ist fast abgelaufen. Am Mittwoch sind zwei Wochen vergangen,
       seitdem die von US-Präsident Donald Trump ausgerufene zweiwöchige
       Waffenruhe im Irankrieg begonnen hat. Pünktlich dazu sollte eigentlich die
       nächste Runde der Verhandlungen zwischen den USA und Iran in Pakistan
       beginnen. Doch ob die tatsächlich stattfinden werden, ist – einen Tag vor
       dem Stichtag – noch immer unklar.
       
       Am Dienstagmittag hatten verschiedene Medien berichtet, Vizepräsident J. D.
       Vance habe sich nun auf den Weg gemacht, zusammen mit den Beratern Steve
       Witkoff und Jared Kushner. Iran ließ am Montag verlauten, es sei noch keine
       Entscheidung bezüglich einer Teilnahme an den Gesprächen getroffen worden.
       Laut einem Bericht des Portals Axios habe man in Washington den ganzen
       Montag über auf ein eindeutiges Signal aus Teheran gewartet. Am Dienstag
       bestätigten iranische Medien, noch hätte keine Delegation das Land
       verlassen.
       
       Das Hin und Her in Teheran ist ein Indikator für die Spaltung in der
       iranischen Führungsriege. In der Vergangenheit hatte letztlich der Oberste
       Führer, also Ali Chamenei, die Zügel in der Hand. Nach seinem Tod durch
       einen US-israelischen Luftangriff wurde sein Sohn Modschtaba zum Nachfolger
       berufen. Doch in der Öffentlichkeit aufgetreten ist der bisher nicht, die
       Gerüchteküche kocht: Er soll schwer verletzt sein, vielleicht sogar bereits
       tot.
       
       ## Hardliner gegen Parlamentssprecher
       
       Wer hat also das Sagen in Iran? Da gibt es einmal [1][Mohammad Bagher
       Ghalibaf, Parlamentssprecher], ehemaliger Bürgermeister von Teheran,
       Ex-Polizeichef. Er hatte am vorvergangenen Wochenende in Pakistan
       mitverhandelt, als Teil einer über-70-köpfigen Delegation. Doch Berichten
       zufolge hatten die Verhandler keine echten Entscheidungskompetenzen.
       Stattdessen übermittelten sie das Besprochene nach Teheran.
       
       Die Konflikte innerhalb der iranischen Führungsriege sind unübersehbar: Da
       gibt es einmal den Hardcore-Flügel der Revolutionsgarden. Zu diesen gehören
       der Anführer der Revolutionsgarden, General Ahmad Wahidi, und der
       [2][Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats, Mohammad Bagher
       Zolghadr]. Berichten zufolge sind sie in einen offenen Konflikt mit
       Parlamentssprecher Mohammad Ghalibaf getreten, manche Analysten sprechen
       sogar von einem Putsch.
       
       Teils wird das öffentlich ausgetragen: So warfen die Hardliner Ghalibaf
       jüngst vor, aufgrund der Gespräche mit den USA ein Verräter zu sein. Dieser
       Backlash veranlasste Ghalibaf dazu, ein längeres Interview im staatlichen
       Fernsehen zu geben. In diesem brach er eine Lanze für die Verhandlungen.
       Iran International zitiert ihn so: Diplomatie sei weder „ein Rückzug von
       den Forderungen des Iran noch losgelöst vom Kampfgeschehen, sondern ein
       Weg, militärische Erfolge zu festigen und sie in politische Ergebnisse und
       dauerhaften Frieden umzusetzen“.
       
       Der Flügel der Hardliner setzt hingegen auf eine Rückkehr zum Krieg. Und
       die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Waffenruhe eben ohne eine
       Verlängerung endet, ist groß.
       
       ## Verhandlungen unter großem Druck
       
       Denn selbst wenn Verhandlungen stattfinden: Die Differenzen zwischen Iran
       und den USA sind gigantisch, daran konnte auch die letzte Verhandlungsrunde
       nichts ändern. Vorschläge seitens Iran, eine zehnjährige Pause bei der
       Anreicherung von Uran einzulegen, wären nichts als eine Rückkehr zu eben
       jenem Atomdeal, den US-Präsident Trump in seiner ersten Amtszeit
       aufgekündigt hatte.
       
       Eine solche Lösung läge weder im Interesse der arabischen Golfstaaten noch
       der Weltwirtschaft. Denn Iran hat in diesem Krieg eine Trumpf-Karte
       gezückt: die Blockade der [3][Meerenge von Hormus]. Und die wirkt. [4][Die
       Preise für Öl und Gas sind deutlich angestiegen,] noch immer hängen
       hunderte Schiffe im Persischen Golf fest. Und Teheran hat wiederholt
       verlauten lassen, dass es diese Kontrolle über den Seeweg in den Persischen
       Golf hinein nicht mehr aufgeben wolle. Verschiedene Golfstaaten hatten
       wiederholt erklärt, dass dafür eine „allumfassende“ Lösung gefunden werden
       müsse.
       
