# taz.de -- Neuer Schwarzwald- „Tatort“: Innere Angelegenheiten reichlich oberflächlich erzählt
       
       > Rocker und Rassismus und jedenfalls ein Todesfall: Aber was ist genau
       > geschehen? Und können sich alle Polizisten auf die selbe Version einigen?
       
 (IMG) Bild: Innere Angelegenheit, oder komplettes Schweigen
       
       Im neuen [1][Schwarzwald-„Tatort“] geht es um moralisch graue
       Polizist*innen, stereotype Verdächtige und einen Mordfall, dessen Auflösung
       so erwartbar ist, dass man bis zum Schluss hofft, es könne doch noch einen
       Plottwist geben.
       
       Der Film beginnt unmittelbar nach dem eigentlichen Geschehen. Im
       Einsatzwagen sitzen sechs gestresste Polizist*innen. Als einer der Beamten
       aussteigt, um sich zu übergeben, wird schnell klar: Hier stimmt etwas
       nicht. Kurz darauf beginnen auf dem Parkplatz die internen Reibereien. Es
       geht darum, ob man die „Wahrheit“ erzählt oder sich kollektiv auf eine
       gemeinsame Version der Ereignisse einigt. Schon der Titel „Innere
       Angelegenheiten“ und die ersten Szenen lassen also erahnen, wohin die
       Geschichte führen wird.
       
       Der Fall selbst spielt in einem Freiburger [2][Club]. Dort wurde ein
       Mitglied der Rockergang „Devils“ erschlagen. Als Verdächtiger steht Ramin
       Taremi (Omid Memar) im Raum. Dieser verkörpert den wahr gewordenen
       Tätertraum eines Rechtskonservativen: ein Mann mit iranischer
       Migrationsgeschichte, mehrfach vorbestraft und, als wäre das nicht schon
       ausreichend, auch noch mit Männerdutt. Kommissar Friedemann Berg
       (Hans-Jochen Wagner) befragt den mutmaßlichen Täter. Mehrfach lässt er
       durchblicken, der Mann könne ja „zurück in den Iran“.
       
       Taremi reagiert defensiv, betont, dass Deutschland seine Heimat sei, und
       beteuert, sein Leben inzwischen geändert zu haben. Währenddessen ermittelt
       Kommissarin Franziska Tobler (Eva Löbau) im Club. Dort werden die Ermittler
       allerdings weniger als „Freund und Helfer“ empfangen.
       
       Der Bruder des Verdächtigen spricht offen von [3][Vorverurteilung und
       Rassismus.] Entsprechend schwierig gestaltet sich die Zusammenarbeit mit
       möglichen Zeug*innen. Erst durch Geduld, Zuspruch und den Versuch, das
       gemeinsame Ziel zu formulieren, nämlich den tatsächlichen Täter zu finden,
       lösen sich die Fronten langsam.
       
       ## Kontrolle behalten, Hierarchie durchzusetzen
       
       Parallel verdichtet sich im Einsatzwagen der Eindruck, dass der eigentliche
       Dreck bei den Polizisten selbst liegt. Die Beamten geraten immer wieder
       aneinander, diskutieren, manipulieren sich gegenseitig und versuchen, eine
       gemeinsame Version der Ereignisse zu erzwingen.
       
       Vor allem der dienstälteste Polizist bemüht sich, die Kontrolle zu
       behalten, Hierarchie durchzusetzen und die Gruppe auf eine Linie
       einzuschwören. Wer tatsächlich für die Tat verantwortlich ist, bleibt
       zunächst offen. Klar ist jedoch: Sobald eine gemeinsame „Geschichte“
       erzählt wird, sind alle darin verstrickt.
       
       Eigentlich bietet diese Konstellation reichlich Stoff für Spannung.
       Strukturelle Probleme innerhalb der Polizei, vorschnelle Verdächtigungen
       und das Misstrauen gegenüber den Ermittlern könnten eine brisante Dynamik
       entfalten. Könnten. Denn genau daran mangelt es. Der Handlungsstrang
       verläuft haareraufend geradlinig, ein Moment, in dem die Situation wirklich
       zu kippen droht, bleibt aus.
       
       Die Konflikte innerhalb der Polizistengruppe folgen bekannten
       Rollenmustern: der dominante Veteran, der aggressive Hardliner, der
       moralisch zweifelnde Neuling. Auch die Entwicklung des Beschuldigten
       verläuft erwartbar: vom vermeintlichen Täter hin zu einem Mann, der
       verzweifelt versucht zu beweisen, dass er eine zweite Chance verdient.
       
       So bleibt am Ende eine Geschichte, die zwar wichtige Themen streift,
       dramaturgisch aber kaum Reibung erzeugt und damit auch selten überrascht.
       
       19 Apr 2026
       
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