# taz.de -- 75 Jahre „On The Road“: Unterwegs zu Kerouac
       
       > Was ist nach all den Jahren vom Geist der Freiheit aus Jack Kerouacs
       > Klassiker „Unterwegs“ noch zu spüren? Spurensuche in Colorado
       
 (IMG) Bild: Leere voller Bedeutung: Diesen Ausblick auf Colorados Wüste hatten auch Kerouacs Antihelden Sal Paradise und Dean Moriarty
       
       Jetzt bin ich endlich in Colorado! Verdammt, verdammt, verdammt noch mal!
       Hab ich’s doch geschafft! […] Ich zappelte am ganzen Leib; ich zählte jede
       Minute und subtrahierte die Meilen. Da vorn, hinter den wogenden
       Weizenfeldern, golden unter den fernen Schneefeldern von Estes, würde ich
       endlich das gute alte Denver sehen. 
       
       (aus: Jack Kerouac, Unterwegs) 
       
       Genau 75 Jahre, nachdem Jack Kerouac diese Szene aufgeschrieben hat, sitze
       ich selbst auf der Larimer Street. Da, wo der Protagonist Sal Paradise nach
       seiner Ankunft in Denver mit dem dämlichsten Grinsen der Welt auf die alten
       Landstreicher und abgetakelten Cowboys zustolperte. Ich speise
       Artischockentortelloni in weißer Trüffelsauce und spüle sie mit einem
       Hibiscus-Cranberry-Spritz hinunter. Draußen kühle Abendluft, drinnen im
       Restaurant „Rioja“ scharwenzelt der Kellner um mich herum. Er will mir ein
       Dessert aufschwatzen.
       
       Die Spelunken, Pfandhäuser, Obststände und Randfiguren der 1940er Jahre aus
       „On the Road“, deutscher Titel „Unterwegs“, suche ich hier vergebens.
       Allein mein Abendessen kostet weit mehr als die 50 Dollar, von denen die
       Helden Jack Kerouacs manchmal wochenlang lebten. Die Larimer Street liegt
       jetzt im „LoDo“, dem Lower Downtown – mit glitzernden Bars und Menschen,
       die wichtig aussehen und High-Heels tragen.
       
       Im Hipster-Second-Hand-Laden nebenan hängen Sportsocken mit dem Aufdruck
       „Exhausted American“, eine Duftkerze im Schmuckladen kostet 38 Dollar. Nur
       wenn ich die Augen zusammenkneife und auf die roten alten Backsteingebäude
       blicke, schaffe ich es vielleicht, mir die Vergangenheit
       zurechtzufantasieren.
       
       ## 36 Meter Butterbrotpapier Text
       
       Im April 1951 schrieb Jack Kerouac innerhalb von 20 Tagen mit der
       Schreibmaschine auf einer zusammengeklebten, 36 Meter langen Rolle aus
       Butterbrotpapier „On the Road“ – das populärste Buch der Beat-Literatur,
       das Manifest einer ganzen Generation. 2001 versteigerte das New Yorker
       Auktionshaus Christie's Kerouacs Rolle für über 2,2 Millionen Dollar.
       
       In „Unterwegs“ ist das Leben groß und aufregend, oder zumindest will es das
       sein, in New York, in San Francisco, Mexiko und eben: In Denver, der
       Sehnsuchtsstadt in Colorado am Fuße der Rocky Mountains. Colorado war schon
       immer ein Magnet für Abenteurer, für Freiheitsliebende und Umtriebige. Wo
       lässt sich das Leben als nie endender dröhnender Fiebertraum, Dasein als
       Empfindungsorgie von Drogen, Rausch, Sex und Musik besser auskosten?
       
       „Die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten, die
       verrückt leben, verrückt reden und alles auf einmal wollen, die nie gähnen
       oder Phrasen dreschen, sondern wie römische Lichter die ganze Nacht lang
       brennen, brennen, brennen.“
       
       Getrieben von dieser Idee des bohèmehaften Durchschlagens reisen Sal
       Paradise und sein Freund Dean Moriarty ziellos durchs Land und zeigen mit
       ihrer Antibürgerlichkeit dem US-amerikanischen Nachkriegsspießertum den
       Stinkefinger. Wo sie nächste Nacht schlafen werden, wissen sie selten.
       
