# taz.de -- NSDAP-Mitgliederkartei: Parteilose Mörder
> Es ist wichtig, dass die NSDAP-Kartei jetzt digital zugänglich ist. Das
> Problem ist aber: Viele Täter waren gar nicht Mitglied der Nazi-Partei.
(IMG) Bild: Wer war damals schon dabei? Veranstaltung der NSDAP mit dem Führer in Berlin im Februar 1933
War Opa ein Nazi? Die Frage beschäftigt derzeit viele Leute. Das
[1][US-Nationalarchiv, das die NSDAP-Mitgliederkartei (fast) vollständig
verwahrt und nun digital zugänglich gemacht hat], verzeichnet seit dem
Start bereits über 1,5 Millionen Aufrufe. [2][Die Zeit bietet, begleitet
von einer großen Marketingkampagne, ein ähnliches Such-Tool an] – natürlich
hinter der Bezahlschranke, um mit Vergangenheitsbewältigung
fragwürdigerweise Geld verdienen zu können.
Zweifellos ist der einfache Zugang zur Nazi-Mitgliederkartei ein großer
Fortschritt. Lügen und Selbstbetrug lassen sich jetzt leicht entlarven. In
vielen deutschen Familien dürften Opa und Uropa, vereinzelt auch Oma und
Uroma, jetzt in anderem Licht erscheinen, denn nach 1945 war die
Beschönigung der eigenen Biografie Volkssport.
Eine Mitgliedschaft wurde geleugnet oder der Eintritt nach hinten verlegt,
weil als Faustregel galt: Je später der Eintritt erfolgte, desto kleiner
die eigene Überzeugung und desto größer der eigene Opportunismus. Und, so
die Lesart, sind wir nicht alle irgendwie Opportunisten?
So ganz falsch ist das mit Blick auf eine NSDAP-Mitgliedschaft nicht, und
genau das zeigt den Schwachpunkt der derzeitigen Kollektivrecherche auf:
Nicht jedes NSDAP-Mitglied war überzeugter Nazi, sondern Mitläufer, um etwa
den kleinen Beamtenposten zu retten.
Umgekehrt waren viele, die monströse Schuld auf sich geladen haben, nie
Mitglied: Da sind, nur als Beispiel, [3][die eigentlich unpolitischen
Polizeibataillone, die unter dem Dach der SS an der Ermordung von Tausenden
Juden, Polen und Russen „im Osten“ beteiligt waren]. „Ganz normale Männer“
waren das, wie der Historiker Christopher Browning schon vor über 30 Jahren
nachwies. Zu nennen sind auch jene ganz normalen Wehrmachtssoldaten, die
sich an Kriegsverbrechen und am Holocaust beteiligten.
Die Recherche in der NSDAP-Mitgliederkartei ist ein wichtiger Baustein, um
Licht in das Dunkel der Biografien der Vorfahren zu bringen. Um die Frage
von Schuld und Verstrickung umfassend zu beantworten, sind aber weitere
Familienrecherchen nötig – und der Blick dahin, wo es richtig wehtut.
21 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Digitalisierte-NSDAP-Akten/!6163716
(DIR) [2] https://www.zeit.de/2026/16/lebenslaufe-ns-zeit-nsdap-mitgliederkartei-us-nationalarchiv
(DIR) [3] /Ausstellung-zu-Polizei-und-Holocaust/!5590337
## AUTOREN
(DIR) Gunnar Hinck
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