# taz.de -- Human Rights Film Festival Berlin: Von Grenzgängern und Revolutionärinnen
       
       > Zwischen Exil, Autoritarismus und Ungleichheit: Das Human Rights Film
       > Festival Berlin zeigt internationale Dokumentarfilme über zivilen
       > Widerstand.
       
 (IMG) Bild: Kunstschnee mitten im Gebirge: die Doku „All the Mountains Give“
       
       Kunstschnee in einer kargen Steinhütte. Ein Mann tanzt mit nacktem
       Oberkörper auf einem zugefrorenen See. Zugezogene Gardinen, draußen vor dem
       Fenster Polizeigewalt. Szenen, die von Tristesse und Fragilität erzählen,
       aber auch von Resilienz. In einer politischen Gegenwart, in der autoritäre
       Kräfte weltweit erstarken, ist die globale Menschenrechtslage prekär. Wie
       sieht das Leben dort aus, wo Rechtssysteme unterwandert und Minderheiten
       verdrängt werden?
       
       Mit Beiträgen aus 37 Produktionsländern zeigt das achte Human Rights Film
       Festival Berlin unter dem Motto „Where Stories Fight Back“ eine Auswahl
       dokumentarischer Filmprojekte zwischen zivilgesellschaftlichem Engagement
       und künstlerischer Abstraktion. Was die Filme verbindet, ist der Fokus auf
       individuelle Geschichten.
       
       Sie erzählen von Krieg, Exil und der Schwierigkeit, in der Fremde eine
       Heimat zu finden. Vom Kampf für Gleichstellung und Existenzrechte. Und von
       der Gegenwärtigkeit der Klimakrise, die Lebensräume und Perspektiven
       verdrängt. Neben [1][schon anderweitig gezeigten Filmen wie „Bedrock“], der
       sich der Aufarbeitung deutscher NS-Verbrechen widmet, sind auch Berlin- und
       Deutschlandpremieren zu sehen.
       
       Darunter der künstlerische Dokumentarfilm „Silent Legacy“, ein Porträt des
       Choreografen Sibiry Konate, der zwischen Finnland und Burkina Faso ein
       Leben im Transit führt. Als Schichtarbeiter sortiert er in einer finnischen
       Postzentrale Briefe, die Feierabende verbringt er im Tanzstudio. In Europa
       ist er Arbeitnehmer und Migrant, in seinem abgelegenen Heimatdorf der
       Ausreißer im Westen, der Geld schickt und nicht mehr dazugehört.
       
       Die zwiegespaltene Lebensrealität des Choreografen fängt das finnische
       Regieduo Jenni Kivistö und Jussi Rastas aus beobachtender Perspektive ein.
       Man wohnt dem getakteten Alltag von Konate bei: Akkordarbeit, Essen,
       Tanzen.
       
       Anmutig und fließend sind seine Bewegungen in den abstrahierten Tanzszenen,
       mal ausgeführt in Schneelandschaft, mal getaucht in orangefarbenes Licht.
       Die Kamera folgt seinen durchtrainierten Armen, sucht sein verzerrtes
       Spiegelbild in der Fensterscheibe eines Kleintransporters. Dann wieder
       blendet der Film in Szenen über, die Konates Dorf in Burkina Faso zeigen.
       Die Schnitte werden zum Sprung zwischen den Welten. Zwischen fremd
       gewordener Heimat und heimatloser Fremde zieht „Silent Legacy“ tief hinein
       in das Dilemma migrantischen Lebens.
       
       ## Man blickt in Abgründe und furchige Gesichter
       
       Von prekären Existenzen zwischen Aufbruch und Ankunft erzählt auch das
       Debüt „All the Mountains Give“ des kurdischen Filmemachers Arash Rakhsha.
       Über einen Zeitraum von sechs Jahren dokumentiert er das Leben der Kolbar:
       Lastenträger, die auf kurdischem Gebiet Waren über die Grenze zwischen Iran
       und Irak schmuggeln.
       
       In kühlen Blautönen zeigt der Film die schroffe Gebirgskulisse der
       Grenzregion und führt einen in die fahl beleuchteten Hütten am Berghang
       hinein. Im Fokus stehen zwei befreundete Männer. Für kargen Lohn
       transportieren sie unter widrigen Bedingungen illegal Pakete – in der
       Region oft der einzige Weg, an Geld zu kommen.
       
       Regisseur Rakhsha, selbst ein ehemaliger Kolbar, begleitet die beiden
       Männer auf ihren gefährlichen Routen durchs Gelände. In bedrückenden Szenen
       blickt man in Abgründe, in furchige Gesichter, in denen sich Angst, aber
       auch stählernes Durchhaltevermögen spiegeln. Die überwiegend statischen
       Einstellungen bleiben düster, es fällt wenig Licht ein. Und doch finden
       sich Momente der Leichtigkeit: Dampf, der aus kleinen Teegläsern aufsteigt.
       Dampf, den die Männer an ihren Wasserpfeifen ausatmen.
       Geburtstagsluftballons, die an der grauen Decke der Steinhütte kleben, und
       Kunstschnee, der zur Feier des Tages auf den Boden rieselt.
       
       ## Eine freie Tochter Kirgistans
       
       Von der iranischen Grenze nach Kirgistan: Der Dokumentarfilm „A Free
       Daughter of Free Kyrgyzstan“ zeigt ein Porträt der Künstlerin und
       Aktivistin Zere Asylbek. Die Schweizer Filmemacherin Leigh Iacobucci
       begleitet ihren Kampf für Frauenrechte in einem [2][zunehmend
       konservativen, misogynen Regime]. Als 19-Jährige ging Asylbek mit einem
       feministischen Song auf Social Media viral, sechs Jahre später mobilisiert
       sie eine ganze Generation junger Frauen in Kirgistan zum Protest.
       
       Entlang der Geschichte von Asylbek zeigt Iacobuccis Film eine widerständige
       Frauenbewegung, die politischem Druck, Hetze und brutaler Polizeigewalt
       standhält. Mal sieht man Asylbek in privaten Szenen am Küchentisch, leise
       und resigniert, dann wieder steht sie mit erhobener Faust auf der Straße,
       fest entschlossen im Kreis ihrer Mitstreiterinnen.
       
       In einfühlsamen und aufrüttelnden Bildern nähert man sich der kirgisischen
       Musikerin. „A Free Daughter of Free Kyrgyzstan“ zeigt, wofür auch das
       Berliner Filmfestival in seiner Gesamtheit steht: die Kraft zivilen
       Widerstandes.
       
       9 Apr 2026
       
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