       Nach Erscheinen 1957 löste das Buch wegen der Verherrlichung einer
       „amoralischen Lebensweise“ zuerst einen Skandal im Literaturbetrieb aus:
       „Das ist kein Schreiben, das ist Tippen“, soll Truman Capote über
       „Unterwegs“ gesagt haben.
       
       ## Wer kann sich Freiheit noch leisten?
       
       Und ich friste hier mein Dasein mit preisgekrönten Artischockentortelloni.
       Ein bisschen peinlich, aber immerhin spendet mir Kerouacs Poesie Trost.
       Gibt es diese Verrückten, die verrückt leben und alles auf einmal wollen,
       hier überhaupt noch? Und wenn ja, wo finde ich sie, von welchem Geld können
       sie sich dieses Leben leisten, können sie dieses Leben bei der aktuellen
       politischen Situation überhaupt genießen?
       
       Ich wünschte, ich wäre auch aus Abenteuergründen hier. Stattdessen bin ich
       in Denver, weil das Tourismusbüro „Visit Denver“ mich auf eine Art
       All-Inklusive-Reise eingeladen hat. Ich soll mich mit Eindrücken, Museen
       und Essen vollstopfen und über die Stadt schreiben, um Besucher aus
       Deutschland nach Denver zu locken. Ausgerechnet jetzt?
       
       Oder vielleicht gerade jetzt? Jetzt, da Menschen in diesem Land von einer
       gesetzlos handelnden Einwanderungsbehörde von der Straße entführt werden
       und in Hochsicherheitsgefängnissen landen? [1][Wo Protestierende
       erschossen], Forschungsgelder gestrichen und Museen angegriffen werden, wo
       [2][das US-Militär alle paar Wochen ein neues Land bombardiert] und
       Zivilist:innen tötet? Ich starre an die Decke, beobachte und sortiere
       meine Ängste.
       
       Von Untergangsprophetik ist in Denver zumindest an der Oberfläche wenig zu
       spüren. Das Leben geht weiter. Als sitze im Weißen Haus kein Donald Trump.
       Keine anarchistischen Schmierparolen im Stadtbild, keine [3][Proteste wie
       in Los Angeles letzten Sommer] oder in Minneapolis im Januar. Das ganz
       gewöhnliche Stadtleben verläuft weiter in seinem gewohnten Takt.
       
       Aber der Schein trügt. Alleine zwischen Donald Trumps Amtsantritt im Januar
       2025 und Oktober 2025 nahm die Einwanderungsbehörde ICE im Großraum Denver
       etwa 3.500 Menschen fest, viermal so viele wie im gleichen Zeitraum unter
       Biden.
       
       Fühlen sich die Menschen hier genauso frei oder unfrei wie vor Donald
       Trumps Präsidentschaft? Was ist fast 75 Jahre später vom Geist von Freiheit
       und Abenteuer aus „Unterwegs“ noch zu spüren?
       
       Ich verlasse das Restaurant und steige in einen knallroten Free MetroRide
       Bus, das einzige kostenlose öffentliche Transportmittel der Stadt. An
       gläsernen Fassaden und Schaufenstern mit Figuren von Ureinwohnern vorbei
       kriecht er zu meinem Hotel. Ein älterer Schwarzer Obdachloser sitzt mir im
       Bus gegenüber und grummelt etwas vor sich hin.
       
       Dann schaut er mir direkt in die Augen. „Ich bin nicht drogenabhängig, ich
       nehme nichts. Aber das interessiert keinen. Niemand hilft mir. Letzte Nacht
       wäre ich fast erfroren.“ Ich nicke mitfühlend und steige aus. Wenn man
       Existenzangst hat, denkt man nicht an Freiheit.
       
