# taz.de -- Immer mehr möblierte Wohnungen: Mieter hassen diesen Vermietertrick
       
       > Bei der Suche nach einer Mietwohnung in Deutschland ist die Konkurrenz
       > groß, das reguläre Mietangebot sinkt. Viele Inserate haben für Mieter
       > einen Haken.
       
 (IMG) Bild: Mit möblierten Wohnungen wie dieser umgehen die Vermieter die Mietpreisbremse
       
       dpa | Mehr möblierte Wohnungen, weniger reguläre Mietangebote: Wer in
       deutschen Städten eine Wohnung sucht, trifft bei Inseraten auf üblichen
       Immobilienportalen zunehmend auf starke Einschränkungen. Das zeigen Daten
       des Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW), das regelmäßig den Mietindex
       GREIX herausgibt.
       
       Demnach ist die [1][Zahl der regulären Mietangebote] in den untersuchten 37
       deutschen Städten und Regionen, darunter die 30 bevölkerungsreichsten
       Städte, seit 2015 um 22 Prozent auf 285.000 gefallen. Teils sehe man sogar
       eine Halbierung: „In einzelnen Städten wie Münster oder Potsdam beträgt der
       Rückgang gegenüber 2015 sogar 50 bis 55 Prozent“, so die Forscher.
       
       ## „Konditionen, die vor zehn Jahren eine Ausnahme waren“
       
       Stark wachse dagegen das Segment möblierter, unbefristeter Mietwohnungen,
       wenn auch von niedrigem Niveau aus. In den acht größten deutschen Städten,
       [2][darunter Berlin,] [3][Hamburg] und München, stieg demnach die
       durchschnittliche Zahl solcher Inserate von rund 7.500 im Jahr 2015 auf
       rund 23.000 im vergangenen Jahr. Im gesamten GREIX-Index wuchs das Segment
       von etwa 12.000 auf 37.000 Inserate. Gegenüber 2015 sei das in beiden
       Fällen ein Anstieg von mehr als 200 Prozent.
       
       Der Mietmarkt verändere sich strukturell, sagt Jonas Zdrzalek,
       Projektleiter des GREIX am IfW in Kiel. „Reguläre Inserate sind seit 2015
       um über ein Fünftel zurückgegangen, während möblierte unbefristete Angebote
       sich in den Metropolen mehr als verdreifacht haben. Wer heute in einer
       Großstadt über die gängigen Plattformen eine Wohnung sucht, trifft
       zunehmend auf Konditionen, die vor zehn Jahren noch eine Ausnahme waren.“
       
       Das Segment Wohnen auf Zeit – befristete, meist möblierte Angebote – ist
       laut IfW ab 2015 ebenfalls deutlich gewachsen, seit 2018 sei der Anstieg
       aber abgeebbt: Seither sei die Zahl solcher Inserate um 8,4 Prozent in den
       acht Metropolen und 7,1 Prozent im gesamten GREIX-Index gestiegen.
       
       Insgesamt dominierten reguläre Mietangebote zwar, bilanziert das IfW. Ihr
       Anteil liege bei 73 Prozent im gesamten GREIX und 63 Prozent in den
       Top-8-Städten, er sinke aber kontinuierlich. Für den GREIX-Index werden
       Angebote von mehr als 100 Immobilienportalen und Maklerwebsites gebündelt
       und pro Quartal über 60.000 Inserate analysiert.
       
       ## Politik will reagieren
       
       Möblierte Mietwohnungen stehen in der Kritik. Die Praxis, dass möblierte
       Wohnungen für mehrere Monate oder ein Jahr vermietet werden, nimmt etwa in
       Berlin laut Mieterverbänden und anderen Experten zu, weil Vermieter damit
       die Mietpreisbremse und andere Regeln umgehen können – so sind höhere
       Profite möglich. Im gesamten deutschen Markt schätzte das Ifo-Institut
       allerdings jüngst den Anteil der befristet vermieteten möblierten Wohnungen
       auf höchstens 0,8 Prozent.
       
       Die Bedeutung der möblierten Vermietung auf Zeit werde häufig überschätzt,
       „weil Wohnungen, die zeitlich begrenzt vermietet werden, häufiger inseriert
       werden als dauerhaft mietbare Wohnungen“. Außerdem sei, anders als bei
       Wohnraum zur langfristigen Vermietung, die häufig ohne Inserat vermietet
       würden, davon auszugehen, dass der Offline-Markt in diesem speziellen
       Segment gering sei, betonte das Ifo-Institut.
       
       Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) will auf Zeit vermietete
       möblierte Wohnungen stärker regulieren. Hubigs Pläne sehen bei der
       Vermietung zum vorübergehenden Gebrauch eine Höchstgrenze von sechs Monaten
       vor. Zudem soll der Möblierungszuschlag als angemessen gelten, wenn er bei
       voll ausgestattetem Wohnraum fünf Prozent der Nettokaltmiete nicht
       übersteigt.
       
       ## Mietanstieg etwas schwächer
       
       In Sachen Mieten beobachtet das IfW insgesamt eine Abschwächung der
       jüngsten Anstiege. Im ersten Quartal legten die Angebotsmieten im
       Bundesschnitt laut GREIX-Index nominal um 0,5 Prozent gegenüber dem
       Vorquartal zu. Zum Vorjahresquartal stand ein Plus von 2,9 Prozent. „Das
       ist die niedrigste nominale Jahreswachstumsrate seit dem vierten Quartal
       2021“, hieß es. Im vierten Quartal waren die Mieten im Greix-Index noch um
       4,5 Prozent gestiegen, doppelt so stark wie die Inflation damals.
       
       20 Apr 2026
       
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