# taz.de -- Konferenz der progressiven Parteien: Linke unter sich in Barcelona
       
       > Progressive und Sozialdemokraten kommen zu einer Konferenz zusammen und
       > beschwören ihre Gemeinsamkeiten. Klingbeil sieht in Sánchez ein Vorbild.
       
 (IMG) Bild: Lars Klingbeil richtet seinen Blick auf Sánchez: Könnte er von dem Shootingstar der Linken gar etwas lernen?
       
       Pedro Sánchez will das Treffen als einen Wendepunkt verstanden wissen: In
       Barcelona sind am Wochenende Regierungschefs, Minister und Vertreter
       fortschrittlicher Parteien zusammengekommen, um – wie sie es nannten – „die
       Demokratie zu verteidigen“. Nicht weniger wollten der spanische
       Ministerpräsident und Brasiliens Staatschef Lula da Silva mit ihrer
       Einladung bezwecken, der auch Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) folgte.
       Da Silva reiste im Anschluss nach Deutschland weiter, wo er am Sonntagabend
       auch mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zusammentreffen sollte.
       
       „Wir werden uns weder ihrem Pessimismus noch ihrer Hoffnungslosigkeit
       anschließen. Wir werden die Idee verteidigen, dass eine bessere Welt
       möglich ist“, erklärte Sánchez, der der Sozialistischen Internationalen
       vorsteht und durch seine frühe Verurteilung des Gaza-Feldzuges von Israel
       [1][und seiner Haltung gegen Trumps Kriegspolitik international Anerkennung
       im linken Lager genießt.]
       
       Der international weitaus weniger bekannte deutsche Vizekanzler äußerte
       sich vorsichtiger. Er präsentierte unter anderem eine kleine
       Arbeitshypothese: Es sei darüber zu beraten, was die „progressiven
       Vertreterinnen und Vertreter tun können, um die Weltordnung zu stärken, und
       dafür zu sorgen, dass die Menschen gut durch diese Zeit kommen“. Und
       weiter: „Die extreme Rechte organisiert sich über die Grenzen hinaus, und
       wir müssen das Gleiche tun.“ Klingbeil bezeichnete Sánchez in seiner
       Ansprache in Barcelona als einen „wahren Anführer“.
       
       Etwa 5.000 Teilnehmer waren für die Konferenz angereist – darunter auch die
       Präsidentin Mexikos, Claudia Sheinbaum, ihr kolumbianischer Kollege Gustavo
       Petro, der südafrikanische Staatschef Cyril Ramaphosa und die irische
       Präsidentin Catherine Connolly. Auch EU-Ratspräsident António Costa, der
       Gouverneur des US-Staates Minnesota, Tim Walz, und Andreas Babler,
       Vizekanzler Österreichs und Vorsitzender der SPÖ, waren gekommen.
       
       ## Da Silva äußert Selbstkritik
       
       Ein klares Ziel ihrer Zusammenkunft: internationale Allianzen gegen das
       Gebaren von US-Präsident Donald Trump zu schmieden. Das fortschrittliche
       Lager müsse „nicht nur durchhalten, sondern Lösungen vorschlagen“, um die
       extreme Rechte auf ihrem weltweiten Vormarsch zu stoppen, sagte Sánchez.
       Das progressive Bündnis sei stolz darauf, „pazifistisch, umweltbewusst,
       gewerkschaftlich organisiert und feministisch“ zu sein.
       
       Dabei läuft Sánchez selbst Gefahr, bei kommenden Wahlen von einer Koalition
       aus Rechten und extremen Rechten abgelöst zu werden. Er warnte vor der
       „Aushöhlung“ der Demokratie und der internationalen, multilateralen Ordnung
       durch das internationale Lager um Trump.
       
       Der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa sprach sich für eine Reform
       der Vereinten Nationen aus. „Die Gesetze, die die internationalen
       Beziehungen regeln, werden verletzt, die Institutionen untergraben, die UNO
       ist ineffektiv, weil die Mitglieder des Sicherheitsrats selbst Gesetze und
       Rechte verletzen“, erklärte der Politiker des Afrikanischen
       Nationalkongresses (ANC).
       
       Die Vorsitzende der italienischen Demokratischen Partei, Elly Schlein,
       sagte mit Blick auf die Rechten: „Sie sind nicht unbesiegbar.“ Sie verwies
       auf die Wahlniederlagen von Viktor Orbán in Ungarn und Giorgia Meloni in
       Italien bei einem Referendum zur Justizreform. Das fortschrittliche Lager
       müsse die extreme Rechte bei Themen konfrontieren, in denen sie sich unwohl
       fühlen: bei sozialer Gerechtigkeit und Frieden.
       
       Co-Gastgeber Lula da Silva übte sich in diesem Zusammenhang in
       Selbstkritik. Er räumte ein, dass die Linke es nicht geschafft habe, das
       vorherrschende wirtschaftliche Denken zu überwinden – einen liberalen
       Konsens, der Wohlstand versprach, aber Hunger, Ungleichheit und
       Unsicherheit brachte. „Wir wurden Opfer unserer politischen Naivität“,
       sagte er über die progressiven Politiker der letzten Jahrzehnte: „Im
       Versuch, es der Wirtschaft recht zu machen, wurden wir letztendlich
       demoralisiert.“
       
       Die Äußerungen halten ihn dennoch nicht davon ab, am Sonntag zusammen mit
       Merz die Industriemesse in Hannover zu eröffnen, bei der Brasilien in
       diesem Jahr das Partnerland ist. Am Montag sollen zudem
       deutsch-brasilianische Regierungskonsultationen stattfinden, bei denen es
       um die Wirtschaftsbeziehungen und gemeinsame außenpolitische Bestrebungen
       gehen soll. [2][In einem Gastbeitrag für das Handelsblatt ] und den
       Tagesspiegel sprach sich da Silva für eine „strategische Partnerschaft“ mit
       Deutschland aus, die den Multilateralismus stärken solle.
       
       19 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Spanien-gegen-US-Angriff-auf-Iran/!6159756
 (DIR) [2] https://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/gastkommentar-warum-brasilien-jetzt-auf-deutschland-setzt/100217485.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Reiner Wandler
       
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