       Mein Hotel, das Brown Palace, ist das älteste Grandhotel der Stadt. Dwight
       D. Eisenhower, Ronald Reagan, Bill Clinton – fast alle Präsidenten stiegen
       mal im Brown ab. Die Atriumlobby, mit ihren schweren antiken Möbeln und
       gusseisernen Balkongeländern, die sich über acht Etagen hinaufwinden,
       flirrt heute vor feierlicher Atmosphäre. Gäste in Abendkleidern und Anzügen
       trinken Cocktails und bekommen Häppchen serviert. Der Hauspianist spielt
       Scott Joplin auf seinem Flügel, neben ihm ein Glas Weißwein. Ich nehme den
       Aufzug zu meiner Suite, schließe die Tür auf und lasse mir ein Bad ein.
       „Ich hatte nichts anzubieten, außer meiner eigenen Verwirrung“, schreibt
       Kerouac. So geht es mir auch.
       
       ## Kita 2.100 Dollar im Monat
       
       Am nächsten Abend sitze ich mit einer alten Freundin auf dem Sofa in einem
       Vorort von Denver. Ihr Mann werkelt in der Küche an einem Tofugericht, wir
       erzählen aus unserem Leben. Gerade ist das fünf Monate alte Baby
       eingeschlafen. Meine Freundin wirkt erschöpft und abgemagert.
       
       Vier Monate nach der Geburt hatte sie keine Wahl, sagt sie. Sie musste mit
       dem Stillen aufhören und auf ihre Vollzeitstelle als Therapeutin
       zurückkehren. Sonst würden sie und ihr Mann es nicht schaffen, ihr Haus
       abzubezahlen. Für die jüdische Kinderkrippe zahlen sie jetzt 2.100 Dollar,
       umgerechnet etwa 1.800 Euro im Monat. Jeden Tag plagen sie Geldsorgen.
       
       Donald Trump? Sie verdreht die Augen, zuckt mit den Schultern. Ihre beiden
       Eltern haben Trump gewählt, auch wegen seiner Unterstützung für Israel. Die
       Mutter würde es heute wieder tun – aus irrationaler Angst. Der Vater nicht:
       Trump sei schlecht für die Demokratie, glaubt er jetzt.
       
       Einige ihrer Klient:innen überlegen, wegen der politischen Situation
       auszuwandern. „Sie schreien panisch, du darfst deine Meinung nicht mehr
       laut sagen. Ich spüre das nicht. Um mich herum sagen die Leute sehr wohl,
       was sie denken.“ Aber Demonstrationen meide sie – ihr Mann stammt aus einem
       südostasiatischen Land. Wozu mit dem Feuer spielen und eine Verhaftung
       durch ICE, die Abschiebebehörde, riskieren? Und außerdem, was sollen diese
       Demonstrationen schon bringen? Sie selbst ist unentschlossen, was in der
       aktuellen Situation der beste Weg ist, Widerstand zu leisten.
       
       Denver, erklärt sie mir, sei auf dem Papier demokratisch und liberal, in
       der Realität aber bürgerlich und bequem. Politisch korrekt, um nicht
       anzuecken. Aber ohne eine Vision.
       
       In diesem Jahr feiern die USA 250 Jahre Unabhängigkeit. Der Bundesstaat
       Colorado feiert 150 Jahre Bestehen. Vielleicht, sinniere ich auf dem
       Rückweg in meinem Uber, sind dieses Land und diese Stadt, die Romantik und
       Exotik des Wilden Westens, selten das gewesen, wofür wir es hielten.
       
       Der Cowboy-Mythos um Colorado war schon immer ein Stück weit Marketing,
       eine kulturelle Überhöhung, die die harte Realität von Gewalt und
       wirtschaftlicher Not verschleierte. Legenden stilisierten die Pionierzeit
       zum Symbol von Freiheit und Abenteuer. Aber in der Realität kämpften die
       Siedler mit Armut, Krankheiten und Konflikten mit indigenen Völkern. Der
       Bundesstaat wurde 1876 gegründet. Kein Paradies, sondern ein Ort von
       Landraub, Goldrauschchaos und Eisenbahnausbeutung. Der Mythos entstand erst
       später, um Identität zu stiften.
       
