# taz.de -- Neuer „Frankfurt“-Tatort: Ein abgeschlossener Fall, der nicht aufhört zu brennen
> Die Toten eines Brands: Sind sie Opfer einer unglücklichen Verkettung
> oder gibt es Verantwortliche? Die Suche wird hier schmerzlich - für alle.
(IMG) Bild: Geht noch was? Kommissar Hamza Kulina (Edin Hasanović) mit seiner ersten Liebe Almila Adak (Seyneb Saleh)
Ein fast perfekter „Tatort“: spannend, nachvollziehbar im Plot, mit einem
guten Soundtrack, mit feststellbaren, aber noch verkraftbaren Verstößen
gegen die Gesetze der Logik, dabei kritisch, ohne mit der Botschaft
hausieren gehen: „Tüchtig“ wird die Ermittlungsarbeit von Kommissarin
Maryam Azad (Melika Foroutan) am Ende genannt und: „Ja, so sind wir“, ist
ihre souveräne Antwort.
Diskriminierung und Gleichgültigkeit durchwehen die Amtsstuben in diesem
Frankfurt-„Tatort“, wie die Säle der Untersuchungsausschüsse, der Labore
und Firmensitze. Von einem aus wird ein Dämmstoff verkauft. Der hat sehr
schnell Feuer gefangen vor Jahren in einem Hochhaus, 13 Menschen sind so
getötet worden, darunter die Mutter von Almila Adak (Seyneb Saleh), erste
Liebe von Kommissar Hamza Kulina (Edin Hasanović).
Almila bittet ihren Exfreund um Hilfe, es eilt, in wenigen Tagen wird der
Untersuchungsausschuss zum Brand abgeschlossen sein. Ist doch noch wer
verantwortlich zu machen?
Oder endet alles wie bei der [1][Loveparade in Duisburg]? Wie bei der Frage
der [2][Sicherung des Magdeburger Weihnachsmarkts]? Im Unklaren,
Unzuklärenden, im gewiss „menschlich Tragischem“, aber leider, leider
schuld hat halt mal wieder überhaupt niemand, die Sache ist abgeschlossen
wie die Tür zum [3][Notausgang in der Hanauer „Arena“-Bar] am 19. Februar
2020, dem Abend des Anschlags, bei dem neun Menschen aus rassistischen
Motiven ermordet wurden.
## Grenfell Tower 2017
Aber selbstverständlich sind auch andere Anschlüsse denkbar und
beabsichtigt, der Brand im Grenfell Tower 2017 in London zuerst, der
[4][bis hin zur Brandursache] als Vorbild für die in diesem Krimi
verarbeitete Katastrophe im fiktiven „Goliath“-Hochhaus gedient hat.
Müßig kommt es einem da vor, wo das große Bild so gelungen ist, in die
Erzähldetails von „Fackel“ zu gehen (Regie: Rick Ostermann, Buch: Sebastian
Heeg, Tom Schilling [ja, der!]).
Eine Nebenhandlung gibt es eigentlich nicht. Man könnte sich fragen, ob die
urhessischen Wirtsleute, die mit ihrer altertümlichen Überwachungskamera
entscheidend zur Lösung des Falls beitragen, deswegen so betont positiv
gezeichnet sind, damit eben nicht alle Menschen ohne Migrationshintergrund
böse oder kalt sind.
Was sich eher einstellt, in den Gesichtern der Kommissare zuerst, ist
Überraschung: Hey, hier kooperiert ja mal jemand, ohne große Worte,
zynische Gesten und sich dumm stellendes Getue, mit einer sozusagen
treudeutschen Offenheit, und wenn’s länger dauert, die Aufnahmen zu
sichten, dann bleibt die Küche halt mal kalt.
Das Gegenteil von kalt ist die emotionale, bei aller physischen Präsenz
zarte Figur von Hamza Kulina, im schönen Kontrast zur stets analytisch
bleibenden Kollegin Maryam Azad, deren Feuer nur manchmal durchfunkelt. Das
hier ist auch in ihrem dritten Fall mal eine Ermittlergeschichte mit
Perspektive, die bitte, bitte, wenn man sich was wünschen dürfte, nie darin
münden soll, dass sie sich ineinander verlieben.
Lasst sie weiter in ihrem Keller sitzen und sich mit der Realität
konfrontieren, anstatt mit sich selbst. Wer sie sind, welche „schönen“
Namen sie tragen – das zeigt ihnen die Mehrheitsgesellschaft, die in diesem
Fall nicht zuletzt Michael Schenk und Judith Engel sehr fein
interpretieren, schon ganz unaufgefordert.
22 Mar 2026
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## AUTOREN
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