# taz.de -- Mehr Schutzräume und mehr Repression: Drogenhilfe in Bremen wird weiter aufgestockt
       
       > Bremen will mehr Geld in Drogenhilfe stecken, um Konflikte von Anwohnern
       > und Konsumenten zu befrieden. Aber auch repressive Maßnahmen werden
       > gestärkt.
       
 (IMG) Bild: Soll es in Bremen bald häufiger geben: Drug-Checking-Angebote
       
       Bremen hat, gemessen am Verhältnis zur Einwohner*innenzahl, die größte
       Drogenszene Deutschlands. Im Jahr 2024 wurden allein in der Stadt Bremen 30
       Drogentote registriert. Immer wieder kommt es zu [1][Konflikten zwischen
       Anwohner*innen und Konsument*innen]. Nun hat der Bremer Senat
       beschlossen, die Drogenhilfe auszubauen. Zusätzlich zu den bereits im
       Oktober beschlossenen zehn Millionen Euro sollen für die Jahre 2026 und
       2027 weitere 5,6 Millionen Euro in die Drogenhilfe fließen.
       
       „Wir wissen alle, dass die Drogenthematik ein herausforderndes Thema ist“,
       [2][sagte die Bremer Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) am
       Dienstag]. „Drogensucht ist eine schwere Krankheit.“ Deshalb sei die
       Drogenhilfe im Gesundheitsressort angesiedelt, es soll jedoch auch
       stadtteil- sowie ressortübergreifend gearbeitet werden, um die Betreuung
       suchtkranker Menschen zu verbessern.
       
       Der Senat setzt vor allem auf Präventions- und Unterstützungsmaßnahmen. Vor
       zwei Wochen wurde am Bremer Hauptbahnhof bereits [3][ein neues integriertes
       Drogenhilfezentrum eröffnet]. Hier bündeln sich Drogenkonsumräume, ein
       Beratungszentrum, eine medizinische Ambulanz sowie ein Tagesaufenthalt.
       Erste Rückmeldungen zu dem Zentrum seien positiv, so Bernhard. Nun wolle
       man die Öffnungszeiten verlängern, mehr Sozialarbeiter*innen und
       Security-Mitarbeiter*innen einstellen sowie psychiatrische Sprechstunden
       anbieten.
       
       ## Schutzraum für drogenabhängige Frauen
       
       Doch auch außerhalb des Drogen-Hotspots Hauptbahnhof werden die
       stadtteilbezogenen Angebote ausgebaut: die mobile medizinische Versorgung,
       regelmäßige Impfaktionen, die Beratungsbüros in Gröpelingen und in der
       Neustadt, die bestehenden Tagesaufenthalte in Vegesack sowie
       Streetwork-Angebote sollen erweitert werden. Für besonders gefährdete
       Frauen soll ein Schutzraum aufgebaut, für drogenabhängige Kinder und
       Jugendliche die bestehende Beratungsstelle gestärkt werden. Die Stunden von
       Sozialarbeiter*innen sollen bei Bedarf niedrigschwellig aufgestockt
       werden können.
       
       Zudem soll nun auch in Bremen eine regelmäßige Abwasseranalyse eingeführt
       werden. [4][Abwasseranalysen zählen zu den verlässlichsten Verfahren, um
       Drogenkonsum vergleichbar zu erfassen] und genauere Daten darüber zu
       erheben, welche Drogen zurzeit im Umlauf sind. Insbesondere der Gebrauch
       von synthetischen Opioiden wie Nitazene und Fentanyl sowie den
       synthetischen Cannabinoiden in E-Zigaretten ist in Bremen gestiegen.
       
       Nitazene und Fentanyl gehören zu den besonders gefährlichen Substanzen –
       50- bis 500-mal wirksamer als Heroin, weshalb sie selbst von
       drogenerfahrenen Menschen schnell unbeabsichtigt überdosiert werden können.
       Um den Tod durch Überdosierungen zu verhindern, soll das lebensrettende
       Notfallmedikament Naloxon vermehrt bereitgestellt werden.
       
       In den Drogenkonsumräumen des Drogenhilfezentrums können Konsumierende ihre
       Drogen bereits auf Wirkstoffe, Reinheit und gefährliche Beimischungen
       untersuchen lassen. Doch auch außerhalb der offenen Szene gibt es eine
       große Gruppe Konsumierender: Menschen, die zu Hause oder beim Feiern Drogen
       nehmen. Drug-Checking-Aktionen in der Party-Szene sowie
       Suchtberatungsangebote sollen auch diese Zielgruppe erreichen.
       
       ## Repressive Maßnahmen werden erweitert
       
       [5][Bildungssenator Mark Rackles (SPD)] plant eine Stärkung der
       Suchtprävention, [6][Sozialsenatorin Claudia Schilling (SPD)] will
       niedrigschwellige Wohnangebote für Langzeitkonsument*innen schaffen.
       Wohnungslosigkeit spielt in dieser Zielgruppe eine große Rolle, weshalb in
       dem neuen Drogenhilfezentrum nun auch eine Wohnberatung stattfinden soll.
       
       Doch auch repressive Maßnahmen sollen ausgebaut werden: [7][Innensenatorin
       Eva Högl (SPD)] plant eine Aufstockung des Ordnungsdienstes sowie des Juni
       2025 gestarteten Pilotprojekts „Neustadtläufer“. Dieses Projekt ist eine
       Antwort auf die zunehmenden Beschwerden von Anwohner*innen über die
       Drogenhotspots der Bremer Neustadt.
       
       Die von einem privaten Sicherheitsdienst geschulten Menschen sollen in den
       Sommermonaten um die Drogentreffpunkte der Neustadt herum als
       Vermittler*innen zwischen Konsument*innen, Anwohner*innen und
       Polizei fungieren.
       
       7 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [6] /Bremer-Senat-improvisiert-Finanzplanung/!6080526
 (DIR) [7] /Wehrbeauftragte-sieht-Personalprobleme/!6075240
       
       ## AUTOREN
       
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