# taz.de -- Podcast über Tschornobyl: Was bis heute ausstrahlt
       
       > Ein Podcast erzählt persönliche Berichte vom GAU. Die aber eigentlich
       > hochpolitisch sind – und uns als Lehren dienen sollten. Wenn wir klug
       > sind.
       
 (IMG) Bild: Bebilderung von Radio Bremen zum Podcast „Tschernobyl. Die Katastrophe und wir“
       
       Der 3. Mai 1986 war ein Samstag. Um 18 Uhr g[1][ab es in München ein
       Gewitter.] Meine Freundin und ich hatten im Englischen Garten rumgeschmust.
       Wir wurden sehr nass auf dem Heimweg.
       
       München gehört zu den durch den radioaktiven Regen nach dem GAU in
       Tschernobyl am 26. April am stärksten belasteten Regionen in Deutschland.
       Wann ich das erfahren habe, weiß ich nicht mehr. Aber ich habe es nicht
       mehr vergessen.
       
       Nun, zum 40. Jahrestag, kommen solche Geschichten wieder hoch. Ein Podcast
       zum Thema beginnt mit Anatolii, Augenzeuge der gigantischen Explosion. Er
       hört damals verbotenerweise [2][Radio Liberty], aus München gesendet.
       
       In der russischsprachigen Originalmeldung, die die Macherinnen ausgegraben
       haben, hört man ein Wort heraus, das nach „Havarie“ klingt. Anfang Mai
       kommt die Sache in Westeuropa an, der Regen fällt, auch auf Monika bei
       Nürnberg, die eine ganz ähnliche Geschichte erzählt wie ich oben. Nur dass
       sie politisierter ist, „Atombombe und Atomkraft“, heißt es im Text,
       „verschmelzen bei ihr zu einer riesigen Angst“, die End-80er-Angst eben.
       
       ## Unverzichtbar und unter voller Kontrolle
       
       Die es auch weiter östlich gab, in der DDR. Wo die Informationen für die
       junge, im kirchlichen Kontext politisch aktive Ulrike vage bleiben. „Die
       Strahlungssituation“ sei „stabilisiert worden“, hört sie im DDR-Rundfunk.
       
       Und ich erinnere mich an die der Jugend immer zugewandten Genoss:innen
       von der DKP, die einem erzählten, dass Atomkraft gewiss risikoreich sei,
       aber zur Verwirklichung des Kommunismus in der glorreichen Sowjetunion eben
       unverzichtbar und unter voller Kontrolle.
       
       Ein Erbe dieser Haltung ist Markus Söder. [3][Auch er sagt,] dass man für
       eine strahlende Zukunft auf Atomkraft setzen müsse. Die Gegenwart der
       Energiewende mit ihren unbestreitbaren Härten seinem Wahlvolk zu
       vermitteln, dafür ist er zu feige. Was politische Feigheit mit sich bringt,
       davon erzählt „Tschernobyl. Die Katastrophe und wir“ ausführlich und
       anschaulich.
       
       26 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://de.weatherspark.com/h/m/70344/1986/5/Historisches-Wetter-im-Mai-1986-in-M%C3%BCnchen-Bayern-Deutschland#Figures-ColorTemperature
 (DIR) [2] /Zentralasien-und-Trumps-Medienpolitik/!6077226
 (DIR) [3] /Atomkraft-weltwelt/!6172094
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ambros Waibel
       
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