       Pioniere und Künstler strömten im 19. Jahrhundert in Massen nach Colorado
       und entwickelten eine Obsession dafür, indigene Stämme zu romantisieren und
       zu malen, während man sie parallel vertrieb und ihren Lebensraum immer
       weiter einengte. Hervorragend kann man diese Romantisierung gegenüber von
       meinem Hotel bestaunen: In der Kollektion des Milliardärs Philip Anschutz,
       dem „American Museum of Western Art.“
       
       Ich laufe durch die Stockwerke und bewundere die Werke, Dutzende Bilder von
       Cowboys und Indianern in allen möglichen Stilen. Ein Ölgemälde mit dem
       Titel „Indians attacking a wagon train“ von 1863 lässt mich nicht los.
       
       Emanuel Leutze, ein in die USA eingewanderter Historienmaler aus
       Baden-Württemberg und sein Blick auf die US-amerikanische Westexpansion: in
       Kutschen sitzende Pioniere auf ihrem Weg nach Colorado, die von indigenen
       Angreifern empfangen werden. Das Bild entstand ein Jahr vor dem
       Sand-Creek-Massaker, bei dem US-Freiwilligentruppen 230 Cheyenne und
       Arapaho Ureinwohner, meistens Frauen, Kinder und ältere Menschen,
       ermordeten und verstümmelten.
       
       „In dem Gebiet, das wir heute Colorado nennen, lebten 46 indigene Stämme.
       Für sie war das ihre Heimat.“ Jeannie McFarland Johnson, die
       Marketing-Direktorin des Colorado History Center, führt mich durch das
       Museum, eine Frau mittleren Alters mit schwarzer Brille und türkisfarbenen
       Hängeohrringen.
       
       Zusammen stehen wir vor zwei lebensgroßen Tipis im ersten Museumsraum. Das
       Colorado History Center, sagt McFarland Johnson, engagiere sich für
       unterrepräsentierte Bevölkerungsgruppen. Für die Entwicklung ihrer
       Ausstellung über das Sand-Creek-Massaker arbeiteten sie jahrelang mit
       indigenen Repräsentanten zusammen und holten deren Input ein.
       
       „Sehen Sie“, beginne ich, „in Europa hat man das Gefühl, als seien die USA
       gerade auf dem Weg in die Hölle. Haben Sie den Eindruck, die Regierung
       könnte Ihrem Museum eines Tages Schwierigkeiten machen?“ Dann lege ich
       direkt nach: „Sie können mir auch nur für den Hintergrund etwas erzählen,
       wenn Sie nicht zitiert werden wollen!“
       
       McFarland Johnson rattert ihre Antwort wie auswendig gelernt herunter.
       Apolitisch sei man als Museum und würde alle Einwohner:innen Colorados
       gleichermaßen repräsentieren. Ich deute auf die Tipis. „Erinnerungskultur
       ist doch nicht apolitisch!“
       
       Der US-Präsident beschuldigt Museen wie das Smithsonian oder das National
       Museum of African American History, ein falsches Geschichtsbild zu
       vermitteln, und will US-amerikanische Geschichte in eine nationale
       Wohlfühlgeschichte umschreiben. „Unser Museum ist kein Statement darüber,
       wen man wählen soll“, antwortet McFarland Johnson. „Mit unserer Arbeit
       erkennen wir die Menschen an, die hier gelebt haben und von hier vertrieben
       wurden.“
       
       McFarland Johnson ist nun einmal Maketing-Direktorin. Sie macht ihren Job,
       sie ist nicht hier, um mit mir ihre persönlichen Ansichten zu besprechen.
       Aber hat sie Angst vor der Regierung, frage ich mich, Angst vor ihren
       Vorgesetzten, Angst, ihren Job zu verlieren? Ist diese Art von
       Kommunikation schon vorauseilender Gehorsam oder noch ganz alltägliche
       Diplomatie?
       
