# taz.de -- Entkriminalisierung von Schwarzfahren: U-Bahn-Fahren muss billiger werden
       
       > Wäre der ÖPNV nicht so teuer, würden weniger Menschen ohne Ticket fahren.
       > Warum geht in Deutschland nicht, was andere Länder längst praktizieren?
       
 (IMG) Bild: Nicht jeder kann sich ein gültiges Ticket für die BVG leisten
       
       Ein Einzelfahrschein [1][in Berlin kostet mittlerweile 4 Euro]. Ja, richtig
       gelesen: 4 Euro! Egal, ob man U-Bahn oder S-Bahn, Bus oder Straßenbahn
       fährt. Fährt man nur vier Stationen, kostet eine Station mit der Bahn 1
       Euro. Die spinnt ja wohl, die BVG!
       
       Die ganz Schlauen kommen jetzt sicher wieder mit ihrem Standardargument:
       Wenn du ein Viererticket kaufst oder eine Monatskarte oder das
       Deutschlandticket, wird es billiger. Stimmt, aber wenn man nichts davon
       braucht, ist es eben teuer. Viel zu teuer! Da wundert es nicht, dass (nicht
       nur finanziell schwächere) Menschen das Schwarzfahren zu ihrer persönlichen
       Challenge machen: Sie halten auf dem Bahnsteig nach den Kontrolleuren
       Ausschau, die Expert:innen unter den ticketlos Fahrenden erkennen die
       Kontrollettis rasch.
       
       Die stehen in Dreier- oder Vierertrupps auf dem Bahnsteig, quatschen
       belangloses Zeug und verteilen sich, nachdem sie gemeinsam in einen Waggon
       gestiegen sind, im gesamten Abteil. Außerdem haben sie unförmige Taschen
       vor dem Bauch. In der Bahn sind professionelle Schwarzfahrer:innen in
       steter Habachtstellung, insbesondere an den Haltestellen, dann springen sie
       – siehe oben – noch rasch raus.
       
       Wäre das Einzelticket nicht überteuert, gäbe es weniger
       Schwarzfahrer:innen – zumindest unter den nicht ganz Armen, ganz
       sicher! Selbst in New York zahlt man für die Subway 2,50 Dollar, in
       Luxemburg, Malta, der estnischen Hauptstadt Tallinn und im französischen
       Dunkerque fährt man kostenlos. [2][In Melbourne in Australien kostet die
       Straßenbahn in der Innenstadt nichts]. Der Autoverkehr in Melbourne hat
       sich dadurch reduziert, die ÖPNV-Nutzung hingegen verdoppelt.
       
       Warum geht das nicht in Berlin und in anderen deutschen Großstädten? In
       Monheim, Erlangen und Augsburg versucht man es immerhin. In Tübingen fahren
       die Menschen am Samstag kostenfrei. Würde sich ein kostenfreier, zumindest
       aber ein günstiger ÖPNV bundesweit durchsetzen, würde sich das Land all
       [3][die Verfahren gegen und Gefängniskosten für Schwarzfahrer:innen
       sparen. Und die Debatten] darum sowieso.
       
       11 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] /Staedte-gegen-Individualverkehr/!5783309
 (DIR) [3] /Kein-Knast-fuer-Schwarzfahrer/!6168799
       
       ## AUTOREN
       
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