# taz.de -- Erneuerbare Energien unter Trump: Größter Windpark der USA geht heimlich ans Netz
       
       > Keine große Feier, sondern eine leise Inbetriebnahme: Die USA haben einen
       > neuen größten Windpark – und das Trump zum Trotz.
       
 (IMG) Bild: Ein Arbeiter auf einem Windrad des Projekts SunZia in New Mexiko
       
       Es dauerte mehr als 20 Jahre, aber das größte erneuerbare Energieprojekt in
       der Geschichte der USA produziert seit Kurzem Strom. Die Inbetriebnahme des
       SunZia-Windparks im US-Bundesstaat New Mexico wurde jedoch nicht groß
       gefeiert, sondern geschah still und leise. Ob es daran liegt, dass mit
       US-Präsident Donald Trump ein erklärter Windkraftgegner im Weißen Haus
       sitzt, ist ungewiss.
       
       Die Trump-Regierung hat seit ihrem Amtsantritt im Januar 2025 die
       bundesstaatliche [1][Unterstützung für Windkraft kontinuierlich
       zurückgefahren]. So wurden neue Auflagen für die Genehmigung von
       Windanlagen erlassen und bisherige Steuerrabatte eliminiert. Die Industrie
       versucht deshalb große Schlagzeilen zu vermeiden.
       
       Es dürfte daher ein Zeichen der Zeit sein, dass weder die Besitzer des
       Windparks noch der kalifornische Stromnetzbetreiber, an den der Strom aus
       den Windturbinen fließt, den Beginn der Stromerzeugung öffentlich gemacht
       hatte. Das Stromnetz Analyse-Portal GridStatus berichtete als Erstes über
       den Start der Produktion. Die Analysten des Portals wunderten sich, wie es
       dem kalifornischen Netzbetreiber Caiso in der vergangenen Woche gelungen
       war, seinen bisherigen Rekord für Windkraft um fast 500 Megawatt zu
       überbieten. „Der starke Anstieg legt nahe, dass hier SunZia in Betrieb
       gegangen ist“, erklärte Abby Lestina, Analystin bei GridStatus.
       
       Der SunZia-Windpark soll sich laut Medienberichten derzeit in der Testphase
       befinden. Wann genau der kommerzielle Start der insgesamt 916 Turbinen
       erfolgen soll, ist nicht bekannt, das Nachrichtenportal E&E News berichtet
       jedoch, dass damit noch in diesem Quartal zu rechnen sei.
       
       Der Windpark hat eine Kapazität von 3,5 Gigawatt und könnte somit Strom für
       mehr als 1 Million Haushalte erzeugen. Obwohl der Windpark in New Mexico
       steht, sorgt eine fast 900 Kilometer lange Hochspannungsleitung dafür, dass
       der Strom bei Kunden in Kalifornien und Arizona aus der Steckdose kommt.
       
       ## 20 Jahre und 10 Milliarden Dollar
       
       Das Projekt wurde ursprünglich bereits 2006 vorgeschlagen. Bürokratische
       Hürden und mehrere Klagen haben das 10-Milliarden-Dollar-Projekt immer
       wieder verzögert. „Zwanzig Jahre Planung und endlose Rechtsstreitigkeiten
       ergeben schließlich keine sonderlich fesselnde Geschichte, doch es sollte
       nicht Jahrzehnte und Millionen von Dollar an Rechtskosten erfordern – wie
       im Fall von SunZia –, um große Mengen sauberer Energie ins Netz
       einzuspeisen“, erklärte Phil Aroneau, ein ehemaliger strategischer Berater
       im US-Energieministerium, in einem Post.
       
       Aroneau, der mittlerweile bei Climate United, einem New Yorker
       Investmentfonds für erneuerbare Energieprojekte arbeitet, fügte hinzu, dass
       die aktuelle geopolitische Lage auf den Ausbau von Solar- oder Windkraft
       weiter vorantreiben könnte.
       
       „Angesichts steigender Energiekosten, einer Inflation, die in die falsche
       Richtung läuft, und Familien sowie Unternehmen, die zunehmend unter Druck
       geraten, scheint selbst das großspurige Getöse der Regierung [bezüglich
       Windkraft] etwas abgeebbt zu sein“, sagte er.
       
       SunZia ist mit 3,5 Gigawatt mehr als dreimal so groß wie der bisherige
       Rekordhalter in den USA. Ein ähnlich großes Windprojekt wie SunZia ist für
       Wyoming geplant. Dieses Projekt soll noch vor dem Ende des Jahrzehnts
       fertiggestellt werden und ebenfalls kalifornischen Netzkunden zugutekommen.
       
       ## Moratorium sorgt für Verunsicherung
       
       Ein von der Trump-Regierung erlassenes Moratorium auf geplante und sich
       bereits im Bau befindliche Windkraftprojekte hatte im vergangenen Jahr für
       große Verunsicherung in der Branche gesorgt. Doch die Gegenwehr der
       Regierung scheint etwas abzuflauen. Erst vergangene Woche verzichtete das
       Justizministerium darauf, nach einem Urteil zugunsten mehrerer Windprojekte
       Einspruch einzulegen.
       
       Trotz Präsident Trumps [2][„Drill, Baby, Drill“-Agenda], die vor allem den
       Abbau von fossilen Brennstoffen wie Öl oder Erdgas vorantreiben soll, haben
       die USA im vergangenen Jahr ihre Kapazität im Bereich der erneuerbaren
       Energien deutlich gesteigert. Knapp 88 Prozent aller neuen
       Produktionskapazitäten waren im vergangenen Jahr Solar- oder Windenergie
       
       Auch in diesem Jahr soll der Trend weiter fortgesetzt werden, die
       offizielle Energieinformationsbehörde (EIA) der USA geht davon aus, dass
       mehr als zwei Drittel aller neuen Kapazitäten aus sauberen Energien
       gewonnen werden.
       
       20 Apr 2026
       
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