# taz.de -- PressTV: Das Auslandsmedium der Mullahs
> PressTV ist der internationale Propagandasender Irans. Zum Programm
> gehören Verschwörungsmythen, Holocaustleugnung und erzwungene
> Zugeständnisse.
(IMG) Bild: Antiwestliche Narrative: PressTV ist weiterhin auf Telegram, Instagram und X aktiv
Den Meldungen zufolge war der Krieg ein herausragender Erfolg für das
Mullah-Regime: „USA erleiden bei gescheiterter Operation …schwere
strategische Niederlage“, lautet eine Schlagzeile. Eine andere: „Wie die
iranische Luftabwehr den 3. April zum ‚schwärzesten Tag‘ in der Geschichte
der US-Militärluftfahrt machte.“ Und [1][nach dem Waffenstillstand,] der am
vergangenen Mittwoch in Kraft getreten ist, spricht der Kanal davon, die
USA „zur Kapitulation gezwungen“ zu haben.
PressTV ist der internationale Propagandasender Irans. 2007 wurde er vom
staatlichen Rundfunk der Islamischen Republik gegründet und sendet auf
Englisch und Französisch. Er sollte ein iranisches Pendant zur BBC und zu
Al Jazeera sein.
In Wirklichkeit steht er den iranischen Revolutionsgarden nahe und setzt
sich medial für die außenpolitischen Interessen des Regimes ein. Seine
Netzwerke sind wohl auch nach der Feuerpause im Nahen Osten aktiv.
„Das Hauptziel besteht darin, antiwestliche Narrative zu verstärken, das
Vertrauen in demokratische Institutionen zu untergraben und politische
sowie gesellschaftliche Spaltungen auszunutzen“, erklärt David Siman-Tov,
Senior Researcher beim israelischen Thinktank Institute for National
Security Studies (INSS), gegenüber der taz. „Für den Iran gibt es keine
Trennung zwischen militärischen und medialen Maßnahmen; PressTV ist ein
wesentlicher Bestandteil der gesamten Kommunikationsstrategie.“
## Erzwungene Geständnisse
Laut Bret Schafer, Experte für Medien und Desinformation am Institute for
Strategic Dialogue in Washington, sei dem Regime durchaus bewusst, dass
Iran international kein besonders attraktives Image habe: Daher zielten sie
eher darauf ab, „die Unzufriedenheit des globalen Publikums mit Israel und
dem Westen im Allgemeinen anzusprechen“, sagt er der taz. Jedoch sei
PressTV nicht annähernd so erfolgreich wie das russische RT oder das
chinesische CGTN, so Schafer.
Die Liste der Kritikpunkte an PressTV war schon vor dem aktuellen Krieg mit
den USA und Israel lang, von der Verbreitung antisemitischer
Verschwörungsmythen bis hin zu offener Holocaustleugnung. Der ehemalige
Ku-Klux-Klan-Chef David Duke durfte [2][in einem Interview] behauptet, die
Zionisten stünden hinter 9/11 und dem Irakkrieg.
PressTV setzt auch auf umstrittene westliche Kommentatoren, um seine
Propagandabotschaften zu vermitteln. Ein Beispiel ist [3][George Galloway],
ein ehemaliger britischer Abgeordneter, der auch als RT-Moderator auftrat.
Chris Williamson (ebenfalls ein Ex-Abgeordneter und Verbündeter von Jeremy
Corbyn) und David Miller (ein Ex-Professor, der wegen antisemitischer
Verschwörungsmythen vielfach kritisiert wurde) präsentieren beim PressTV
die an ein linkes Milieu gerichtete Sendung „Palestine Declassified“, in
der der Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 als „außergewöhnlicher
bewaffneter Aufstand gegen das zionistische Gebilde“ [4][gelobt wurde].
## Sanktioniert und gesperrt
Scharf kritisiert wird auch, dass PressTV [5][erzwungene Geständnisse] von
[6][verhafteten Journalisten] und Aktivisten gesendet hat – in manchen
Fällen wohl, um ihre Hinrichtung medial zu rechtfertigen. Das stellt nach
den Genfer Konventionen ein Kriegsverbrechen dar.
Schon direkt nach der Gründung 2007 wollte Roshan Muhammed Salih, Londoner
Nachrichtenchef von PressTV, einige der vielen Vorwürfe gegen den Sender
entkräften: Es gebe zu Unrecht eine „extrem heuchlerische Kampagne“
dagegen, schrieb er [7][in der britischen Zeitung The Guardian]. Unter
anderem, weil PressTV bereit sei, „legitimen Akteuren“ wie der Hisbollah
und der Hamas eine Plattform zu bieten – beides islamistische
Terrororganisationen, die vom Iran finanziert werden.
Vergeblich: Seit Jahren ist PressTV von internationalen Sanktionen
betroffen. 2012 verlor der Kanal seine Sendelizenz in Großbritannien. 2021
wurde die.com-Website des Kanals von US-Behörden gesperrt. Und seit 2022
steht PressTV auf der [8][Sanktionsliste der Europäischen Union].