       Dazu gehören wohl auch die Proxies Irans – also die Milizen, welche die
       Islamische Republik in diversen arabischen Staaten unterhält. Etwa die
       Hisbollah im Libanon oder Ansar Allah („Huthis“ genannt) im Jemen. Mit
       letzteren hatten sich Saudi-Arabien und die Emirate ab 2015 erbitterte
       Kämpfe geliefert. Dass diese Proxy-Milizen im Atomabkommen, das unter dem
       damaligen Präsidenten Barack Obama ausgehandelt worden war, keine Rolle
       spielte, war stets ein großer Kritikpunkt seitens der Golfstaaten.
       
       Iran wurde von den arabischen Golfländern so betrachtet wie Russland lange
       in Europa: ein schwieriger Nachbar, mit dem man sich aber irgendwie
       arrangieren muss. Mit dem Beginn des Krieges und der Blockade der Straße
       von Hormus ist das Pflaster ab.
       
       ## Beide Seiten rüsten wieder auf
       
       Ein Hinweis darauf, dass sich die USA auf eine Fortführung des Krieges
       einstellen, sind wohl auch die anhaltenden Lieferungen von Waffen, Personal
       und Militärequipment in die Region. Die USA verlegten Berichten zufolge
       Raketenabwehrsysteme und Flugzeuge. Ein zusätzlicher US-Flugzeugträger, die
       USS Bush, ist ebenfalls auf dem Weg.
       
       Der Flugzeugträger USS Ford wurde derweil ins Rote Meer verlegt. Denn dort
       könnte – wenn der Krieg nun wieder beginnt – die nächste Front eröffnet
       werden. Die im Westen des Jemen ansässige Huthi-Miliz hatte bereits damit
       gedroht, die Zufahrt zum Roten Meer – die Bab-el-Mendeb-Straße – im Fall
       der Fälle schließen zu wollen. Wie Iran an der Straße von Hormus droht sie
       mit Beschuss der Schifffahrt.
       
       Und auch Iran bereitet sich vor: Nach eigener Aussage arbeite man daran,
       etwa die Raketenabschussrampen wieder auszubauen, mit höherer
       Geschwindigkeit als vor dem Krieg. Nach Berichten von
       US-Nachrichtendiensten habe Iran weiter Zugang zu 60 Prozent seiner
       Raketenabschussrampen. Eine gewisse Lufthoheit hatten die USA und Israel
       zuletzt dennoch erreicht.
       
       Dass die Waffenruhe beiden Seiten vor allem dazu dient, erschöpfte
       Kapazitäten aufzufüllen und die nächste Kriegsrunde vorzubereiten, stand
       immer im Raum. Am Mittwoch könnte sich zeigen, ob diese Analyse korrekt
       ist.
       
       21 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Verhandlungen-zwischen-USA-und-Iran/!6169463
 (DIR) [2] /Neue-Personalie-in-Iran/!6166120
 (DIR) [3] /Blockade-der-Strasse-von-Hormus/!6171113
 (DIR) [4] /Oekonom-ueber-hohe-Energiepreise/!6168140
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lisa Schneider
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Straße von Hormus
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Huthi-Rebellen
 (DIR) Iranische Revolutionsgarden
 (DIR) Donald Trump
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Libanon-Krieg
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) +++ Nachrichten im Irankrieg +++: Staatsmedien: Drohnen waren Grund für Aktivierung der Luftabwehr
       
       Am Donnerstagabend meldeten Staatsmedien Explosionen in der iranischen
       Hauptstadt. Laut einer iranischen Agentur wurde der Luftalarm durch Drohnen
       ausgelöst.
       
 (DIR) Iran und USA: Wer blinzelt zuerst?
       
       Offiziell gilt die Waffenruhe, laut Berichten fallen in der Straße von
       Hormus aber Schüsse. Die US-Blockade trifft derweil nicht nur Iran
       kritisch.
       
 (DIR) +++ Nachrichten im Irankrieg +++: Iran beschießt drei Schiffe in der Straße von Hormus
       
       Trotz der Verlängerung der Waffenruhe durch Trump verschärft sich die Lage
       in der Straße von Hormus. Keine Mehrheit in EU für Aussetzung des
       EU-Israel-Abkommens.
       
 (DIR) Machtkampf in Iran: Von der Islamischen Republik zur Diktatur der Garden
       
       Wer hat das Sagen in Iran? Der Konflikt zwischen den Hardlinern der
       Revolutionsgarden und der politischen Führung wird auch öffentlich
       ausgetragen.
       
 (DIR) Rückkehr in den Südlibanon: „Wir sind wie Zugvögel geworden“
       
       Hunderttausende nutzen die temporäre Waffenruhe, um in den Südlibanon
       zurückzukehren. Doch manche Dörfer bleiben von Israel besetzt. Und die Uhr
       tickt.
       
 (DIR) Ökonom über hohe Energiepreise: „Die Spritnachfrage klug verringern“
       
       Der Irankrieg treibt die Energiepreise in die Höhe. Der Ökonom Gregor
       Semieniuk hat ein paar mehr Ideen zur Krisenbewältigung als die
       Bundesregierung.