# taz.de -- Wehrdienstgesetz: Pistorius sagt: Reisen geht okay
> Der Verteidigungsminister stellt klar: Männer zwischen 17 und 45 brauchen
> keine Genehmigung für langen Auslandsaufenthalt.
(IMG) Bild: Ab in den Flieger: Verteidigungsminister Pistorius auf Asienreise im März 2026
dpa | Verteidigungsminister Boris Pistorius hat klargestellt, dass
wehrfähige Männer derzeit keine Genehmigung für lange Auslandsreisen
brauchen. Noch in dieser Woche werde eine Ausnahme von der
Genehmigungspflicht durch eine Verwaltungsvorschrift erlassen, sagte der
SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.
Zuvor hatte es erheblichen Wirbel um eine mögliche Konsequenz aus dem
Gesetz über den neuen Wehrdienst gegeben. Kritisiert wurde, dass sich
demnach grundsätzlich alle Männer im Alter von 17 bis 45 Jahren einen
Auslandsaufenthalt von mehr als drei Monaten von der Bundeswehr genehmigen
lassen müssten.
Das Verteidigungsministerium hatte dazu erklärt, es werde durch
Verwaltungsvorschriften klargestellt, dass die Genehmigung als erteilt
gelte, solange der Wehrdienst freiwillig sei.
„Mir sind unbürokratische und handhabbare Verfahren wichtig. In der
aktuellen Friedenszeit wird es keine Genehmigungsverfahren geben. [1][Wir
setzen die Genehmigungspflicht aus, solange der Wehrdienst freiwillig
ist]“, sagte Pistorius. „Auslandsreisen müssen also auch nicht angezeigt
oder angemeldet werden. Ich habe bereits veranlasst, dass der entsprechende
Erlass, an dem meine Fachleute bereits arbeiten, schnell umgesetzt wird.“
## Entsprechende Verfahren
Zugleich kündigte er an, für den Spannungsfall würden entsprechende
Verfahren etabliert. Er verteidigte die Regelung in Paragraf 3 des
geänderten Wehrpflichtgesetzes. Sie sei nötig – „und zwar vorsorglich“.
Pistorius sagte dazu: „Wir tun alles, um einen Spannungs- oder
Verteidigungsfall zu verhindern und müssen trotzdem auf einen Ernstfall
vorbereitet sein. Denn wenn sich die Sicherheitslage verschlechtern sollte
und ein verpflichtender Wehrdienst eingeführt werden müsste, hätten wir
eine andere Ausgangslage. Dann wäre es für uns entscheidend zu wissen, wer
tatsächlich verfügbar ist und wer nicht.“
Derzeit ändert sich für die Männer nichts: „Ob 17 oder 45 Jahre oder
dazwischen – alle dürfen selbstverständlich verreisen und brauchen derzeit
dafür auch keine Genehmigung“, sagte Pistorius. Ein längerer
Auslandsaufenthalt müsse also auch nicht angezeigt werden. Dafür werde eine
Ausnahme von der im Gesetz grundsätzlich angelegten Meldepflicht
vorgesehen.
Als Grund nannte er, dass der neue Wehrdienst freiwillig sei. Niemand werde
gegen seinen Willen eingezogen. „Dafür habe ich mich innerhalb der
Koalition erfolgreich eingesetzt. Folglich kommen wir derzeit nicht in die
Lage, auf jemanden zurückgreifen zu müssen, der nicht verfügbar ist. Unser
neuer Wehrdienst soll so attraktiv sein, dass dies auch möglichst lange so
bleibt“, sagte Pistorius.
## Aufwuchs
Meldepflichten gab es formal auch bis zur Aussetzung der Wehrpflicht im
Jahr 2011. Die Regelung kam auch damals nicht zur Anwendung.
Dienstleistungspflichtige Reservistinnen und Reservisten sind nach Angaben
des Verteidigungsministeriums aber angehalten, Umzüge anzeigen.
Das sogenannte [2][Wehrdienst-Modernisierungsgesetz] trat zum 1. Januar in
Kraft. Kern ist die verpflichtende Musterung für junge Männer ab dem
Jahrgang 2008. So sollen Freiwillige für einen Ausbau der Truppe von
zuletzt mehr als 180.000 Männern und Frauen um 80.000 auf 260.000 aktive
Soldaten rekrutiert werden.
Mitte Januar hatte die Bundeswehr damit begonnen, Fragebögen zum Wehrdienst
zu verschicken. Sie gehen an junge Menschen des Jahrgangs 2008, die seit
Jahresbeginn volljährig geworden sind. Insgesamt umfasst der Jahrgang 2008
knapp 700.000 junge Männer und Frauen. Junge Männer müssen die Fragen
beantworten, Frauen können das tun. Hintergrund ist die Regelung im
Grundgesetz, das eine Wehrpflicht nur für Männer kennt.
Um das Gesetz für den neuen Wehrdienst hatte es wiederholt Streit gegeben,
der sich vor allem um die Frage der Freiwilligkeit drehte. Letztlich setzte
sich in der Koalition die SPD-Linie durch, die auch Freiwilligkeit pochte.
Allerdings wurden Zielmarken für den sogenannten Aufwuchs – also mehr
Soldatinnen und Soldaten in der Truppe – festgelegt. Alle sechs Monate soll
das Verteidigungsministerium darlegen, ob die Pläne noch im Ziel liegen.
Sollte das nicht der Fall sein, kann der Bundestag über eine sogenannte
Bedarfswehrpflicht entscheiden.
Mit dem Wehrdienst reagiert Deutschland auf [3][die Bedrohung durch
Russland] und die in der Folge geänderten Nato-Ziele. In mehreren Umfragen
unter Bürgern gab es zuletzt mehrheitlich Zustimmung zu dem neuen
Wehrdienstmodell. Allerdings wurde wiederholt auch Kritik laut, junge
Menschen, die nun zum Dienst antreten sollen, seien nicht ausreichend an
der Ausarbeitung der Pläne beteiligt worden.
8 Apr 2026
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