# taz.de -- Auszählung in Peru: Wahlkrimi mit Überlänge
       
       > In Peru ist auch eine Woche nach der Präsidentschaftswahl der Kampf um
       > den zweiten Platz in der Stichwahl nicht entschieden. Es kann noch
       > dauern.
       
 (IMG) Bild: Es bleibt spannend: Keiko Fujimori, Kandidatin der Partei Fuerza Popular, muss in die Stichwahl um das Präsidentenamt
       
       Auch eine Woche nach dem [1][Wahltag] wissen die Peruaner:innen noch
       nicht, wer gegen die Siegerin Keiko Fujimori in der Stichwahl am 7. Juni
       antreten wird. Bei 93,5 Prozent der ausgezählten Wahlzettel trennen nur
       14.000 Stimmen den Zweitplatzierten, den Linken Roberto Sánchez, vom
       ultrakonservativen Rafael López Aliaga. Bis die von den Parteien
       angefochtenen Wahlzettel endgültig beschieden werden, kann es Mitte Mai
       werden, so das Oberste Wahlgericht.
       
       Es waren die kompliziertesten Wahlen in der jüngsten Geschichte Perus: 35
       Peruaner, darunter nur vier Frauen, bewarben sich um das höchste Amt im
       Staat, dazu Kandidaten jeder Partei für Kongress, Senat und das Andine
       Parlament. Das alles auf einem einzigen Wahlzettel, der die Größe einer
       Familienpizza hatte.
       
       Auch die Wahlbehörde ONPE kam an ihre organisatorischen Grenzen.
       Wahlunterlagen kamen spät oder gar nicht ans Ziel. Ein Subunternehmer in
       Lima hatte das ihm zugedachte Material gar nicht erst ausgefahren. In vier
       Wahllokalen wählten die Bürger deshalb erst am Montag, als bereits die
       ersten Auszählungsergebnisse im Fernsehen liefen.
       
       Es sei dennoch alles mit rechten Dingen zugegangen, beschied die
       Wahlbeobachtungskommission der Europäischen Union. Sie bemängelte
       Verzögerungen, fand jedoch keine Anhaltspunkte für Manipulationen oder
       Betrug.
       
       ## Trump-Verschnitt versus ländliches Peru
       
       Ganz anders Rafael López Aliaga, von allen „Porky“, Schweinchen, genannt,
       ob seines rosig-rundlichen Gesichts. Der peruanische
       Donald-Trump-Verschnitt war bis vor kurzem Bürgermeister von Lima und ist
       der Kandidat der Mittel- und Oberschicht der Hauptstadt.
       
       Noch am Wahltag beschwor er einen Wahlbetrug und setzte eine Belohnung aus
       von umgerechnet 5.000 Euro für Mitarbeitende der Wahlbehörde, die einen
       manipulierten oder ungenügenden Wahlzettel melden. Seine Anhänger
       protestieren fast täglich „für die Demokratie“, fordern Neuwahlen in Lima
       und die Abberufung des Leiters der Wahlbehörde, Piero Corvetto.
       
       Roberto Sánchez dagegen repräsentiert das ländliche und indigene Peru. Der
       studierte Psychologe aus einer kleinen Küstenstadt war die letzten fünf
       Jahre Kongressabgeordneter der Partei des abgesetzten Präsidenten [2][Pedro
       Castillo]. Dieser, ein Dorfschullehrer und Gewerkschafter, hatte vor fünf
       Jahren überraschend gegen Keiko Fujimori gewonnen.
       
       Nach eineinhalb eher glücklosen Jahren im Amt wollte Castillo den
       oppositionellen Kongress verfassungswidrig auflösen – [3][stattdessen wurde
       er selbst abgesetzt]. Roberto Sanchez inszenierte sich als Gesandter
       Castillos, tourte, mit dem Bauernhut Castillos auf dem Kopf, durch das Land
       und sammelte dessen Stimmen ein.
       
       ## Fujimoris Gegner sind so überzeugt wie ihre Anhänger
       
       Während Sánchez und López Aliaga die so gegensätzlichen Welten Perus
       repräsentieren, hat [4][Keiko Fujimori] sowohl in der Stadt als auch in
       ländlichen Gebieten Anhänger. Sie sieht sich in der Tradition ihres Vaters,
       [5][des verstorbenen Alberto Fujimori], der Peru in den 1990er-Jahren mit
       harter Hand, Menschenrechtsverletzungen und Korruption regierte, der den
       Neoliberalismus in die Verfassung schreiben ließ – in dessen Amtszeit aber
       auch Straßen und Schulen gebaut wurden, weswegen er immer noch von einem
       Teil der ländlichen Bevölkerung positiv gesehen wird.
       
       Keiko Fujimori ist zum vierten Mal in einer Stichwahl. Bisher hat sie jedes
       Mal verloren, weil sie zwar eingefleischte Anhänger, aber noch erbittertere
       Gegner hat. Die Anti-Fujimori-Front reicht bis weit ins bürgerliche Lager
       hinein und hat bisher ihren Wahlsieg verhindert. Ob diese Front bei der
       Stichwahl am 7. Juni immer noch hält, hängt auch davon ab, gegen wen sie
       antreten wird.
       
       Ein Lichtblick ist aller Voraussicht nach der kommende Kongress und der
       wieder neu eingesetzte Senat.
       
       Der jetzige Kongress ist in der Bevölkerung noch unbeliebter als die
       jeweils wechselnden Präsidenten. Wechselnde Allianzen in einem
       fragmentierten Kongress hatten die letzten Präsidenten Perus zum Spielball
       von Parlamentariern gemacht, die vor allem auf ihren eigenen kurzfristigen
       Vorteil schielten.
       
       Im neuen Kongress und Senat, der am 28. Juli sein Amt antritt, sind dank
       neuer Wahlhürden nur noch sechs bzw. sieben Parteien vertreten. Zwar wird
       Fujimoris Fuerza Popular weiterhin die meisten Abgeordneten stellen,
       gefolgt von Sanchez’ Juntos por el Perú. Doch keine der beiden Parteien
       verfügt über eine Mehrheit, und mit den zwei neuen Mitte-links-Parteien
       Buen Gobierno und Ahora Nacion ziehen neue Kräfte ins Parlament ein.
       
       20 Apr 2026
       
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 (DIR) Hildegard Willer
       
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