# taz.de -- Krieg zwischen Israel und Libanon: 10 Tage Waffenruhe im Libanon
       
       > Nach Beginn der Feuerpause am Donnerstag kehren Binnenvertriebene zurück
       > in den Südlibanon. Doch Israels Militär hat bereits angekündigt, dort
       > bleiben zu wollen.
       
 (IMG) Bild: Trotz unsicherer Lage kehren Binnenflüchtlinge zurück
       
       Vier Minuten nach Mitternacht gab es einen lauten, dumpfen Knall in Beirut,
       weitere folgten. Ab Mitternacht sollte eine Feuerpause gelten. Aufatmen
       dann, als die lokalen Nachrichtensender melden, Hisbollah-Anhänger hätten
       die Waffenruhe mit Schüssen in die Luft gefeiert.
       
       Die Lage in der Hauptstadt war angespannt, weil nach der letzten
       [1][Verkündung eines Waffenstillstands] am Mittwoch vergangener Woche das
       ganze Land innerhalb von zehn Minuten von 100 israelischen Bomben getroffen
       wurde. Dabei wurden laut libanesischem Gesundheitsministerium 357 Menschen
       getötet und 1.223 verletzt, darunter viele Frauen und Kinder.
       
       Eigentlich sollte der Waffenstillstand zwischen Iran und USA auch gelten –
       so hatte es Pakistan als Vermittler verkündet. Doch Netanjahu weigerte
       sich. Der Iran hat infolgedessen darauf bestanden, dass eine Waffenruhe im
       Libanon Bestandteil jedes dauerhaften Abkommens sein müsse.
       
       ## Historisches Treffen in Washington
       
       Auf Druck des Weißen Hauses [2][trafen sich am Dienstag Israels Botschafter
       in den USA und sein libanesischer Counterpart in Washington]. Es waren die
       ersten direkten diplomatischen Gespräche seit Jahrzehnten. Libanon forderte
       als Bedingung für weitere Gespräche eine Waffenruhe und sagte eine
       Entwaffnung der Hisbollah zu.
       
       Am Mittwochabend erklärte Trump, Libanons Präsident Joseph Aoun werde mit
       Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sprechen. Aoun cancelte all seine
       Termine für Donnerstagabend, lehnte jedoch ein direktes Telefongespräch mit
       Netanjahu ab. Beide telefonierten wohl unabhängig voneinander mit Trump.
       Dieser verkündete dann am Donnerstag die zehntägige Waffenruhe.
       
       In 46 Tagen Krieg hat Israel im Libanon mehr als 2.200 Menschen getötet,
       darunter 300 Kinder. 1,2 Millionen Menschen sind binnenvertrieben. Die
       Hisbollah hat rund 6.000 Raketen auf Israel abgefeuert.
       
       ## Temporäre Rückkehr von Binnenvertriebenen
       
       In der Nacht zu Freitag bildeten sich Staus auf der wichtigsten
       Verbindungsstraße zwischen Nord- und Südlibanon. „Menschen aus dem Süden
       kehren zurück, um zumindest nach ihren Häusern zu sehen oder zu versuchen,
       die Überreste ihrer Habseligkeiten zu retten“, erklärt der Ingenieur Tarek
       Mazraani aus dem Grenzdorf Hula der taz. „Nachdem sie so unvermittelt
       fliehen mussten, werden sie nun zumindest Werkzeug und Kleidung holen.“
       Mazraani hat eine zivile Bürgerinitiative zur Rückkehr der
       Kriegsvertriebenen gegründet. Dafür wurde er vom israelischen Militär
       angefeindet.
       
       „Es gibt keine vollständige Rückkehr, da die meisten Häuser zerstört oder
       beschädigt sind“, sagt Mazraani. Das gelte auch für Straßen und
       Infrastruktur sowie Felder und Olivenbäume. Ohne Zusagen eines israelischen
       Rückzugs und des Wiederaufbaus müssten Vertriebene weiter an ihren
       Fluchtorten ausharren.
       
       Die Rückkehr ist dadurch erschwert, dass Israels Militär alle Brücken über
       den Fluss Litani zerstört hat. Einige Stunden vor der Verkündigung der
       Waffenruhe hatte das Militär die letzte Brücke über den Fluss
       [3][bombardiert]. Damit sind wichtige Verbindungswege – vor allem für
       humanitäre Hilfen – gekappt.
       
       ## Waffenstillstand – und dann?
       
       Noch während über den Waffenstillstand berichtet wurde, bekräftigte
       Netanjahu, Israel plane eine „Sicherheitszone“ im Südlibanon – ein
       Euphemismus für Israels Besatzungspläne. Laut dem US-Außenministerium
       behält sich Israel im Rahmen des Waffenstillstandsabkommens das Recht vor,
       sich „jederzeit gegen geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde
       Angriffe zu verteidigen“. Die Formulierung deutet darauf hin, dass Israel
       nach Belieben angreifen möchte. Die Hisbollah erklärte, sie werde auf jeden
       Angriff Israels reagieren.
       
       Unklar ist, wie es nach den 10 Tagen Waffenruhe weitergehen soll. Libanons
       Regierung möchte einen nachhaltigen, langfristigen Waffenstillstand. Israel
       drängt dafür auf die komplette Entwaffnung der Hisbollah. Gleichzeitig
       kündigt Israels Regierung an, trotz Waffenstillstand den Südlibanon
       militärisch besetzen zu wollen.
       
       „Wie wir oft gesehen haben, ist die israelische Interpretation eines
       Waffenstillstands ist nicht das, was andere darunter verstehen: Du stellst
       Feuer ein, ich feure vielleicht weniger“, sagt Max Rodenbeck,
       Israel/Palestine-Direktor bei der International Crisis Group. Den
       Iran-USA-Waffenstillstand hätten israelische Journalisten als „beidseitig“
       betitelt. „So als wäre das eine bemerkenswerte neue Art von
       Waffenstillstand“, sagt Rodenbeck. „Für den Rest der Welt ist ein
       Waffenstillstand beidseitig. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein
       Waffenstillstand hält und wirksam ist, ist leider ziemlich gering.“
       
       17 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Julia Neumann
       
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