# taz.de -- Eva Michelmann: Journalistin offenbar in syrischer Isolationshaft
> Die seit 3 Monaten verschwundene Journalistin Eva Michelmann ist laut
> Augenzeugen in Aleppo im Gefängnis. Die Familie und ihr Anwalt drängen
> auf politischen Beistand.
(IMG) Bild: Vor ihrem Verschwinden: Michelmann berichtete jahrelang aus Nordsyrien und Rojava
Drei Monate nach ihrem Verschwinden gibt es erste Lebenszeichen von der
vermissten Journalistin Eva Michelmann. Nach Informationen ihrer Familie
befindet sie sich in einem Gefängnis in der syrischen Stadt Aleppo. Auch
der mit ihr verschleppte kurdische Journalist Ahmet Polat sei dort gesehen
worden, hieß es in einer Pressemitteilung von Roland Meister, der die
Familie von Michelmann anwaltschaftlich betreut.
[1][Augenzeugenberichten zufolge waren Michelmann und Polat nach der
Festnahme am 18. Januar in der syrischen Stadt Raqqa in ein Militärfahrzeug
gebracht worden], das Verbänden der syrischen Übergangsregierung
zugerechnet wurde. Bei der Offensive waren auch Hunderte andere Menschen
von den Milizen gefangen genommen worden.
Weil die Kontakte zu den von der syrischen Übergangsregierung eroberten
Gebieten abgebrochen waren, wurde das Verschwinden der beiden
Journalist*innen erst Wochen später bekannt. Angehörige und
Freund*innen organisieren eine öffentliche Kampagne, um Auskunft über den
Aufenthaltsort von Michelmann und Polat zu bekommen [2][(taz berichtete).]
Freigelassene Kämpfer*innen der kurdischen Selbstverwaltung SDF
erklärten, dass sie [3][in Aleppo] in demselben Gefängnis wie Michelmann
und Polat waren. In einem Video im Besitz von Rechtsanwalt Roland Meister
erklärt ein freigelassener SDF-Kämpfer, dass noch 40 Frauen in dem
Gefängnis sind, darunter eine deutsche Journalistin.
## Michelmanns Bruder ist erleichtert
Der Zeuge berichtet in der Videoaufnahme auch von Misshandlungen und
Hunger, denen die Gefangenen in der Haft ausgesetzt waren. Erleichtert
zeigte sich Antonius Michelmann, der Bruder der Journalistin, im Gespräch
mit der taz. „Wir konnten den Aufenthaltsort der beiden Journalisten
aufklären – trotz menschenrechtswidriger Isolationshaft und Verleugnung
durch das syrische Regime“, erklärte er. Doch er äußerte auch Sorge, weil
seine Schwester und ihr Kollege weiterhin den äußerst rigiden
Haftbedingungen ausgesetzt sind. „Wir werden die gemeinsamen Bemühungen von
Familie und Freund*innen darauf konzentrieren, Kontakt herzustellen und
Kräfte für die Befreiung der Journalisten Ahmet und Eva zu mobilisieren“,
benennt er die wichtigsten Aufgaben.
Von der Bundesregierung und dem Auswärtigen Amt fordert Michelmann die
Kontaktaufnahme, um den Besuch und die Freilassung von Michelmann zu
erwirken. Dieser Forderung schließt sich auch Rechtsanwalt Roland Meister
an. Er spricht „von einem steinigen Weg bis zur Freilassung von Michelmann
und Polat“. Denn offiziell behauptet die syrische Regierung noch immer,
dass sie keine Kenntnis vom Verbleib der beiden Journalist*innen habe.
Michelmanns Verschwinden soll auch Thema beim Treffen von Bundeskanzler
Merz und dem neuen syrischen Machthaber Ahmed al-Scharaa Ende März in
Berlin gewesen sein. Offizielle Informationen dazu gibt es nicht. Für
Roland Meister ist angesichts der vorliegenden Beweise jedoch nicht mehr
haltbar, dass die syrische Regierung nichts mit dem Verschwinden von der
Journalist*innen zu tun hat. Noch härter ist die Kritik von Antonius
Michelmann: „Ich habe absolut kein Verständnis dafür, dass mit so einem
Regime eine Hunderte Millionen Euro schwere Zusammenarbeit aus Deutschland
und der EU stattfindet und sogar dorthin abgeschoben werden soll“, erklärte
er der taz.
21 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Peter Nowak
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