Social-Media-Seiten des Kanals auf YouTube und Facebook wurden zwar
inzwischen gesperrt, PressTV ist jedoch weiterhin auf Telegram (93.000
Follower), Instagram (267.000) und X (578.000) aktiv. Und laut Webseite
kann der Sender weltweit über unterschiedliche Satellitenfrequenzen
empfangen werden.
Bis heute soll PressTV ein Studio in London unterhalten. Und dieses soll
auch als Rekrutierungsstelle der Revolutionsgarden fungieren. Das
[9][berichtet der britische Telegraph] unter Berufung auf den ehemaligen
US-Geheimdienstler Jonathan Hackett. Die Tarnung als Journalisten biete dem
Regime besseren Zugang zu Vertretern der britischen Regierung, sagt er.
Britische Minister seien davor gewarnt worden, so die Zeitung. Auch
[10][die Jerusalem Post berichtete darüber], jedoch nur in Bezug auf
dieselbe Quelle Hackett.
Die Taktik wäre nicht neu: In den USA soll eine PressTV-Moderatorin für die
Rekrutierung von Monica Witt verantwortlich gewesen sein, sagt Hackett.
Witt ist eine ehemalige Spezialistin für Spionageabwehr bei der
US-Luftwaffe und hatte Zugang zu geheimen Dokumenten, ehe sie 2013 in den
Iran überlief. Für das Mullah-Regime war das damals ein Coup.
Doch der Einfluss von PressTV in London bleibt nebulös. Wo sich das dortige
Studio heute befindet, ist nicht öffentlich bekannt – auf der Webseite
steht keine Adresse in Großbritannien. Der letzte bekannte Sitz von „Press
TV Ltd.“ liegt in einem Industriegebiet im Westen der Hauptstadt, im
November 2021 wurde das Unternehmen zumindest offiziell aufgelöst.
Ein möglicher Nachfolger: Im Mai 2025 wurde die gleichnamige „Press TV
Ltd.“ gegründet – von einer chinesischen Firma, über die sich online nichts
finden lässt, sowie von einem 19-jährigen chinesischen Staatsbürger. Am Tag
der Gründung übertrugen sie das Unternehmen an einen 19-Jährigen aus
Lettland, der in einem Plattenbau im ländlichen Süden des Landes gemeldet
ist. Laut Handelsregister hat der Lette seine Identität jedoch bis heute
nicht bestätigt – dafür hat er bis Ende Mai dieses Jahres Zeit. Auf eine
taz-Anfrage per eingeschriebenem Brief zu möglichen Verbindungen zum Iran
reagierte er nicht.
Auch die Spur der angegebenen Adresse des neuen PressTV im Handelsregister
ist mysteriös: Dort, am östlichen Stadtrand Londons, befindet sich
lediglich eine Firma, die Büroräume sowie „virtuelle Offices“ anbietet –
sowie ein Anmeldedienst, um neue Firmen im britischen Handelsregister zu
registrieren. Auf taz-Anfrage sagt der Dienstleister: Press TV Ltd. sei
„derzeit nicht berechtigt, unsere Adresse zu nutzen. Wir sind dabei, unsere
Adresse als eingetragene Geschäfts- und Korrespondenzadresse dieses
Unternehmens beim Handelsregister zu löschen.“
Unstrittig ist, dass PressTV nach wie vor von der britischen Hauptstadt aus
agiert. Doch David Siman-Tov vom Thinktank INSS mahnt zur Vorsicht: „Zwar
gibt es Hinweise auf Einflussnahme und nachrichtendienstliche Aktivitäten,
doch ist ein direkter Zusammenhang zwischen einer offenen Medienplattform
und der Anwerbung von Spionen nicht eindeutig nachgewiesen“, sagt er.
„PressTV ist vielmehr als Teil eines umfassenderen Ökosystems von
Einflussnahme und Zugang zu verstehen, das sowohl mit offenen als auch mit
verdeckten Mitteln arbeitet.“
Zu einem ähnlichen Schluss kommt Bret Schafer vom Institute for Strategic
Dialogue: „Man sollte PressTV nicht als isolierte Bedrohung betrachten,
sondern als Teil des umfassenderen iranischen Propaganda-Ökosystems.“
13 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] http://az.de/Waffenstillstand-im-Irankrieg/!6169170&s/
(DIR) [2] https://web.archive.org/web/20200806114556/https:/www.adl.org/blog/press-tv-zionists-masterminded-the-911-attacks
(DIR) [3] /Starmer-Regierung-in-Grossbritannien/!6153296
(DIR) [4] https://www.thetimes.com/uk/article/palestine-declassified-british-tv-iran-hamas-ldn65svmm
(DIR) [5] https://www.amnesty.org/en/latest/press-release/2016/11/iran-macabre-propaganda-videos-feature-forced-confessions-of-executed-sunni-men/
(DIR) [6] https://www.channel4.com/news/iran-reporters-ofcom-complaint-over-tv-confession
(DIR) [7] https://www.theguardian.com/commentisfree/2009/jul/14/press-tv-iran-ahmadinejad
(DIR) [8] https://data.europa.eu/apps/eusanctionstracker/subjects/145833
(DIR) [9] https://www.telegraph.co.uk/news/2026/03/28/the-iranian-spy-recruitment-hub-operating-in-london/
(DIR) [10] https://www.jpost.com/international/article-891702
## AUTOREN
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