# taz.de -- Erneuerbare-Energien-Gesetz: Weniger Solardächer, billiger Strom?
> Wirtschaftsministerin Reiche will Solaranlagen auf Wohnhäusern nicht mehr
> fördern wie bisher. Was das für Privatleute und Energiewende bedeutet.
(IMG) Bild: Lobbyverbände fürchten, dass das nach Reiches Plänen bald seltener passiert: Montage einer PV-Anlage auf dem Dach eines Wohnhauses
Viele Besitzer:innen von Einfamilien-, aber auch kleinen
Mehrfamilienhäusern haben sich mittlerweile Sonnenstromanlagen auf ihre
Dächer montieren lassen. Sie selbst und ihre Mieter:innen profitieren
dabei oft von Stromkosten, die niedriger liegen als die Preise der großen
Energieversorger. Das funktioniert auch deshalb, weil die kleinen
Photovoltaikkraftwerke per Gesetz einen Zuschuss für die Produktion vieler
Kilowattstunden erhalten.
Doch diese Regelung will Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU)
für neue Anlagen nun abschaffen. Warum? Und wie sähen die Folgen aus?
## Was die Wirtschaftsministerin vorhat
Die Energiewende und die Verringerung der klimaschädlichen
Kohlendioxidemissionen [1][stellt Reiche bisher zwar nicht grundsätzlich
infrage]. Aber sie will das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das die
finanzielle Förderung der Photovoltaik(PV)-Anlagen regelt, stark
reformieren. Das geht aus einem durchgesickerten Gesetzentwurf des
Ministeriums und aus einem Hintergrundpapier des Hauses hervor.
„Die Förderung für Anlagen bis 25 Kilowatt installierter Leistung wird
eingestellt“, heißt es im Gesetzentwurf. Diese Leistung reicht über den
Daumen für Gebäude mit bis zu vier oder fünf Wohnungen. Momentan bekommen
die Betreiber:innen dieser Solarkraftwerke für jede hergestellte
Kilowattstunde einen garantierten Betrag von etwa 8 Cent, teilweise aus
öffentlichen Mitteln, wenn sie ihren Strom nicht selbst im Haus
verbrauchen, sondern ins allgemeine Netz einspeisen. Künftig soll dieser
Zuschuss wegfallen.
Zur Begründung steht im Hintergrundpapier: „Wer sich heute eine PV-Anlage
für sein Eigenheim kauft – für den lohnt sich diese Investition innerhalb
weniger Jahre.“ Eine „Förderung auf Kosten der Steuerzahler“ sei deshalb
nicht mehr nötig. Stattdessen sollen sich die Eigentümer:innen der
Ökokraftwerke in Zukunft selbst darum kümmern, von wem sie welchen Preis
für den eingespeisten Strom erhalten. Sie [2][müssen dann mit den
Energieunternehmen verhandeln]. Das nennt man „Direktvermarktung“.
Grundsätzlich will die Wirtschaftsministerin damit die Kosten der
Stromproduktion und die Preise für die Verbraucher:innen –
Privathaushalte und Firmen – insgesamt drücken. Das Wachstum der
Solarstromherstellung soll weniger auf kleinen, privaten Dächern, sondern
in großen, „kostengünstigeren Freiflächenanlagen“ stattfinden, heißt es im
Papier. Logik: Große Solarparks produzieren billiger als kleine Dachmodule.
Hintergrund sind verbreitete Klagen, dass der Strom in Deutschland im
internationalen Vergleich zu teuer sei.
## Kleine Solaranlagen aus Sicht der Privatleute
Die Frage ist nun, wie Hausbesitzer:innen reagieren, die sich nach
einer solchen Gesetzesänderung überlegen, eine PV-Anlage anzuschaffen.
Bauen sie trotzdem oder bauen sie nicht, weil sie den Zuschuss nicht mehr
erhalten? Der Bundesverband Solarwirtschaft, eine Lobbyorganisation, sagt
dazu, dass sich eine Einfamilienhaussolaranlage mit Zuschuss nach 13 Jahren
rechne, ohne aber erst nach 19 Jahren.
