# taz.de -- Präsidentschaft von Árbenz in Guatemala: Weil ein Bananenhändler zu mächtig war
> Jacobo Árbenz legte sich in Guatemala mit den Mächtigen an, der
> Bananenindustrie. Später wurde er zum Präsidenten gewählt.
(IMG) Bild: Jacobo Árbenz und seine Familie bei ihrer Ankunft in der Schweiz, 1955
Bananen sind Macht: Die US-amerikanische Firma United Fruit Company,
[1][heute bekannt als Chiquita], war in den 1950er Jahren die größte
Landbesitzerin Guatemalas. Unter ihrer Kontrolle lagen große Teile der
Infrastruktur Guatemalas, darunter Stromnetze, Eisenbahnlinien und der
einzige Hafen zum Atlantik. Ab dem 11. November 1950 hatte sie aus Furcht
vor dem Verlust ihrer Macht einen Feind: Jacobo Árbenz.
Jacobo Árbenz wuchs in einer mittelständischen Familie Schweizer Migranten
in [2][Guatemala] auf. Aufgrund finanzieller Engpässe war er nach seinem
Abitur gezwungen, eine Militärschule zu besuchen. 1939 heiratete er die
gebildete Maria Vilanova Kreitz, die sein politisches Interesse weckte.
Als Hauptmann beteiligte sich Jacobo Árbenz fünf Jahre später am Putsch
gegen den regierenden Diktator Federico Ponce Vaides, gehörte mit 31 Jahren
der ersten demokratisch gewählten Regierung Guatemalas an und wurde in 1950
selbst zum Präsidenten Guatemalas gewählt.
Obwohl in den 1950er-Jahren 60 Prozent der Bevölkerung von den
[3][indigenen Maya] abstammten, gehörte 90 Prozent der Bodenfläche wenigen
wohlhabenden Oligarchenfamilien. Der neue Präsident machte sich mit seiner
umfassenden Agrarreform, die Großgrundbesitzer gegen eine Entschädigung
enteignete und das Land an arme Bauern verteilte, schnell mächtige Feinde,
allen voran die United Fruit Company. Diese lancierte eine Kampagne gegen
Árbenz, warf ihm die Planung einer kommunistischen Verschwörung in
Mittelamerika vor. So eroberte die Firma die Gunst der US-Regierung, die in
ihrem fanatischen Kampf gegen den Kommunismus in 1954 einen Putsch gegen
Árbenz unterstützte.
Nach dem Putsch wurde Árbenz gezwungen, das Land zu verlassen. Von da an
war sein Leben von unzähligen befristeten Aufenthalten in Europa und
Mittel- und Südamerika gezeichnet. Eine Schweizer Staatsbürgerschaft
beantragte er nie, weil er befürchtete, seine guatemaltekische
Staatsbürgerschaft zu verlieren und damit auch die Hoffnung, eines Tages in
die Politik seines Heimatlandes zurückzukehren.
Trotz des abrupten Endes seiner Amtszeit war die Präsidentschaft Árbenz von
zentraler Bedeutung in der Geschichte Guatemalas. Mit seinen Reformen
forderte er erstmals die Vorherrschaft der Konzerne heraus und griff die
soziale Ungleichheit direkt an. Durch die gerechte Verteilung von Land und
Chancen bewies Árbenz, dass politische Veränderungen auch trotz
unüberwindbar scheinender Ungleichheiten gelingen können und auch
festgefahrene Machtstrukturen real veränderbar sind. Dadurch stieß er eine
Mobilisierung an, die auch nach dem Ende seiner Amtszeit,
Guatemaltek*innen bestärkte, sich den folgenden Militärdiktaturen zu
widersetzen.
28 Apr 2026
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(DIR) Luis Bretthauer
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