       Abends streife ich durch Five Points, das historisch Schwarze Viertel etwas
       außerhalb des Stadtzentrums, seit den 1930er Jahren bekannt als „Harlem des
       Westens“ und seine Jazzszene. Hier spielten Stars wie Billie Holiday, Louis
       Armstrong und Miles Davis.
       
       Heute ist das Viertel schon lange gentrifiziert. Horrende Mietpreise haben
       die Schwarze Bevölkerung zu großen Teilen verdrängt, 77 Prozent der
       Einwohner sind jetzt weiß, 14 Prozent Schwarz und 19 Prozent Latino. Das
       Jahreseinkommen weißer Haushalte im Denver-Metro-Bereich liegt bei fast
       100.000 Dollar, während nur 26 Prozent Schwarzer Haushalte das erreichen.
       Von Kerouacs verklärtem Blick auf Schwarzes Leben in Five Points ist heute
       wenig geblieben.
       
       „Im fliederfarbenen Abendlicht ging ich mit schmerzenden Gliedern zwischen
       den Lichtern der 27th und Welton im Schwarzen Viertel Denvers spazieren,
       wünschte mir, Schwarz zu sein, und hatte das Gefühl, dass das Beste, was
       die weiße Welt mir geboten hatte, nicht genug Ekstase für mich war, nicht
       genug Leben, Freude, Kick, Dunkelheit, Musik, nicht genug Nacht.“
       
       Genau an dieser Kreuzung stehe ich jetzt und lausche. Die Stadt versucht,
       die Jazzszene hier wiederzubeleben. Aus den Clubs pocht ein dumpfer Bass,
       die Musiker spielen, Menschen tanzen und trinken, Schwarze und Weiße
       zusammen, unbeschwert und fröhlich sieht es aus. So könnte es damals
       gewesen sein, zumindest ein bisschen. Ich spähe hinein, dann laufe ich
       weiter. Der Eintritt ist mir zu teuer.
       
       Dafür werden andere Sehnsüchte, von denen ich gar nichts wusste, erfüllt.
       Ich sitze in einem Minibus mit Fremden und sehe die hohen Schneegipfel der
       Rocky Mountains. Mit mir der Tour-Guide, eine Schwarze Ärztin aus New York,
       eine Wissenschaftlerin und eine schweigsame Ingenieurin für die
       Waffenindustrie. Die Ärztin beschwert sich ständig über die Kürzungen der
       US-Regierung für ihre Patienten. Endlich mal eine, die etwas laut sagt,
       denke ich. „Ausgerechnet jetzt werde ich Spaß haben. Ich werde mir mein
       Leben nicht von dieser Regierung vermiesen lassen“, verkündet die New
       Yorkerin. An uns ziehen die atemberaubenden gigantischen Bergformationen
       vorbei.
       
       Später laufen wir zusammen über einen vereisten See und winken den Elchen
       zu. Freiheit ist ein Moment, kein Zustand, nirgendwo spüre ich diese
       Gewissheit so sehr wie hier in der Natur. Für einen großartigen Augenblick
       lasse ich die Sorgen um die Weltlage und die US-Politik hinter mir.
       
       Bei meiner Abreise sitze ich erschöpft im Zug zum Flughafen. Wir entfernen
       uns vom Zentrum. Neben mir liegt eine Kopie von „Unterwegs“, gekauft bei
       Tattered Cover, dem Buchladen ausder funkelnden und wuselnden Union Station
       in Denver. Das Buch ist schön und tragisch, ein autobiografisches
       Geständnis vom Scheitern und verzweifelter Einsamkeit.
       
       Jack Kerouac war depressiv und alkoholkrank. Und auch sein Held Sal
       Paradise findet nicht, was er sucht, die Freiheit und das Glück bleiben bis
       auf wenige Momente unfassbar. „Irgendwo unterwegs, das wusste ich, gab es
       Mädchen, Visionen, alles; irgendwo auf dem Weg würde mir die Perle
       überreicht.“
       
       Diese Reportage wurde möglich durch die Unterstützung von Visit Denver.
       
       28 Apr 2026
       
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