# taz.de -- Sommerpause für den „Tatort“: Und täglich grüßt das Mördertier
       
       > Der „Tatort“ verabschiedet sich in die frühen Sommerferien. Warum es sich
       > trotzdem lohnt, den Fernseher sonntagabends anzuschalten.
       
 (IMG) Bild: Mit einer Doppelfolge verabschiedete sich das Team in München in die Sommerpause
       
       Der „Tatort“ geht in die Sommerpause und sendet nun Wiederholungen älterer
       Sendungen. Es ist die bis dato längste Sommerpause in der Geschichte von
       „Tatort“ und „Polizeiruf“. Keine Sorge, die viereinhalbmonatige Pause
       liegt, zumindest nach Aussage der ARD, nicht am allgemeinen Sparzwang der
       Zeit, sondern habe „planerische Gründe“ und bleibe eine Ausnahme.
       
       Im vergangenen Jahr gab es zwei Tatorte mehr. Dieses Jahr gibt es durch
       [1][die Doppelfolge, mit der sich das Team in München verabschiedete], eine
       Folge weniger im Sommer. Dazu kommt die Fußball-WM in Nordamerika, während
       der natürlich jedes andere Fernsehprogramm stillzustehen hat. Was alles
       zusammen dazu führt, dass wir ganze neunzehneinhalb Wochen ohne Mord und
       Totschlag auskommen müssen, liebe Krimifans.
       
       Also zumindest ohne neuen, denn getötet, geforscht und aufgeklärt (und
       nebenbei Lieben und Trieben nachgegeben) [2][wird ja immer]. Nur eben mit
       altbekannten Fällen. Die Wiederholung ist auch eine gute Metapher für den
       Zustand der Welt im Allgemeinen: Wir sind alle gefangen in einem Loop der
       Gewalt. Das ist jetzt natürlich nichts Neues, aber fühlt sich dieser Tage
       besonders perfide an.
       
       Jeden Tag, an dem ich die Zeitung aufschlage, frage ich mich, ob eigentlich
       schon wieder das Murmeltier grüßt: Merz beleidigt die Bevölkerung, [3][die
       Straße von Hormus] ist mal zu, dann offen und dann wieder zu, Trump sagt,
       es ist Waffenruhe und Krieg gleichzeitig, und [4][Mojtaba Khamenei sagt gar
       nix], denn es hat ihn immer noch niemand gesehen.
       
       Verzweiflung, Tod und Verderben in Dauerschleife und die Nachrichten von
       heute fühlen sich an wie eine Wiederholung von vergangener Woche. Passend
       also, dass uns die Sommerpause, ein Best-of der vergangenen paar Jahre
       liefert. Den Anfang macht der Münsteraner Klassiker „Man stirbt nur
       zweimal“ aus dem Dezember 2024.
       
       Eine Noir-Satire, deren Todesfall – ein in einer museumsähnlichen Villa vom
       Speer einer Kriegerfigur durchbohrter Anwalt – es an Absurdität durchaus
       mit den herrlich bizarren Morden bei „Inspektor Barnaby“ oder den
       Kolleg*innen der „Rosenheim-Cops“ aufnehmen kann.
       
       In der Eröffnungsszene sehen wir, wie Blut lasziv den betreffenden Speer
       herunterrinnt, kurz darauf werden einer trauernden Witwe (Tatort- und
       Polizeiruf-Faktotum Cordelia Wege) mehrere Millionen Euro aus der
       Lebensversicherung ihres verstorbenen Mannes zugesprochen. Die Folge trägt
       alles in sich, was die Münsteraner Comedy-Krimi-Hybride so ausmacht, ein
       arroganter Boerne (Jan-Josef Liefers), ein gutmütiger Thiel (Axel Prahl),
       Thrillerelemente, skurrile Nebenfiguren, und sowieso ist alles ganz, ganz
       anders als gedacht.
       
       Es geht um Gier, Schwindel, Versicherungsbetrug – und psychische (und
       physische) Gewalt in romantischen Beziehungen, finanzielle Ausbeutung und
       Manipulation. Nichts als irrwitziger Eskapismus also, wie immer genau das
       Richtige, um den Sommer einzuläuten.
       
       Aber seien wir ehrlich, sind wir damit nicht gar nicht mal so weit weg von
       der Tagespolitik? Wir alle sind in einer toxischen Beziehung mit einer
       [5][Bundesregierung], die Fakten und Wahrheit verdreht, und Gier und
       Schwindel bestimmen die Weltpolitik. Nur, dass im Tatort Bösewichte
       natürlich nicht mit ihrem Lügenkonstrukt durchkommen, sondern von der
       Wahrheit oder dem Schicksal oder beidem aufgespießt werden. In der Realität
       aber gewinnt aktuell, wer seine Lüge am stoischsten durchzieht. Schade
       eigentlich.
       
       10 May 2026
       
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