Angesichts dieses zu langen Zeitraums würde gut die Hälfte der
interessierten Hausbesitzer auf die Investition verzichten, [3][ergab eine
Umfrage im Auftrag des Verbands]. Wobei der Bundesverband der
Energiewirtschaft (BDEW) jedoch optimistischer ist: „Solaranlagen für
Eigenheime lohnen sich auch weiterhin. Das gilt insbesondere für PV-Anlagen
mit einem hohen Eigenverbrauchsanteil.“
Bei den Überlegungen dürfte eine Rolle spielen, ob und wie die geplante
Direktvermarktung klappen könnte. „Es ist nicht abzusehen, dass dies bis
Anfang 2027 auch nur annäherungsweise gut funktioniert“, sagt [4][Christoph
Kost] vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg. Denn
heute gebe es kaum Unternehmen, die Privatkunden Verträge für die
Direktvermarktung ihres Dachstromes anböten. Außerdem fehlten meistens die
dafür nötigen intelligenten Stromzähler. Das zweite Argument teilt der
BDEW: „Derzeit sind viele Prozesse der Direktvermarktung noch nicht
ausreichend digitalisiert und standardisiert, sodass hier Nachholbedarf
besteht.“
## Die Folgen der Reform
Die Reform werde dazu führen, schätzt Fraunhofer-Experte Kost, dass
Dachanlagen kleiner ausfielen und manche Dachfläche unbelegt bleibe. Käme
es so, bremste das die Produktion von Solarstrom. Die Klimaziele wären
schwerer zu erreichen. Unklar ist, ob ein verstärkter Zubau großer
Sonnenkraftwerke diesen Nachteil wettmacht.
Positiv wäre die Reform für den Staat, weil seine Ausgaben für die
Förderung sinken. Die Folgen für den Strompreis sind jedoch unklar. Wenn
einerseits weniger Dachkraftwerke gebaut werden, wächst das Angebot an
Ökostrom langsamer. In der Folge bleiben die Strompreise insgesamt auf
höherem Niveau. Wenn andererseits aber [5][mehr große Sonnenkraftwerke
errichtet werden], könnte die Bilanz positiv ausfallen. Ob das so kommt,
lässt sich heute nicht sagen.
## Wie es mit dem Gesetz weitergeht
Bisher gibt es nur einen Entwurf, Änderungen sind wahrscheinlich. Dabei
können sich die [6][Folgen der stark erhöhten Öl- und Gaspreise bemerkbar
machen] und die Befürworter:innen der erneuerbaren Energien wieder in
die Offensive bringen. Ohnehin wird CDU-Wirtschaftsministerin Reiche
Probleme haben, ihr Vorhaben beim Koalitionspartner SPD durchsetzen.
Eine Kompromisslinie deutet [7][Andreas Fischer] vom Institut der deutschen
Wirtschaft in Köln an: Die Umstellung für kleine Anlagen ließe sich durch
längere Übergangsfristen abfedern und erleichtern. Ähnlich argumentiert der
BDEW: Für Anlagen unter 25 Kilowatt „sollte die Direktvermarktung erst ab
2030 verpflichtend eingeführt werden, da die Digitalisierung der Prozesse
noch aussteht“.
3 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Auf-fossiler-Energiekonferenz-in-Texas/!6165526
(DIR) [2] /Reform-des-Erneuerbare-Energien-Gesetzes/!6158597
(DIR) [3] https://www.solarwirtschaft.de/2026/02/26/solarbranche-warnt-vor-kahlschlag-beim-solarausbau/
(DIR) [4] https://www.ise.fraunhofer.de/de/ueber-uns/organisationsstruktur/wissenschaftliche-bereiche/esa.html
(DIR) [5] /Solarenergie-waechst-exponentiell/!6080466
(DIR) [6] /Trotz-neuer-Tankstellen-Regeln/!6168088
(DIR) [7] https://www.iwkoeln.de/institut/personen/andreas-fischer.html
## AUTOREN
(DIR) Hannes Koch
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